TPG plant bis Ende 2003 Übernahme eines Logistikunternehmens
TGP macht sich in Deutschland breit

Der niederländische Postkonzern TPG N.V. will der Deutschen Post AG in ihrem Heimatmarkt die Stirn bieten. Dabei ist Deutschland ein Eckstein in der europäischen Wachstumsstrategie der Holländer. Dazu strebt der Post -, Express- und Logistikkonzern bis 2003 die Übernahme eines deutschen Logistikunternehmens an.

AMSTERDAM. "Ergibt sich bis dahin keine Übernahme, bauen wir unsere deutsche Logistik eigenständig aus", sagte TPG-Vorstandschef Peter Bakker in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. Der Umsatz von derzeit 350 Mill. Euro in Deutschland müsse sich binnen zwei bis drei Jahren verdoppeln.

Zwar gebe es bereits erste Gespräche, aber noch keine konkreten Verhandlungen mit Kunden, sagt Bakker. Outsourcing sei in Deutschland ein viel jüngerer Trend als in den meisten anderen EU-Ländern. "Zudem machen Deutsche noch immer lieber Geschäfte mit Deutschen. Wir müssen hier also deutscher werden." Dafür sei der Erwerb einer renommierten Firma das beste. Namen nannte er allerdings nicht.

Die schwache Wirtschaftslage erschwere die Akquisitionsbemühungen, räumte Bakker ein. Das bleibe auch kommendes Jahr noch so. Potenzielle Kandidaten wollten entweder unabhängig bleiben und höchstens kooperieren; oder sie seien zu teuer.

Für TPG, den weltweit zweitgrößten Logistikkonzern und Marktführer bei Logistik-Dienstleistungen für die Automobilbranche, sei das Autoland Deutschland ein Muss. Im deutschen Expressmarkt (ohne Päckchen) ist TPG Nummer zwei mit einem Umsatz von 500 Mill. Euro. "DHL/Deutsche Post und UPS haben zwar bei Express plus Päckchen höhere Volumina, bieten aber schlechtere Qualität als wir", behauptet Bakker. Mit der Devise, schnellster und zuverlässigster Anbieter zu sein, will die Tochter TNT im zweistelligen Prozentbereich wachsen.

Der Amsterdamer Konzern, der 2001 einen Umsatz von 11,2 Mrd. Euro erzielt hat, strebt in allen EU-Ländern an, mit 5 bis 10 % Marktanteil die Nummer Zwei zu sein. In Deutschland will TPG ein landesweites Postnetz aufbauen. "Wir werden eine echte Alternative zur Deutschen Post, sobald der Markt 2007 ganz liberalisiert ist", sagt Bakker. Er will - gemessen am europäischen Auslandsumsatz - die größte "pan-europäische" Postgesellschaft Europas schaffen. "Wir sind den Wettbewerbern voraus - in schon neun Ländern setzen wir 300 Mill. Euro oder 8 % des gesamten Postumsatzes um." Der Betrag soll sich bis 2005 mehr als verdoppeln.

Allein in Deutschland soll er auf 500 Mill. Euro steigen. So entsteht erstens ein Netz für nicht-adressierte Post. Zweitens will TPG Dienste für das Daten- und Dokumentenmanagement rund um Postsendungen anbieten. Drittens wird der Konzern ein Netz auch für adressierte Post entwickeln. Dafür sucht Bakker Kooperationspartner. Ein Joint Venture mit der Royal Mail und Singapore Post versendet seit 2001 Geschäftspost, eines mit der Otto-Tochter Hermes versendet Massensendungen und Inlandspost. "Es sind schon 18 Mill. Haushalte an unser Netz angeschlossen - drei Mal so viel Haushalte, wie in den Niederlanden existieren. Ein Marktanteil von 10 % in Deutschland bringt viel mehr als so ein Anteil der Deutschen Post in den Niederlanden."

Die Deutsche Post hatte im November mit dem mehrheitlichen Erwerb von Select Mail die ersten Schritte über die Grenze gemacht. Bakker sieht das gelassen: "Mit den Betrieben haben wir bereits konkurriert - der Besitzerwechsel ändert nicht viel." TPG sei durch seine Effizienz gut für den Wettbewerb mit der Deutschen Post gewappnet, bestätigt Rabo-Analyst Eric Vos. In einem der am schnellsten und stärksten liberalisierten Staaten musste sich TPG schon vor Jahren auf Konkurrenz einstellen. Was die Deutsche Post vor sich hat, haben die Niederländer also schon hinter sich. Bakker handele vorausschauend, sagen Analysten. In Erwartung, dass das Postvolumen in einigen Jahren um 20 % sinkt, will er die Kosten in den nächsten fünf Jahren strukturell um 320 Mill. Euro drücken. Das soll die in Europa einzigartige Post-Gewinnmarge von 20 % sichern.

"Wir sind der beste Postbetrieb Europas in jeglicher Hinsicht und auf die Liberalisierung eher als andere vorbereitet," sagte Bakker stolz. Analysten teilen diese Ansicht. TPG agiere vorsichtig, erfülle Prognosen und liefere "sehr schöne, solide Resultate", so Vos. Die operative Gewinnmarge beträgt 6,8 %, die Deutsche Post kommt nur auf 4,4 % und Royal Mail schreibt Verlust. ABN Amro, ING, Insinger und V/D Hoop empfehlen TPG. Dass die niederländische Regierung ausgerechnet jetzt daran denkt, die Posttarife bis 2007 einzufrieren, könnte die Rendite jedoch beeinträchtigen, merken Analysten an. Bakker bringt das auf die Palme: Das Vorhaben sei "unverantwortlich".

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