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Traditionell kläglich

Die kleine russische Delegation hatte es plötzlich eilig. Trainer Georgi Jarzew raste durch die Katakomben des Estadio Algarve wie einst als Spieler im Sturm von Spartak Moskau. Ihm hinterher jagte der teigige Presseattaché des Teams, der im Hasten erfolglos versuchte, sein rot-weiß-blau gestreiftes Jackett auszuziehen. Schließlich blieb Jarzew vor einer Kamera eines Landsmannes stehen und sagte: "Einige Spieler meines Teams haben heute nicht gekämpft. Ich weiß nicht, was sie sich dabei gedacht haben."
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Es ist leicht vorstellbar, wie der Tag für die russischen Spieler nach der 0:1-Auftaktniederlage gegen Spanien aussehen mag. Vor allem wird sich Jarzew seine Abwehr vorknöpfen, die die Bezeichnung eigentlich nicht verdient hatte. Einzig Kapitän Alexej Smertin vom FC Portsmouth hinderte die Spanier am heiteren Toreschießen. Dabei ist Smertin gar kein gelernter Verteidiger, sondern Mittelfeldspieler. Aber was sollen die Russen machen, nachdem ihnen kurz vor der Europameisterschaft in Viktor Onopko und Sergej Jgnaschewitsch die komplette Innenverteidigung ausfiel? Und was, bitte schön, hatte eingedenk dieser Schwächung Torhüter Sergej Owtschinnikow vor drei Tagen zu folgender Aussage bewogen: "Es gibt einen klaren Außenseiter bei diesem Turnier, das ist Lettland, während Russland klarer Favorit auf den Titel ist. Sie mögen lachen, aber ich glaube ernsthaft an unsere Chance."

Nun, wie sich die Russen in ihrem ersten Spiel präsentierten, steht zu befürchten, dass sie ähnlich kläglich in der Vorrunde scheitern wie vor zwei Jahren bei der WM in Asien, als sie in der wohl leichtesten Gruppe mit Belgien, Tunesien und Japan chancenlos geblieben waren. "Jetzt muss ich überlegen, ob ich alles richtig gemacht habe", sagte Jarzew. In den ersten 30 Minuten des Spiels wirkten seine Spieler nervös, ja fast schon verschüchtert. An fehlender körperlicher Fitness kann es nicht gelegen haben. In Russland wird Fußball nach dem Kalenderjahr gespielt. Die Saison begann im März, sie wird nach der EM fortgesetzt. Die Spanier hingegen haben eine lange Spielzeit in den Knochen und Köpfen. Trotzdem wirkten sie körperlich frischer und gedanklich schneller. "Ich weiß nicht, was phasenweise los war. Vielleicht hatten meine Spieler zu großen Respekt vor den großen Namen der Spanier", sagte Jarzew. Allein Dimitri Alenitschew von Champions-League-Sieger FC Porto hielt dagegen. Der 31-Jährige hatte in seinem 51. Länderspiel die beiden einzigen echten Torchancen der Russen.

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