Traders Corner
Weckruf ans Stammhirn

Alarmstufe Rot! Kürzlich hat mich ein Taxifahrer nach einem Aktientipp gefragt. Und auf Partys erzählen schon wieder diese coolen Typen von ihrem irren Deal mit Werten, deren Phantasienamen an längst vergangen geglaubte Zeiten erinnern.

Aber es kommt ja alles immer wieder – auf den Festen der Münchener Börsenschmuddelblätter tauchen die alten Sprücheklopfer auf, die mittels EM.TV zur Entreicherung ganzer Landstriche und zur flächendeckenden Plünderung privater Pensionskassen beigetragen haben. Sie sind etwas fülliger geworden, aber nach fünfjähriger Schweigehaft mit ungebrochenem Selbstbewusstsein und fetten Sprüchen wieder voll im Saft.

Die Botschaft von der mittlerweile dreijährige Hausse ist mittlerweile auf breiter Ebene bis ins Stammhirn durchgedrungen und küsst die Gier nach dem ganz schnellen Geld wach. Auch die Zahlen des Deutschen Aktieninstituts nähren den Verdacht, dass sich eine neue Zeit der kollektiven Verdrängung katastrophaler Verluste nähert: Danach hat in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres die Anzahl der Aktionäre sprunghaft um 5,3 Prozent zu-, die der Fondsbesitzer aber um 6,8 Prozent abgenommen. Hübsch, das daraus die Überschrift wird: „Vertrauen in die Aktie stabilisiert sich“.

Die Wahrheit ist wohl: Diese Zahlen beziehen sich nicht auf tatsächlich vorhandene Depots, sondern werden aus Befragungen destilliert. Vermutlich erinnern sich einfach wieder mehr Menschen daran, dass sie noch so ein Depot liegen haben, an das sie sich aus Gründen des mentalen Selbstschutzes bislang besser nicht erinnert haben. Aber jetzt! Totgeglaubte zucken wieder und melden sich zurück. Eine Umfrage bei Banken und Vermögensverwaltern zeigt, dass die Deutschen bislang kaum frisches Geld in Aktien investiert haben. Auch die Versicherungen protzen mit steigenden Aktienquoten – aber es ist eher aufgezwungener Reichtum durch beständige Kurssteigerungen. Gekauft und die Kurse getrieben haben Ausländer – und die Deutschen haben sich durch ihre Scheu vor Aktien quasi selbst enteignet.

Kommt jetzt der zweite Frühling für die deutschen Aktionärs-Dienstmädchen beiderlei Geschlechts? Erfahrungsgemäß ist das ein Kontraindikator. Alarmstufe Rot! Die Herde trampelt wieder.

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