Traders Corner
Japan stellt die Weichen

Japan hat es besser. Wo in Deutschland immer noch kein echter Konsens in der Standortdebatte erreicht wird, ist Japan den entscheidenden Schritt weiter. Unternehmer, Arbeiter und Politiker reden nämlich nicht mehr über die Notwendigkeit etwas für den Standort Japan zu tun. Nein, sie tun es auch. Tatsache ist, dass Japaner wieder in Japan investieren. Und zwar keine von Staatshand gestützten Baufirmen oder Kleinbetriebe. Es sind die Vorreiter der Globalisierung – Firmen wie Canon, NEC, Hitachi oder Fuji Film – die erstmals seit über 15 Jahren neue Fabriken aufbauen. Und dort gibt es neue Arbeitsplätze. Seit Ende 2003 wurden im privaten Industrie- und Dienstleistungsbereich im Monat etwas mehr als 30 000 Jobs geschaffen. Die Arbeitslosenquote fiel von fast sechs auf heute 4,4 Prozent. Was ist der Grund dafür?

Wichtig ist dabei auch der Konsens über die Rollenverteilung Japan-China für japanische Manager und Politiker. China ist ein Markt, in den man integriert sein muss, aber als Produktionsstandort kommt China nur für die arbeitsintensiven und geringwertigeren Komponenten in Frage. Ganz wichtig ist dabei die zum Teil hart erlernte Einsicht der Industrie, dass es in China so gut wie keinen „Schutz des geistigen Eigentums“ gibt. Sowohl Erfindungen als auch Patente oder Produktionstechniken werden schamlos abgekupfert.

Doch Erfindungsgeist und die Forschung im Bereich Hochtechnologie werden in Japan konsequent gefördert. Dazu dient die altbekannte Kombination von „Zuckerbrot und Peitsche“: Sonderabschreibungen für spezifische Firmenforschung gehen Hand in Hand mit der Privatisierung von Universitätsforschungsinstitutionen. Zum Teil werden diese Einrichtungen nur dann öffentlich unterstützt, wenn sie zumindest zu einem geringen Teil auch Risikokapital von Investoren ausweisen können.

Japan hat während der „verloren Dekade“ der neunziger Jahre die Ausgaben für Forschung und Entwicklung weiter ausgebaut und ist weltweit unter den Industrienationen mit etwas mehr als 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts nach wie vor führend. Japan weiß, dass diese Investitionen seine Zukunft bestimmen werden. In der derzeitigen China Bubble wird man sie daher bestimmt nicht verpuffen lassen.

Jesper Koll ist Chefökonom von Merill Lynch, Tokio

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