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Traditionelle Bilanzanalyse reicht bei Wachstumsunternehmen nicht aus,

Der in Deutschland anerkannte Bilanzierungsexperte Prof. Karlheinz Küting fordert eine einheitlichere und klarere Rechnungslegungspraxis für Unternehmen am Neuen Markt. Zudem müssten externe Beobachter wie Analysten, Anleger und Journalisten bei der Beurteilung von Neue-Markt-Unternehmen stärker die Strategie, die Qualität des Managements und die Entwicklung des Branchenumfelds in Betracht ziehen, forderte Küting in München. Die traditionelle Bilanzanalyse sei für die Beurteilung junger Wachstumsunternehmen nicht mehr ausreichend, meinte der an der Universität Saarbrücken tätige Hochschullehrer.

cbu MÜNCHEN. Küting hat im Auftrag des Münchener Medienunternehmens Helkon Media AG eine Studie mit dem Titel "Bilanzierung und Bewertung bei Film- und Medienunternehmen des Neuen Marktes" erstellt. Darin fordert Küting branchenspezifische Regelungen für die Bilanzierung von Medienunternehmen. Derzeit seien die meisten Bilanzen nicht vergleichbar, hieß es. So würde nur jedes fünfte Medienunternehmen am Neuen Markt nach dem strengen amerikanischen Standard US-Gaap bilanzieren. Die übrigen erstellen die Abschlüsse nach den internationalen IAS-Regeln. Als Grund vermutet Küting, dass bei IAS die Gestaltungsmöglichkeiten - "die Mauschelmasse", so Küting - deutlich größer seien. Insbesondere auf die bilanzielle Behandlung der immateriellen Vermögenswerte sei bei Medienunternehmen zu achten, so Küting. Bei den Neue-Markt-Werten Constantin Film, Highlight, Internationalmedia, Odeon und Senator bestehe das Anlagevermögen beispielsweise zu fast 100 % aus immateriellen Vermögensgegenständen, rechnete Küting vor. In der so genannten "Old Economy" hätte dieser Posten dagegen bisher keine zentrale Rolle gespielt.

"Wir werden nicht umhin kommen, die traditionelle um eine strategische Bilanzanalyse zu erweitern", forderte Küting. Dazu komme, dass gerade junge Wachstumsunternehmen nicht genügend versierte Bilanzierungsexperten finden würden. So seien viele Geschäftsberichte am Neuen Markt eine "Zumutung mit vielen bunten Säulen, aber ohne Zahlen", kritisierte Küting.

In einer Untersuchung an seinem Lehrstuhl haben die Geschäftsberichte der Medienunternehmen trotzdem überdurchschnittlich gut abgeschnitten. Überraschend ist, dass EM.TV dabei den zweiten Platz belegt. EM.TV befindet sich nicht zuletzt auf Grund von Bilanzierungsproblemen in einer schweren Krise. Auf Platz Eins findet sich Helkon. Das Unternehmen wird allerdings von Küting selbst beraten.

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