Toyota, Peugeot und Citroen greifen an
Skoda Auto erhält Konkurrenz

Tschechiens Automobilindustrie wächst und gedeiht mit 300 Produktionsbetrieben. Und doch weisen selbst Kfz-Verbandsfunktionäre auf ein Risiko hin: die starke Abhängigkeit des tschechischen Wirtschaftswachstums von der Autoproduktion.

PRAG. "Die Fahrzeugproduktion ist der stärkste Sektor der Industrie", sagt der Vorstandschef des Marktführers Skoda Auto und Präsident des Automobilverbandes der Autoindustrie, Vratislav Kulhanek. "Dies kann gefährlich sein. Fängt sich die einheimische Autoindustrie einen Schnupfen ein, dann haut die tschechische Wirtschaft eine schwere Grippe um."

Lange war Skoda Auto der Platzhirsch der Branche. Doch nun ziehen auch Wettbewerber nach. Von den neuen Auslandsinvestoren im vergangenen Jahr stammen der staatlichen Investitionsagentur CzechInvest zufolge zwei Dutzend aus der Fahrzeugbranche. Ihre zugesagten Investitionen summieren sich auf 637 Mill. US $. Jedes zweite Unternehmen der 50 umsatzstärksten Hersteller von Fahrzeugen und Kfz-Teilen ist inzwischen in Tschechien vertreten. Die Berater von Ernst & Young haben ermittelt, dass von den 2002 in Europa erfassten 153 neuen Engagements in der Automobilindustrie fast jedes fünfte nach Tschechien ging.

Die Wirtschaftsflaute zwingt die Industrie dazu, kostengünstigere Standorte zu suchen. Tschechien ist mit Löhnen um 17 500 Kronen im Monat oder rund 535 Euro immer noch attraktiv - wenn auch der Marktführer Skoda Auto durchschnittlich 21 600 Kronen zahlt.

Viele der renommierten einheimischen Kfz-Teile-Hersteller haben sich in wenigen Jahren rasant entwickelt. "Wir verfügen heute über ein eigenes Entwicklungsbüro und können so gemäß der Idee unseres Kunden Leistungen vom Entwurf bis zur Produktion eines neuen Kunststofferzeugnisses für die Kfz-Industrie anbieten", sagt der Generaldirektor der im südmährischen Horni Nemci tätigen Kasko GmbH, Antonin Kadlcek. Die Firma startete 1992 mit fünf Mann, der Ausrüstungspark bestand damals nur aus ein paar alten Maschinen für die Herstellung von Kfz-Zubehör für inländische Abnehmer. Heute dagegen beliefert die südmährische Firma Konzerne wie VW und Ford.

Das Unternehmen liegt mit seiner Ausrichtung auf die Entwicklung und Produktion von Kfz-Teilen im Trend. Jenen rein tschechischen Firmen aber, die keine eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilungen aufgebaut haben - und das sind mehr als ein Viertel aller Spieler in der Branche - steht eine ungewisse Zukunft bevor. Denn die Automobilbauer fordern die Zulieferer zunehmend auf, sich auch bei der Entwicklung neuer Fahrzeugmodelle und-teile zu engagieren. "Die Wettbewerbsvorteile der rein tschechischen Zulieferer schwinden. Vorteile hat jener Zulieferer, der sich an der Entscheidung für neue Modelle beteiligt, also in der Forschung aktiv ist" stellt der Einkäufer von Toyota Europa, Jan Vasek, klar. Viele der einheimischen, häufig unterkapitalisierten Firmen werden sich daher wohl über kurz oder lang nach einem kapitalkräftigen ausländischen Partner umsehen müssen.

Einen ungeahnten Aufschwung erlebt derzeit die mittelböhmische Provinzstadt Kolin, das nur 60 Kilometer östlich von Prag liegt. Die Entscheidung des japanisch-französischen Konsortiums namens TPCA aus Toyota und PSA Peugeot Citroen Automobile, dort die zentraleuropäische Autoschmiede zu errichten, lockt weitere Investoren der Kfz-Industrie nach Tschechien. Das Konsortium will dort 300 000 Kleinwagen im Jahr produzieren und nach Europa exportieren. Ein Kleinwagen soll rund 7 500 Euro kosten.

Insgesamt sollen in Kolin rund 1,5 Mrd. Euro investiert werden. "Der Bau des Werkes kommt zügig voran, einige Objekte wurden sogar mit Vorlauf fertig gestellt", sagt der Generalkoordinator des Projektes, Jaroslav Camfrla.

Erst im Januar 2005 werden die ersten Viersitzer der Marken Toyota, Peugeot und Citroen vom Band rollen. Doch schon jetzt denkt das Konsortium über einen Ausbau seiner gerade erst errichteten Hallenkapazitäten nach.

Seine Hauptzulieferer hat TPCA schon zu fast 90 Prozent ausgewählt. "Zulieferer aus Tschechien sollten künftig bis zu 40 Prozent aller erforderlichen Kfz-Teile und Firmen ausmachen, Firmen aus anderen mitteleuropäischen Ländern weitere 40 % sicherstellen", umreißt der Präsident von TPCA, Masatake Enomoto, die Zulieferpolitik seines Unternehmens. Die Aufgaben innerhalb der Kooperation haben sich die Partner klar geteilt: Toyota managt die Entwicklung und Produktion, PSA Peugeot Citroen wird Einkauf und Logistik verantworten.

Automobilbranche

Produktion
1999 produzierte die tschechische Automobilindustrie Güter im Wert von 6.8 Mrd. Euro, 2002 waren es 10.1 Mrd. Euro und 2003 werden es voraussichtlich knapp 11 Mrd. Euro sein.
Export
17 % der Gesamtexporte Tschechiens machte 1999 die Kfzbranche aus, insgesamt 4.8 Mrd. Euro. 2002 waren es bereits 19,1 % und 7.5 Mrd Euro. Für 2003 wird ein Anteil von 20 % mit einem Wert von 8.1 Mrd. Euro erwartet.
Nettoexportüberschuss
1999 betrug der Nettoexportüberschuss der tschechischen Automobilbranche 2.7 Mrd. Euro, 2002 4.4 Mrd. Euro. 2003 wird er voraussichtlich 4.5 Mrd. Euro erreichen.
Automobilkonzerne
Skoda Auto, die VW-Tochter, ist der unbestrittene Marktführer mit einem Marktanteil von rund 50 %. Erst mit großem Abstand folgen Renault, Peugeot, VW und Opel mit Marktanteilen von 4 - 6 %. Doch Skoda verliert Marktanteile, die anderen holen auf.

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