Toyota will weltweite Nummer eins werden
Japans Autobauer nehmen Europa ins Visier

Nachdem die japanischen Automobilkonzerne fast ein Drittel des US-Marktes erobert haben, setzen sie sich nun ehrgeizige Ziele für Europa. Bereits in den ersten sechs Monaten dieses Jahres haben die Japaner in Europa deutlich besser abgeschnitten als ihre Konkurrenten.

HB/zel/bas/hof FRANKFURT/TOKIO. Während der gesamte europäische Automarkt von Januar bis Juni um knapp 3 % schrumpfte, steigerten die japanischen Hersteller ihren Marktanteil von 11,3 % auf 12,3 % (siehe Grafik). "Wir wollen so schnell wie möglich einen Marktanteil von 5 % erreichen", sagte Honda-Konzernchef Takeo Fukui kurz vor Beginn der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) dem Handelsblatt. Im Moment kommt Honda in Europa auf 1,4 %, was im Jahr ungefähr 200 000 verkauften Autos entspricht. Die anderen japanischen Hersteller verfolgen eine ähnliche Expansionsstrategie.

Toyota, die Nummer eins unter den japanischen Autokonzernen und weltweit Nummer drei, will bis zum Jahr 2010 europaweit 1,2 Millionen Autos verkaufen - was einem Zuwachs von 50 % entspräche. Fachleute haben keinen Zweifel daran, dass dieses Ziel ernst zu nehmen ist: "Wenn Toyota solch eine Zahl verkündet, dann kann man sicher sein, dass es auch dazu kommt", sagt Automobilexperte Frank Khoshnoud von der Unternehmensberatung Cap Gemini.

"Image deutlich verbessert"

"Image und Verbrauchervertrauen gegenüber den Japanern haben sich in Europa deutlich verbessert", begründet WestLB-Autoanalyst Arndt Ellinghorst die jüngsten Erfolge. Vor allem mit der hohen Zuverlässigkeit ihrer Fahrzeuge hätten sie sich neue Kundengruppen erschlossen. Deshalb sei mit einer "anhaltenden Expansion" in Europa zu rechnen. Letzte Importbeschränkungen auf EU-Ebene für japanische Hersteller sind bereits Ende der 90er-Jahre gefallen. Damit stehen den Autobauern aus Japan alle Türen offen, in Europa weiter zu wachsen.

Auch der ehemalige Audi - und jetzige Bentley-Chef Franz-Josef Paefgen sieht die Angreifer aus Japan nach einer Schwächephase wieder im Aufwärtstrend. Besonders Toyota traut er einiges zu. Er ist sich sicher, dass das Unternehmen einen weiteren Versuch starten wird, seine Luxusmarke Lexus fest im europäischen Markt zu verankern. Gute Chancen räumt er auch Mazda und Nissan ein. "Nissan wird in Europa vom Know-how des Partners Renault profitieren", glaubt Paefgen, Mazda helfe die Einbindung in den amerikanischen Ford-Konzern.

"Probleme in Europa"

Während der Gruppe der japanischen Hersteller in den USA recht schnell Erfolge gelangen, taten sie sich in Europa immer schwerer. "Wir haben Probleme in Europa", bestätigt auch Honda-Chef Fukui für sein Unternehmen. Über Jahre hinweg hätten es die Japaner nicht geschafft, den Geschmack der europäischen Autofahrer zu treffen. Inzwischen haben Toyota und Honda große Design-Zentren in Europa eröffnet, die gezielt nach den Vorlieben europäischer Kunden Ausschau halten. Die ersten Verkaufserfolge mit in Europa entwickelten Autos haben sich eingestellt, insbesondere bei Toyota. "Die Wende ist mit dem Yaris gekommen", sagt der Chef eines großen Toyota-Händlers. Der von europäischen Designern entworfene Kleinwagen setzt die Konkurrenten VW Polo und Opel Corsa massiv unter Druck. Toyota profitiert davon, dass der Yaris auf dem europäischen Kontinent im französischen Werk Valenciennes produziert wird. Wie auch Honda und Nissan hatte Toyota seine erste europäische Produktionsstätte in Großbritannien errichtet. Die britischen Werke hatten zuletzt unter dem Höhenflug des Pfunds gelitten. Ein weiteres Toyota-Werk für Kleinwagen entsteht im Moment im tschechischen Kollin.

Aktuell kommt Toyota in ganz Europa auf einen Marktanteil von 4,6 % - damit haben die Japaner inzwischen BMW überrundet. Gelingt Toyota die Million, hätte das Unternehmen auch Daimler-Chrysler eingeholt und käme sehr nahe an den italienischen Fiat-Konzern heran.

In den USA ist die Expansion der Japaner bereits weit fortgeschritten. Dort halten die Hersteller aus Fernost bereits 29 % des Marktes. 1998 waren es erst 24 %. Toyota hat im August dieses Jahres erstmals mehr Fahrzeuge absetzen können als Chrysler, der US-Zweig des Stuttgarter Daimler-Konzerns. Auch die Position der Marktführer General Motors (GM) und Ford gerät in Gefahr. "Wenn Toyota mit dem hohen Tempo weiterwächst, könnte der Konzern die Wettbewerber in den nächsten Jahren überholen", konstatiert Rebecca Lindland, Autoexpertin beim führenden US-Marktforschungsunternehmen Global Insight. Toyota selbst hat als Zielsetzung ausgegeben, im Jahr 2010 einen Weltmarktanteil von 15 % erreichen zu wollen. Damit würden die Japaner mehr Autos als GM produzieren, die weltweite Nummer eins unter den Herstellern.

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