Traditionell enge Beziehungen zwischen japanischen Herstellern und Zulieferern brechen auf
Japan öffnet sich für deutsche Autozulieferer

Den europäischen Automobilzulieferern winken in Asien neue Chancen. Denn vor allem in den größten und bislang fest verschlossenen Markt Japan ist Bewegung gekommen.

HB STUTTGART. Große Autoproduzenten haben Zuflucht bei starken westlichen Konkurrenten gesucht, Ford ist bei Mazda engagiert, Renault bei Nissan und Daimler-Chrysler ist mit Mitsubishi Motors liiert. Dazu bricht nun auch das System der festen Beziehung zwischen Zulieferern und japanischen Herstellern auf.

Dadurch winken auch deutschen Zulieferern große Geschäfte. Heinz Junker, Chef des Filterherstellers Mahle, stellt dramatische Veränderungen in Japan fest. Er sieht die traditionellen Keiretsu-Strukturen zwischen Herstellern und Zulieferern, aufbrechen. Dies sei aber auch nötig: Denn westliche Automobilunternehmen würden ansonsten keine Technologie an japanische Firmen weiterreichen, aus Angst, dass ihr Know-How direkt bei der japanischen Konkurrenz landet. Mahle profitiert von der Bewegung. Seit August hält der Stuttgarter Zulieferer die Mehrheit an dem japanischen Filterhersteller Tennex, der früher Nissan gehörte.

"Die Keiretsu-Strukturen sind nicht mehr effektiv", bestätigt das japanisch Marktforschungsinstituts Fourin. Den japanischen Zulieferern empfehlen die Marktforscher, sich weltweit auszurichten. Nippons Zulieferer sind deshalb auch bereit, für eine bessere internationale Stellung Partnerschaften mit westlichen Firmen einzugehen. Dabei haben die Unternehmen die besten Karten, die Technologie liefern, in der japanische Unternehmen Schwächen haben - etwa Bremselektronik. Dagegen haben europäische Getriebeproduzenten derzeit so gut wie keine Chancen, in Japan Fuß zu fassen.

Japan ist trotz Wirtschaftskrise interessant

Für deutsche Zulieferer ist Japan trotz Wirtschaftskrise interessant. Schließlich stellt Nippons Autoindustrie mit ihren Fabriken in Asien, Amerika und Europa rund 15 Millionen Fahrzeuge pro Jahr her. Zum Vergleich: Die Weltproduktion deutscher Hersteller beträgt gut 12 Millionen Fahrzeuge.

Die Continental Teves hat vor einem Jahr die Gunst der Stunde genutzt: Der Bremsenhersteller Nisshinbo Industries musste den Technologiesprung von ABS auf ESP bewältigen. Eine Eigenentwicklung wäre zu teuer geworden, da kam das Angebot von Continental Teves gerade recht. Conti bot für ein Gemeinschaftsunternehmen Patente für ESP und Ingenieurhilfe an. Die Frankfurter haben heute mit 51 % die Kapitalmehrheit an dem Joint-Venture.

Conti gibt sich damit nicht zufrieden. Ein Vorteil der europäischen Zulieferer: Sie haben im Gegensatz zu den japanischen Anbietern Erfahrung damit, den Herstellern nicht nur Komponenten, sondern ganze Systeme anzubieten. Mit dem Zukauf zweier weiterer kleiner Firmen von Mazda kann Conti jetzt komplette Bremssysteme anbieten. Der erste Kunde wird ab 2003 Mazda mit einem Kleinwagen sein.

Auch der Stuttgarter Kühlerhersteller Behr ist fündig geworden. Er gründete im vergangenen Jahr jeweils Gemeinschaftsfirmen mit dem japanischen Zulieferer Toyo bei Motorkühlung und mit der Firma Sanden bei Klimatisierung. Behr bekommt Zugang zu japanischen Normen, die Japaner zu europäischen. Herstellern wie Toyota, die auch in Europa Fabriken haben, können sie jetzt beide Standards anbieten. Ohne die japanischen Partner hätte Behr bei Toyota in Europa keine Chance, ins Geschäft zu kommen, heißt es beim Mittelständler.

Bosch hat den Sprung unter die Top Ten der japanischen Branche geschafft

"Wer in Japan Erfolg haben will, braucht einen einheimischen Partner", heißt es in der Branche. Dass solche Partnerschaften mit Japanern langlebig sein können, belegen zwei Beispiele. Sowohl der Stuttgarter Elektronikspezialist Bosch als auch die Weinheimer Freudenberg AG sind seit Jahrzehnten in Japan aktiv. Freudenberg hat 1960 an der börsennotierten NOK eine Minderheitsbeteiligung erworben. Zunächst nur für die Vliesstoff-Herstellung gegründet, erweiterte man die Kooperation auf Dichtungen und Schwingungstechnik. Seit den 80er Jahren treten die Partner auch in den USA gemeinsam unter Freudenberg NOK auf.

Die Bosch-Gruppe, weltweit zweitgrößter Zulieferer, hat als einziger ausländischer Konzern den Sprung unter die Top Ten der japanischen Branche geschafft. Die japanischen Bosch-Gesellschaften erzielen mit Kfz-Ausrüstung einen Umsatz von mehr als 3 Mrd. Euro.

Doch Bosch hat einen weiten Weg zurückgelegt. Bosch kam nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst über Lizenzen ins Geschäft , ehe die Stuttgarter kleine Beteiligungen kauften, so auch 5 % an Denso, Japans Nummer eins.

Seit den achtziger Jahren hat Bosch sein Geschäft über Joint Ventures ausgebaut. Ein großer Schritt war 1999 die Übernahme der Mehrheit beim Zulieferer Zexel. Derzeit führt Bosch die Aktivitäten unter dem Dach einer Gesellschaft zusammen. "Der Name Bosch ist in Japan inzwischen ein Begriff", erklärt Bosch-Geschäftsführer Bernd Bohr. Das mache es jetzt möglich, unter eigenem Namen in Japan zu agieren.

Doch auch Bosch ist längst nicht am Ziel. Das Unternehmen muss noch viel Integrationsarbeit leisten, die japanischen Aktivitäten sind bis jetzt nicht profitabel. "In Japan braucht man einen sehr langem Atem", erklärt Bohr.

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