Traders Corner
Gegen oder mit dem Strom?

Eine dringende Empfehlung vorweg: Ändern Sie nichts an Ihrer Strategie, wenn Sie damit bisher gut gefahren sind! Nur der Erfolg Ihrer Geldanlage zählt – nicht etwa der Weg dorthin, egal ob Sie dem Bauch, Fingerspitzengefühl oder dem Näschen vertrauen, egal ob Sie dem KGV, den Charts oder anderen Indikatoren folgen.

Zu den besonders bemerkenswerten Talenten scheint jene alte Lady zu gehören, die ihre überdurchschnittliche Aktienperformance damit erklärte, dass sie unten stets kaufe und oben verkaufe, und zwar nur Dax-Werte. So einfach ist das.

Gerade in der abgelaufenen Woche gab es mehr allgemeine Ratschläge als sonst, weil die Medien ungewöhnlich breit „Börsen-Altmeister“ André Kostolany würdigten, der am 9. Februar 100 Jahre alt geworden wäre. Zwei Elemente sind dabei in den Mittelpunkt gestellt worden: der langfristige Charakter und das antizyklische Verhalten. Doch seien Zweifel an den nostalgischen Lobeshymnen erlaubt. Denn an den Finanzmärkten ist die Zeit nicht stehen geblieben, deshalb sollten frühere Rezepte nicht unkritisch übernommen werden.

Beispiel: Wer heutzutage Aktien kauft, kann dies mehr denn je unter ganz unterschiedlichen Risiko- und Zeitaspekten tun, kann dabei auf eine früher nie gekannte Vielfalt an Instrumenten zurückgreifen. Auch wenn ich bewährte und angeblich entscheidende Empfehlung höre, nicht mit dem Strom zu schwimmen, sondern zu kaufen, wenn die Masse verkauft (und umgekehrt), verzieht sich meine Miene.

Anders als noch vor einigen Jahrzehnten sind die Privatanleger doch kaum mehr ein Tendenzfaktor, sondern relativ wenige Großanleger geben die Richtung vor. Und gegen die sollte man sich wenden (und untergehen)? Wäre es nicht besser, man wüsste stets was die marktbestimmenden Kräfte vorhaben bzw. gerade tun? Gegen oder mit dem Strom – ein spannendes, lohnendes Diskussionsthema für Theorie und Praxis. Ich halte es mit einem Fische abbildenden FDP-Plakat, auf dem zu lesen ist: „Nicht gegen den Strom schwimmen. Sondern in die richtige Richtung.“

Die Kursentwicklung in der vergangenen Woche hat nicht überrascht. Einerseits sind die Investoren merklich vorsichtiger geworden, was insbesondere auf die Zuspitzung der „Karikaturen-Krise“ zurückzuführen ist. Doch wurde jede Korrektur des Dax rasch durch Käufe der Optimisten begrenzt – und dann erholten sich die Kurse wieder. Ja, im Markt ist etwas mehr Nervosität als vorher zu spüren, doch ist die positive Grundhaltung geblieben.

Das lässt sich auch daran ablesen, dass in die Zukunft gerichtete positive Unternehmensmeldungen von der Börse sofort durch Kursgewinne honoriert werden. Und zum wiederholten Mal gab es den Beifall des Markts, wenn der Umbau eines Konzerns (= Sparmaßnahmen = massiver Personalabbau) angekündigt wurde – wie zuletzt bei VW. Der Dax hat den 6 000er nach wie vor im Visier.

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