Toyota-Tochter wird in Europa stärker – Druck auf MAN
Hino kooperiert mit Scania

Der japanische Lkw-Hersteller Hino überrascht die Nutzfahrzeugbranche. Das Unternehmen aus dem Toyota-Konzern - weltweit die Nummer 13 unter den Lkw-Anbietern - will künftig eine strategische Allianz mit dem schwedischen Konkurrenten Scania eingehen.

hst/zel TOKIO/STOCKHOLM/DÜSSELDORF. Die Gespräche seien schon sehr weit fortgeschritten, Ergebnisse würden "in Kürze" vorgestellt, teilte das Unternehmen am Montag in Tokio mit.

Hino - zu 50 % im Besitz von Toyota - wird den schwedischen Wettbewerber wahrscheinlich mit kleineren Lkw und Motoren beliefern, Scania hätte im Gegenzug seine schweren Lkw zu bieten. Außerdem werden beide Unternehmen stark in der Forschung kooperieren. Nach Angaben von Hino steht die Zusammenarbeit bei umweltfreundlichen Technologien im Vordergrund.

Scania gab sich am Montag hingegen noch bedeckt, was die künftige Zusammenarbeit mit Hino betrifft. "Wir sprechen mit allen Konkurrenten, auch mit Hino", sagte ein Scania-Sprecher. Beide Unternehmen würden sich regional gut ergänzen: Während Hino in Europa nur schwach vertreten ist, verkauft Scania noch überhaupt keine Lkw in Japan. Die Toyota-Tochter Hino hat im vergangenen Jahr in ganz Europa nur gut 400 Fahrzeuge absetzen können.

Analysten in Stockholm waren zunächst vorsichtig in der Bewertung der neuen Allianz. "Es ist wahrscheinlich, dass Scania derzeit nach einem Kooperationspartner für die Motoren-Entwicklung sucht", sagte Anders Bruzelius, Nutzfahrzeug-Analyst bei Danske Securities in Stockholm. Er glaubt allerdings nicht daran, dass Hino zusammen mit seiner Muttergesellschaft Toyota eine Beteiligung an Scania erwerben wird.

Richard Walles, Lkw-Spezialist beim britisch-amerikanischen Marktforschungsunternehmen DRI-Wefa, bezeichnete das angekündigte Bündnis von Hino und Scania als "neue Phase" für die Nutzfahrzeugbranche. Der japanische Anbieter Hino habe in der Vergangenheit in Europa eine Nebenrolle gespielt, jetzt zeige die Toyota-Tochter Flagge.

Scania werde von der Zusammenarbeit stärker profitieren als Hino. Der neue japanische Partner könne den Schweden überall in Asien zu einer stärkeren Präsenz verhelfen, die Kooperation im Vertrieb sei sehr wahrscheinlich. Scania sei in Asien bislang lediglich in Korea stark vertreten.

Walles rechnet damit, dass die neue Allianz die gesamte Lkw-Branche beeinflussen wird. Der hohe Preis- und Wettbewerbsdruck verlange von den Hersteller eine stärkere Kooperation untereinander. "Bislang haben sie viel zu wenig zusammengearbeitet", sagte er. Walles erwartet vor allem Auswirkungen bei MAN und Iveco (Fiat-Konzern), die zusammen mit Scania die Gruppe der kleineren europäischen Lkw-Hersteller bilden. "Sie müssen jetzt etwas tun", betonte er.

Mats Liss, Analyst bei Swedbank in Stockholm, fügte hinzu, dass Scanias einheimischer Konkurrent Volvo jetzt den Schlüssel für eine weitere Konsolidierung der Lkw-Branche in der Hand halte. Volvo besitzt nach dem "Nein" der EU zur geplanten Scania-Übernahme durch den Göteborger Konzern noch einen Anteil von 45 % bei Scania, der aber bis April 2004 verkauft werden muss. Volvo könnte seinen Scania-Anteil an Hino abtreten, die jetzt angekündigte Kooperation zwischen Scania und Hino wäre so die Vorstufe einer Kapitalverflechtung.

Volvo-Chef Leif Johansson hatte vergangene Woche im Gespräch mit dem Handelsblatt gesagt, dass er eine weitere Konsolidierung in der Lkw-Branche erwarte. Dabei würden europäische und japanische Konzerne eine zentrale Rolle spielen. "Heute haben wir drei globale Spieler: Daimler-Chrysler, Volvo und Paccar. Wollen die anderen europäischen und japanischen Produzenten überleben, benötigen sie Partner", betonte der Volvo-Chef. Dabei nannte er ausdrücklich auch Toyota.

Volvo wiollte zunächst keine Stellungnahme dazu abgeben, ob das Unternehmen mit Hino oder dem Toyota-Konzern in Verhandlungen steht. Volvo steht vor dem Problem, dass die Scania-Aktie deutlich an Wert verloren hat. Würde das Göteborger Unternehmen seine Anteile zum aktuellen Kurs verkaufen, würde das erhebliche finanzielle Einbußen bedeuten.

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