Touristikaktien gehören zu den großen Verlierern
Chinas Börsen leiden schwer unter SARS

Weil die Lungenkrankheit SARS in China inzwischen weite Teil des wirtschaftlichen Lebens lahm gelegt hat, befürchten Experten für die Aktienmärkte dort weitere Rückschläge. Einzig Pharma- Hersteller haben noch Potenzial.

PEKING. Die SARS-Krise ist für Chinas Aktienmärkte ein Schlag in die Magengrube. Allein in der abgelaufenen Woche büßten die führenden Indizes an den beiden Börsen in Schanghai und Shenzhen über 6 % ein. Entgegen negativer Vorhersagen zu Jahresbeginn hatten sie sich monatelang nach oben gehangelt, getrieben vom satten Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 9,9 % im ersten Quartal. Doch dann kam der Ostersonntag. Chinas Behörden gaben zu, dass die Zahl der SARS-Infizierten zehn Mal so hoch ist wie bislang berichtet und dass der Gesundheitsminister und Pekings Bürgermeister ihrer Ämter enthoben werden.

"Nicht nur die Ausländer haben Vertrauen in China verloren", sagt Andy Rothman von CLSA Emerging Markets in Schanghai, "sondern auch die Chinesen". Im Klartext: Bei SARS handelt es sich um eine psychologische wie um eine medizinische Krise. Und das belastet die Börse mehr als andere Institutionen. Um SARS in den Griff zu bekommen, wurde die traditionelle Ferienwoche Anfang Mai um drei Tage verkürzt. "Das ist ein schwerer Schlag gegen Reiseunternehmen, denn der Großteil ihrer Einkünfte stammt aus den beiden Ferienwochen im Mai und Oktober", sagt Zhang Linwei, Analyst beim Blue Chip Fund Management in Shenzhen. In der Tat: In den drei Ferienwochen im Februar, Mai und Oktober 2002 reisten über 100 Mill. Chinesen durchs Land und bescherten der Tourismusindustrie 15 % ihrer Jahreseinkünfte.

Tourismustitel sind es denn auch, die seit einer Woche abgestraft werden. Der Kurs von China CYTS Tours Holding, dem zweitgrößten Reiseveranstalter im Reich der Mitte, hat den tiefsten Stand seit zwei Jahren erreicht. Buchungen ausländischer Touristen, heißt es dort, hätten in den letzten vier Wochen um 50 % nachgelassen. Die Lufthansa-Flüge von Frankfurt nach Peking - bestätigen Reisende - sind nur zu 50 % ausgelastet. Xi´an Tourism, Tour-Veranstalter zu den Terrakotta- Kämpfern in Xi´an, stehen auf dem tiefsten Kurs seit drei Monaten.

Huangshan Tourism Development, ein Betreiber von Resorts und Hotels rund um die berühmten Gelben Berge in Ostchinas Provinz Anhui, wird ebenfalls abgestraft. Nicht besser ergeht es Chinas Airlines, die auf den Hauptrouten vor allem zwischen Peking und Schanghai oft kaum mehr Gäste als Stewardessen transportieren. Hinzu kommen immer mehr Absagen von wichtigen Messen. Am Mittwoch beendete die Regierung von Schanghai kurzfristig die Leitmesse für die Autoindustrie in China. So breitet sich Panik aus, die auch das wirtschaftliche Leben in Mitleidenschaft zieht. Chinas führende Exportmesse in Kanton meldet zur Halbzeit einen Einbruch der Vertragsvolumina um zwei Drittel. Die vom 19. bis zum 23. Mai geplante Buchmesse in Peking wurde auf September verschoben.

Doch nicht alle Aktienkurse leiden unter der SARS-Krise. Die Hersteller von pharmazeutischen Produkten und Naturheilmitteln sehen ihre Kurse regelrecht davonfliegen. Die Aktien von Eu Yan Sang International Holdings, einem chinesischen Kräuterproduzenten, explodierten am Montag um 24 %. Die Firma hatte berichtet, sie dehne die Produktion eines gegen SARS geeigneten Mittels aus. Auch Tong Ren Tang Technologies, die traditionelle Medizin wie das beliebte Ban Lan Gen - ein Aufbaupräparat für das Immunsystem - verkaufen, sieht neue Höchststände. Die Läden allein in Peking verkaufen täglich 80 000 Flaschen davon. Tong Ren Tang hat in diesem Monat um 16 % zugelegt.

Optimisten sind an Chinas Börsen nur in der Minderheit. "Wir erwarten, dass der Markt sich kurzfristig verbessern kann", sagt Yu Xiaoli von Haitong Securities, die noch zu den Unbeirrbaren gehört. Doch es überwiegen pessimistische Einschätzungen. Am Mittwoch setzten an Chinas Börsen auch größere Verkäufe von Blue-Chip-Titeln ein, was lokale Zeitungen als Beleg dafür werten, dass nun auch Institutionelle aus dem Markt fliehen.

"Wir sind kurzfristig betrachtet nicht optimistisch", sagt Shao Rui, ein erfahrener Analyst bei Shanghai Securities. "Die Kurskorrekturen werden anhalten, solange nicht klar ist, wie stark sich SARS auf die Wirtschaft auswirkt", ergänzt Wu Shou-Kang von Guotai Junan Securities. Ein Fass ohne Boden scheint die SARS-Seuche nicht darzustellen. "Technisch gesehen haben wir einen sehr starken Boden bei der 250-Tage-Linie, das Verlust-Potenzial ist also limitiert", sagt Zhu Yinchao von Huaan Securities.

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