Traders Corner
Optimismus für Amerika

Die US-Wirtschaft wächst seit vier Jahren, der derzeitige Aufschwung ist damit bereits der fünftlängste in der Geschichte der USA. Verliert die momentane Aufwärtsbewegung nun etwa an Kraft? Oder dauert es eher noch eine gute Weile, bis das Produktivitätspotenzial ausgeschöpft ist?

Lassen Sie uns die wirtschaftlichen Aussichten für Amerika einmal so betrachten: Die US-Wirtschaft wächst seit vier Jahren, der derzeitige Aufschwung ist damit bereits der fünftlängste in der Geschichte der USA. Allerdings sind vier Jahre gerade einmal etwa halb so lang wie die vorhergehenden zwei Expansionsphasen. Verliert die momentane Aufwärtsbewegung nun etwa an Kraft? Oder dauert es eher noch eine gute Weile, bis das Produktivitätspotenzial ausgeschöpft ist?

Vor ein paar Monaten verdichtete sich die Besorgnis, dass die erste Schlussfolgerung, die Expansion habe ihren Zenit überschritten, korrekt ist. Schließlich war die Arbeitslosenquote unter fünf Prozent gefallen, das Produktionswachstum bewegte sich auf eine Jahresrate von fast plus fünf Prozent zu, der Immobiliensektor verzeichnete neue Rekorde, der Auto-Absatz verbesserte sich und die Sparquote der privaten Haushalte markierte einen historischen Tiefstand. Das darauf folgende Zusammenspiel des Anstiegs der Energiepreise mit Wirbelstürmen von nie gekannter Zerstörungskraft verstärkten die Inflationswarnungen. Diese Befürchtungen spiegelten sich in steigenden Anleiherenditen, einem unsicheren Aktienmarkt und der Erwartung weiterer Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed wider.

In den vergangenen Wochen sind die Inflationsängste der US-Investoren wieder schwächer geworden. Die Prognosen über die Zinsschritte der Fed werden leicht zurückgenommen. Die Zunahme des Verbraucherpreisindex in der Kernberechnung für Oktober ist mit plus 0,2 Prozent im dritten Monat in Folge hinter dem Mittel der Prognosen zurückgeblieben. Das legt nahe, dass der Anstieg der Energiepreise sich nicht so umfassend auswirkt wie befürchtet.

Gleichzeitig deutet ein Rückgang beim Neubaubeginn im Oktober auf eine Abkühlung des Nachfragewachstums der privaten Haushalte hin. Und schließlich ist Rohöl an den Terminmärkten auf ein Fünfmonats-Tief von knapp über 56 Dollar pro Barrel gesunken.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die Aussichten der US-Wirtschaft günstiger sind, als viele Experten vorhergesehen hatten. Das Nachfragewachstum der privaten Haushalte kühlt sich ab, das mindert das Risiko, dass die Notenbank die Zügel zu stark anzieht.

gastautor@handelsblatt.com

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