Toyota und PSA Peugeot Citroën starten Joint-Venture in Tschechien - und setzen Volkswagen unter Druck
Konkurrenz für VW in Mitteleuropa

1,5 Milliarden Euro investieren Toyota und PSA Peugeot Citroën in Tschechien. Das gemeinsame Werk für Kleinstwagen soll als Sprungbrett in andere europäische Länder dienen.

PRAG. Der bisher in Mitteleuropa führende Volkswagen-Konzern bekommt es mit verschärftem Wettbewerb zu tun. Während die Konkurrenz vor allem aus Frankreich und Japan ihre Autos zunächst nur nach Mitteleuropa exportierte, investierte Volkswagen fleißig. Jetzt jedoch ziehen die Wettbewerber nach. An diesem Mittwoch setzen Manager des neuen Gemeinschaftsunternehmens der Autohersteller Toyota und PSA Peugeot Citroën zum ersten Spatenstich für ihr Montagewerk in Tschechien an. Ein Schritt, den Volkswagen und vor allem seine 1992 übernommene tschechische Tochter Skoda Auto aufmerksam verfolgen.

TPCA lautet das Kürzel des japa-nisch-französischen Fifty-fifty- Joint-Ventures, das den europäischen Markt aufmischen könnte. Das Unternehmen siedelt auf 120 Hektar in Ovcary bei Kolin, nur 60 Kilometer östlich von Prag. Dabei handelt es sich just um jenes Areal, das BMW für sein neues Werk in die engere Wahl genommen hatte, dann aber zu Gunsten von Leipzig ausschlug.

Für die Japaner ist der neue Standort beim künftigen EU-Mitglied Tschechien ein prima Sprungbrett in den europäischen Binnenmarkt. Toyota wird zudem sein neues Getriebewerk im polnischen Walbrzych - ebenfalls nahe der tschechischen Grenze - 2004 um eine Motorenfertigung erweitern. Die Japaner machen sich fit für die Osterweiterung der EU. Und zum Leidwesen deutscher Autobauer haben sie sich die Franzosen als Partner auserkoren.

Mitsamt der Entwicklung soll das Vorhaben rund 1,5 Mrd. Euro kosten und etwa 3000 Arbeitsplätze schaffen. Masatake Enomoto und sein Vize Jacques de Raismes führen das Joint-Venture, auf das sich Toyota-Präsident Fujio Cho und der Chef von PSA Peugeot Citroën, Jean-Martin Folz, im Juli 2001 geeinigt hatten. Damals hatten die beiden Firmen die "Entwicklung und Produktion" von kompakten Kleinstwagen mit 1-Liter-Benzin- oder 1,4-Liter-Dieselmotor besiegelt. Bedingung: Ein extrem kostengünstiger Standort musste gefunden werden. Im Dezember 2001 fiel die Wahl auf Tschechien, das Polen mit besseren Standortbedingungen und höheren Fördermitteln schlug.

Mit dem neuen Werk, das von 2005 an eine Kapazität von 300.000 Autos bieten soll, rückt TPCA dem Platzhirschen Skoda Auto dicht auf die Pelle. Kolin liegt nur rund 80 Kilometer entfernt vom Skoda-Auto-Hauptsitz in Mlada Boleslav. Der Autobauer, der im vergangenen Jahr mehr als 460.000 Autos verkauft hat, bekommt damit auch Konkurrenz um Zulieferer und Arbeitskräfte.

Ein Skoda-Sprecher sagt zwar, er sehe "keine Bedrohung": Es handle sich "nur um einen Kleinstwagen unterhalb des Skoda Fabia". Zudem sei es positiv, dass die "von uns herangezogenen Zulieferer" besser ausgelastet würden und ihre Kapazitäten ausdehnen könnten. Doch beim Wettbewerb um Fachkräfte gibt er zu: Die Gewerkschaften sähen mit einem weiteren Werk "neuen Spielraum für Tarifverhandlungen".

Der Direktor des tschechischen Verbands der Autoindustrie, Antonin Sipek, hält indes höchstens lokal begrenzte Lohnsteigerungen für möglich. Nach Tschechien ziehen die Autobauer vergleichsweise geringe Löhne bei guter Leistung. Mit einem Durchschnittslohn von gut 550 Euro müssen sie rein rechnerisch nur ein Zehntel der westlichen Löhne zahlen. Doch die starke Landeswährung Krone macht solche Kostenvorteile derzeit zum Teil zunichte und könnte auch Toyota und Co das Leben erschweren.

Quelle: Handelsblatt

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