TRADERS CORNER
Vorschnelle Aussagen

In Finanzkreisen kursiert eine Regel, wonach steigende Erdölpreise zu einer restriktiveren Geldpolitik, einem Anstieg der langfristigen Zinsen und einer Aufwertung des Dollars führen. Aber ganz so einfach ist es nicht.

Bei höheren Erdölpreisen steigt zwar die Inflation, aber für die europäische und die amerikanische Zentralbank ist das kein Grund, die Leitzinsen anzuheben. Denn höhere Leitzinsen können gegen die energiepreisbedingte Inflation nichts ausrichten, weil die hohe Erdölnachfrage aus den asiatischen Schwellenländern stammt und dadurch nicht gebremst wird. Zudem verringert der hohe Erdölpreis das Realeinkommen und damit das Wachstum der erdölimportierenden Länder.

Mit dem steigenden Ölpreis dürften die langfristigen Zinsen eher sinken, da die erdölfördernden Länder ihre zusätzlichen Einnahmen auf dem europäischen und amerikanischen Finanzmarkt anlegen und die Nachfrage nach Anleihen dadurch stärken.

Dass der Dollarkurs mit höheren Ölpreisen steigt, erscheint zwar logisch, weil für den Kauf von Erdöl mehr Dollar nötig sind. Allerdings geriet der Dollar in Zeiten steigender Erdölpreise wegen des höheren US-Handelsdefizits und des gebremsten Binnenwachstums systematisch unter Druck. Fazit: Vorschnelle Aussagen über die Folgen hoher Ölpreise sind mit Vorsicht zu genießen.

Patrick Artus ist Chefvolkswirt Research bei IXIS CIB.

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