Toyotas Blitzstart in die Motorsport-Königsklasse
„Vereinte Nationen der Formel 1“ in Köln-Marsdorf

Neuling Toyota ist schon vor dem Start der Formel-1-Saison 2002 schneller als alle anderen. 76 Tage vor dem Rennauftakt in Melbourne am 3. März präsentierte der drittgrößte Autokonzern der Welt als erstes Team der "Königsklasse" vor den Augen von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone und mehr als 600 Journalisten seinen neuen Renner.

sid KÖLN. Die Fahrer Mika Salo (Finnland) und Formel-1-Neuling Allan McNish (Schottland) zogen in Toyotas Motorsport-Zentrale in Köln-Marsdorf etwas unbeholfen das rote Seidentuch von dem rot-weißen Auto, das in ferner Zukunft die Japaner zu Weltmeistern machen soll.

Vorerst wollen die ehrgeizigen Newcomer trotz gewaltiger Investitionen allerdings zumindest offiziell kleine Brötchen backen. "Wir sind zufrieden mit dem, was wir geschafft haben.

Aber 2002 wird ein Lehrjahr. Wir wollen uns für so viele Rennen wie möglich qualifizieren, so oft wie möglich ankommen und eine Menge lernen", sagte Toyotas schwedischer Sportchef Ove Andersson, dem angeblich mehr als 500 Millionen Mark pro Saison zur Verfügung stehen. Mit ähnlichen Summen kalkulieren nur die beiden Top-Teams McLaren-Mercedes und Ferrari.

Das Geld sieht Toyota in dem PR-Paradies Formel 1 laut Vorstandsmitglied Tsutomu Tomita "gut angelegt". Die Japaner sind das einzige Team neben Ferrari, das sowohl Motor als auch Auto in Eigenregie baut. Produktionsstandort ist die Toyota-Motorsportzentrale im Kölner Vorort Marsdorf, wo die Arbeit von 600 Mitarbeitern aus 30 Ländern koordiniert wird. Andersson: "Wir sind ein globales Unternehmen - die Vereinten Nationen der Formel 1."

Aber trotz reichlich vorhandener Mittel ist Weltmeister Michael Schumacher, dessen Heimatort Kerpen nur 15 Kilometer von Marsdorf entfernt liegt, für Toyota als Pilot zu teuer. "Schumacher können wir auf der einen Seite nicht bezahlen, und auf der anderen Seite würde durch einen solchen Fahrer der Druck auf das Team ungeheuer groß", sagte Andersson.

Doch der ehemalige Sieger der Rallye Monte Carlo schloss eine künftige Investition auf dem deutschen Markt nicht aus: "Der nächste Schritt wäre ein deutscher Fahrer, aber darauf müssen wir noch warten. Wenn es in ein paar Jahren einen guten deutschen Fahrer gäbe, einen neuen Schumacher, warum nicht?"

Die aktuellen Probleme des Neulings liegen in den schwachen Testergebnissen des seit 1998 entwickelten Autos. 20 000 Testkilometer auf 11 Rennstrecken seit März 2001 haben bislang nicht ausgereicht, um den Wagen konkurrenzfähig zu machen.

Fahrer Mika Salo, einst Schumacher-Ersatz bei Ferrari, lässt sich davon nicht entmutigen. "Ich erwarte unheimlich viel", meinte der Finne nach einjähriger Rennpause: "Ich habe bestimmt nicht vergessen, wie man Rennen fährt."

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