Traders Corner
Weihnachten für Aktionäre

Fröhliche Weihnachten: Die Wirtschaftsforschungsinstitute bescheren uns in diesen Tagen Aufschwungprognosen, auf die wir lange warten mussten.

Der Ifo-Index schießt durch die Decke wie ein zu hoher Weihnachtsbaum, und daran funkeln die allerfeinsten Glaskugeln: ein Plus beim Auftragseingang von acht, beim Produktionswachstum von vier und bei den Auslandsbestellungen von elf Prozent verglichen mit Oktober.

Wie ein Wunschzettel liest sich die Wachstumsprognose von Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise: zwei Prozent für die Gesamtwirtschaft – für die Investitionsgüterindustrie sogar ein Boom von sieben Prozent. Das Ausland kauft wie verrückt, strahlt auch LBBW-Chefrechner Peter Merk: Die hohen Rohstoffpreise verführen weltweit die Produzenten dazu, ihre Kapazitäten auszudehnen – und dafür kaufen sie Investitionsgüter made in Germany. Und was für ein Fest für Aktionäre: Die Unternehmensgewinne sollen noch einmal um 20 Prozent steigen und mit ihnen die Kurschancen für Aktien – schnell zum Juwelier vor Jahres- und Ladenschluss!

Nach all dem depressiven Gedöns klingt das wie ein Weihnachtsmärchen. Oder blamieren sich die Wirtschaftsforscher wie kürzlich die Zunft der Demoskopen mit ihren schwarzfreundlichen Wahlprognosen? Wie auch immer – vorerst geht die Story weiter, denn die Wirtschaftspolitik beschenkt uns nach dem Motto: ein Jahr expansive Fiskalpolitik a la Keynes – dafür zahlen wir dann später die Zeche drei Jahre lang wie weiland bei Reichskanzler Brüning. 2006 errechnet sich ein konjunktureller Impuls auf Pump durch allerlei Geschenke aus Berlin und im Geiste von Keynes von insgesamt sieben Milliarden Euro – ab 2007 werden mit der Mehrwertsteuererhöhung 22 Milliarden zur Haushaltssanierung wieder einkassiert. Dann knittern die Ökonomen auch das Wachstum wie altes Geschenkpapier – zu einem kleinen Prozent.

Aber erstmal ist Wunschzeit. Das kleine Strohfeuerchen könnte so viel laufende Steuern in die Kassen spülen, rechnen die Allianz-Volkswirte vor, dass die Geschenke sich selbst bezahlen und die Maastricht-Rute im Sack bleiben kann. Vielleicht legt uns Angie im nächsten Jahr wieder ein Paket unter den Baum auf dem steht: „Nur zwei Prozent MwSt-Erhöhung.“

Weihnachten geht weiter.

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