Tradition geschluckt
Oktoberfest: Gewinne fließen ausländischen Braukonzernen zu

Zwar fließt auch der gleiche, nach deutschem Reinheitsgebot gebraute Gerstensaft durch die Zapfhähne, doch etwas ist anders als all die Jahre zuvor: Der Großteil der Gewinne aus dem Bierverkauf fließt in die Taschen ausländischer Braukonzerne.
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Wie in jedem Jahr ist es der Münchner Oberbürgermeister, der am Samstag um Punkt zwölf das erste Fass anschlägt. Wie in jedem Jahr wird er "O'zapft is!" rufen, und wie in jedem Jahr werden in den 16 Tagen Millionen Besucher aus aller Welt bayrisches Bier trinken, für 6,65 bis 7,10 Euro pro Maß.

Zwar fließt auch der gleiche, nach deutschem Reinheitsgebot gebraute Gerstensaft durch die Zapfhähne, doch etwas ist anders als all die Jahre zuvor: Der Großteil der Gewinne aus dem Bierverkauf fließt in die Taschen ausländischer Braukonzerne, die erstmals die Mehrheit der Münchner Biermarken kontrollieren.

Das Fass, das Oberbürgermeister Christian Ude anzapft, ist von Spaten - dessen Eingliederung in den weltgrößten Bierkonzern InBev gerade vollzogen wird. Mit Spaten haben die Belgier auch gleich Franziskaner und Löwenbräu geschluckt. Und während nebenan in den Zelten von Paulaner und Hacker-Pschorr bayrische Blasmusik erklingt, wird in den Aufsichtsratssitzungen des Herstellers Brau Holding International längst englisch gesprochen: Um weiter expandieren zu können, zapfte Brauereibesitzer Stefan Schörghuber 2001 den niederländischen Biergiganten Heineken an, der seither knapp 25 Prozent der Anteile hält - plus eine Option auf den Rest, sollte Schörghuber eines Tages verkaufen wollen.

Nur noch zwei der traditionellen Münchner Biermarken sind fest in bayrischer Hand: das Kultbier Augustiner, das mehrheitlich der privaten Edith-Haberland-Wagner-Stiftung und der Familie Inselkammer gehört, sowie Hofbräu München, das zu 100 Prozent Eigentum des Freistaats Bayern ist.

Allem Wehklagen der Traditionalisten zum Trotz haben die neuen Herren aus Amsterdam und Leuven dem Durst der Gäste aber bisher nicht geschadet. Beim Oktoberfest 2003 - da waren die Übernahmepläne bereits bekannt - tranken die 6,3 Millionen Besucher 6,1 Millionen Maß Bier - der zweithöchste Konsum in der Geschichte des Volksfestes.

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