Traders Corner
Britisches Vorbild

Der Immobilienmarkt Großbritanniens hat sich unerwartet schnell abgeschwächt und der Verbraucher seine Kauflust recht stark gezügelt – trotz niedriger Zinsen. Warum? Die Antwort hat viel mit der Dynamik von Finanzblasen zu tun.

Nehmen wir zwei Länder: Beide senkten ihre Leitzinsen auf sehr niedrige Sätze. Beide lockerten ihre Fiskalpolitik aggressiv. Beide erfreuten sich eines Immobilienbooms. Beide verzeichneten beträchtliche Steigerungen der Verbraucherkredite. Doch scheint nur ein Land mit einer rasanten Steigerungsrate zu wachsen. Das andere schaut müde und erschöpft aus.

Die Länder sind die USA und Großbritannien. Den USA geht es weiter sehr gut, aber Großbritannien zeigt plötzlich Schwäche. Das Land sieht nicht mehr so aus wie die starke Volkswirtschaft von einst, besonders da die Immobilienpreise fallen, weniger Häuser ge- und verkauft werden und die Arbeitslosigkeit zunimmt. Die Bank von England ist von dieser Wendung sicher überrascht worden. Anfang 2005 hatte sie noch zu der Auffassung tendiert, dass die Leitzinsen noch etwas nach oben gehen müssten. Doch der Immobilienmarkt hat sich unerwartet schnell abgeschwächt und der Verbraucher seine Kauflust recht stark gezügelt – trotz niedriger Zinsen.

Warum? Die Antwort hat viel mit der Dynamik von Finanzblasen zu tun. Diese Blasen entstehen, wenn die Kreditkosten im Verhältnis zur erwarteten Steigerung des fraglichen Vermögenswerts sehr gering sind. Diese Voraussetzungen waren sowohl in Großbritannien wie in den USA locker erfüllt worden. Die Spekulation mit Immobilien griff angesichts sinkender Zinsen Anfang des Jahrzehnts immer mehr um sich. Das Problem entsteht, wenn die Zinsen anfangen zu steigen. Höhere Zinsen steigern die Kreditkosten und dämpfen zudem die Renditeerwartungen auf dem Immobilienmarkt.

Genau das ist in Großbritannien passiert. So wie die Immobilienpreise nachgegeben haben, so sank die Bereitschaft der Verbraucher, sich zu verschulden. Und mit dem Rückgang der Kreditaufnahmen brachen die Verbraucherausgaben weg. Die USA sind noch nicht ganz an diesem Punkt. Das deutet darauf hin, dass die Federal Reserve mit der Anhebung der Leitzinsen auf absehbare Zeit fortfährt. Allerdings, sobald der US-Immobilienmarkt nachgibt und der Konsum sich abschwächt, vielleicht Ende des Jahres, dann wird auch die Fed über Leitzinssenkungen nachdenken müssen, wie es die Bank von England schon getan hat.

Der Autor Stephen King ist Leiter Strategie Volkswirtschaft bei HSBC.

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