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Allfinanz: So gut wie tot

Jetzt also auch Jamie Dimon. Der künftige Chef der drittgrößten US-Bank, JP Morgan Chase, will sich laut Gerüchten von seiner Versicherungssparte trennen. Dimon, der zum Jahreswechsel den Vorstandsvorsitz bei JP Morgan übernimmt, liegt damit im Trend:

Jetzt also auch Jamie Dimon. Der künftige Chef der drittgrößten US-Bank, JP Morgan Chase, will sich laut Gerüchten von seiner Versicherungssparte trennen. Dimon, der zum Jahreswechsel den Vorstandsvorsitz bei JP Morgan übernimmt, liegt damit im Trend: Das einst hoch gelobte Konzept der Allfinanz, also der Verbindung von Versicherungen und Bankgeschäft, gilt an der Wall Street als tot.

Der größte US-Finanzdienstleister Citigroup hat seine Versicherungseinheit schon verkauft. Dabei bejubelten Analysten und Investmentbanker vor sieben Jahren die Fusion zwischen Citibank und dem Versicherer Travelers Group. Gemeinsam bildeten sie die Citigroup, den damals weltgrößten Allfinanzkonzern.

Einer der Architekten des Mega-Deals hieß übrigens Jamie Dimon. Er schwärmte von der Idee eines Finanzsupermarkts, der Kundenwünsche vom Girokonto über Lebensversicherung und Baudarlehen bis zum Anlagedepot aus einer Hand bedient.

Das war gestern. Aufspalten und verkaufen - so lautet heute das Mantra der Wall Street. Wie praktisch: Die US-Investmentbanker verdienten erst an der Gründung der Finanzkonglomerate, nun kassieren sie bei deren Zerschlagung mit. Denn kaum ein Deal läuft ohne die großen Wall-Street-Häuser.

Dimon spielt das Spiel mit. Schließlich braucht er in seinem neuen Job bei JP Morgan das Vertrauen der Finanzmärkte. Ganz anders geht der deutsche Versicherer Allianz vor. Dessen Chef Michael Diekmann hält beharrlich an der Allfinanzstrategie fest, mit der die Münchener 2001 die Dresdner Bank übernahmen. Vier Jahre später verkauft die Allianz deutlich mehr Versicherungen über ihre Dresdner-Bank-Filialen. Allfinanzkonzepte verfolgen auch die niederländische ING Groep und die belgisch-niederländische Finanzgruppe Fortis, zuletzt mit gutem Erfolg.

Zwar versprechen breit aufgestellte Finanzdienstleister keine rasanten Gewinnsprünge und spektakulären Schlagzeilen, wie die Wall Street sie liebt. Aber ING, Fortis und Allianz beweisen, dass das Konzept ordentliche Erträge liefern kann. Dazu müssen die Konzernchefs aber den Launen der Analysten und Investmentbanker widerstehen. ING, Allianz und Fortis haben den Vorteil, dass zwischen ihnen und der Wall Street ein ganzer Ozean liegt. Dimon sitzt mitten in Manhattan.

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