Tourismusbranche fürchtet um Ruf
Kriminalität in Spanien gestiegen

Spanien, eines der wichtigsten Reiseländer der Welt, galt bislang als ein sicheres Ferienziel. Ein starker Anstieg der Kriminalität bringt den guten Ruf jedoch zunehmend in Gefahr.

dpa MADRID. Auf Mallorca stellen Gauner und Kleinbetrüger den Urlaubern an der Strandpromenade von Palma nach. In Madrid lauern Gangster den Touristen auf dem Flohmarkt ("Rastro") oder vor dem berühmten Prado-Museum auf. In Barcelona gelten die Gassen des Gotischen Viertels als besonders gefährlich. Die Übeltäter sind nicht nur fingerfertige Taschendiebe, sondern häufig auch brutale Räuber, die ihren Opfern die Handtasche oder die Geldbörse mit rüder Gewalt abnehmen. Das US-Außenministerium mahnt die Spanien-Urlauber vor allem in Madrid und Barcelona zur Vorsicht.

Straftaten um 10,5 % angestiegen

Im vorigen Jahr nahm die Zahl der Straftaten in Spanien um 10,5 % zu, der höchste Anstieg seit 15 Jahren. Davon sind nicht nur Urlauber betroffen, sondern auch Einheimische. "Leben wir noch in Sicherheit?", fragt das Wochenmagazin "La Clave" besorgt. In der Mordstatistik gehört Spanien - gemessen an der Einwohnerzahl - mit 1230 Morden im Jahr zu den Ländern der Spitzengruppe in Europa.

22 Morde in einem Jahr in Torrevieja

Die Spitze des Eisbergs dürfte der ostspanische Badeort Torrevieja bilden. In der Kleinstadt mit 50 000 Einwohnern wurden in einem Jahr 22 Morde verübt. "Torrevieja bedeutet eine tödliche Gefahr", schreibt die Zeitung "El Mundo". "Hier ist die Gefahr, ermordet zu werden, 20 Mal größer als in Madrid." Erst kürzlich wurde hier ein junger Mann erstochen, weil er einem anderen bei einer Striptease-Show die Sicht versperrt hatte. Der einstige Hafen- und Fischerort wurde zu einer Hochburg des Verbrechens, weil sich hier Geldwäscher und Gangsterbanden aus Osteuropa niederließen und ihr Terrain zuweilen mit Gewalt verteidigen.

60 Raubüberfälle pro Tag in Madrid

Was die Spanier besorgt, sind jedoch nicht so sehr die blutigen Abrechnungen im Mafia-Milieu, sondern kleinere Straftaten wie Überfälle oder Einbrüche. Allein in Madrid werden pro Tag durchschnittlich über 60 Raubüberfälle verübt. Und die Hauptstadt liegt in der Kriminalstatistik nicht einmal an der Spitze. Die großen Urlauberzentren wie Mallorca, die Mittelmeerküste bei Alicante oder Teneriffa weisen noch höhere Kriminalitätsraten auf. Auf Mallorca stieg die Zahl der Delikte in den ersten drei Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr um 50 %. Die Hoteliers fürchten, dass nun noch mehr Urlauber der Insel den Rücken kehren könnten.

Illegale Ausländer sollen für Anstieg der Kriminalität verantwortlich sein

Spaniens Regierung weist den Vorwurf zurück, mit ihrer Sicherheitspolitik gescheitert zu sein. Spanien sei in der Europäischen Union noch immer eines der sichersten Länder, betont Innenminister Mariano Rajoy. Er macht vor allem Ausländer, die illegal ins Land gekommen sind, für die Zunahme der Kriminalität verantwortlich. 89 % der Untersuchungshäftlinge, die Anfang dieses Jahres festgenommen wurden, stammten aus dem Ausland.

Aber der Zustrom illegaler Immigranten ist nicht der einzige Grund für den Anstieg. Die Stärke der Polizeikräfte wurde in den vergangenen Jahren reduziert. Es fehlten 12 000 Beamte, beklagen die Gewerkschaften. Viele Polizisten seien für den Kampf gegen die baskischen ETA-Terroristen abkommandiert. Zudem seien die Polizeitruppen überaltert und nicht für die Jagd auf organisierte Verbrecherbanden ausgebildet.

Kriminelle kommen zu rasch wieder frei

Eine weitere Schwachstelle ist die Justiz. Kleinkriminelle kommen, wenn sie festgenommen werden, meistens rasch wieder frei und gehen erneut auf Beutezug. David Bote, ein 19-jähriger Madrider Straßenräuber, lacht die Streifenbeamten aus, wenn sie ihm wieder einmal Handschellen anlegen: "Was wollt Ihr denn? Morgen bin ich wieder frei. Ich verdiene in einer Nacht mehr als Ihr in einem Monat." Er wurde bereits 45 Mal festgenommen. Den traurigen Rekord in Spanien hält ein junger Nordafrikaner mit 187 Festnahmen.

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