Traditionelle Branchen gefragt
Turbulenzen treiben Anleger in sichere Häfen

Scheinbar langweilige, aber stabile Aktien haben sich zuletzt gut entwickelt. Analysten empfehlen einige Titel weiterhin. Sie warnen aber vor kurzatmigem Hin und Her zwischen High-Tech und defensiven Branchen.

DÜSSELDORF. Wenn auf dem Meer ein Sturm aufkommt, müssen die Fischerboote beidrehen. Jeder versucht, möglichst schnell den sicheren Hafen zu erreichen. Das ist an der Börse nicht anders: Bei Turbulenzen flüchten viele Anleger in möglichst wertstabile Anlagen - "Safe Havens" (sicheren Häfen) eben. "Es besteht derzeit eine große Unsicherheit und Nachfrage nach stabilen Aktien", beobachtet André Will-Laudien, Analyst des Münchner Bankhauses Reuschel.

Lohnt die Suche nach einem sicheren Hafen für das eigene Geld? Anlageexperten betonen, dass als vergleichsweise stabil geltende Aktien aus traditionellen Branchen in jedes breit gestreute Depot gehören. Andererseits warnen sie davor, hektisch zwischen High-Tech-Titeln und Safe-Haven-Werten hin und her zu springen.

Versicherung, Pharma und Öl

Aktien von Unternehmen mit robuster Ertragsentwicklung sind im vergangenen Jahr stark gestiegen: Scheinbar langweilige Titel der Branchen Versicherung, Pharma, Lebensmittel, Energieversorgung und Öl brachten Anlegern überraschend hohe Erträge. In diesem Jahr war die Performance bislang gemischt: Mal kletterten Safe-Haven-Werte, dann wiederum stürmten die High-Tech-Aktien vor.

"Viele Safe-Haven-Aktien eignen sich als langfristige Kapitalanlage", sagt Gottfried Heller, Chef der Fiduka-Vermögensverwaltung, die rund 500 Mill. DM Anlegergelder betreut. Er empfiehlt etwa den Schweizer Lebensmittelhersteller Nestlé und den amerikanischen Nahrungs- und Tabak-Konzern Philip Morris. Auch für Versicherer wie Allianz und Münchener Rück erwartet Heller eine positive - und nervenschonend stabile - Entwicklung auf Sicht von zwei bis drei Jahren.

Keine hektische Branchenrotation

Gleichwohl warnt Heller, langjähriger Kompagnon des Börsengurus André Kostolany, vor kurzsichtigem Verhalten: "Es macht keinen Sinn, zerschmetterte High-Tech-Titel jetzt blind zu verkaufen und nur noch auf defensive Werte zu setzen", sagt er. Eine solche hektische Branchenrotation treibe zudem die Kosten.

Reuschel-Analyst Will-Laudien beobachtet zunehmendes Anlegerinteresse an kleineren, dividendenstarken Werten. So trotzten der Baukonzern Bilfinger & Berger und der Rohstoffwert Kali + Salz im vergangenen Jahr der High- Tech-Baisse. "Allerdings sind dies keine traditionellen Safe-Haven-Werte. Zudem können bei diesen marktengen Titeln einzelne Kauf- oder Verkaufsaufträge die Kurse deutlich beeinflussen", sagt Will-Laudien.

Geldmarktfonds und Renten als Sicherheitspolster

Howard Wheeldon, leitender Europa-Analyst beim US-Finanzkonzern Prudential-Bache, rät Anlegern zu einer Mischung aus Safe-Haven-Titeln und riskanteren Aktien der Branchen Telekommunikation, Medien, Technologie (TMT). "Das Problem mit defensiven Werten ist, dass sie bei einem erneuten Aufschwung der High-Tech-Titel leer ausgehen", sagt er. Einige attraktive Safe-Haven-Aktien nennt Wheeldon dennoch - den Stromversorger Scottish & Southern Energy und die irische Bank Allied Irish. Auch der französische Öl-Gigant Totalfina Elf steht auf seiner Empfehlungsliste.

Eines bietet jedoch auch die sicherste Aktie aus der stabilsten Branche nicht: einen vollständigen Verlustschutz. "Wenn der Gesamtmarkt fällt, bleibt kaum ein Titel ungeschoren", betont Reuschel-Analyst Will-Laudien. Für ganz Sicherheitsbewusste gibt es daher eine zweite, radikalere Safe-Haven-Strategie: den Umstieg auf wertstabilere Anlageformen wie Anleihen und Geldmarktfonds. "Beides sind zur Zeit gefragte Investments", sagt Will-Laudien. Auf lange Sicht versprechen Aktien im Schnitt eine deutlich höhere Rendite - aber bei starken Wertschwankungen. Letztlich müsse jeder Anleger eine Depotmischung wählen, die seiner Risikobereitschaft am besten entspricht, sagt der Reuschel-Experte "In der aktuellen Lage kann ein ausgewogenes Portefeuille durchaus 40 % Anleihen, 20 % Geldmarktfonds und nur einen Aktienanteil von bis zu 40 % enthalten", sagt Will-Laudien.

Im Zuge der Emissionswelle am Neuen Markt hätten viele Privatanleger eine hohe Aktienquote aufgebaut, die nicht unbedingt ihrem individuellen Risiko-Rendite-Profil entspreche. In solchen Fällen bietet sich dem Analysten zufolge nun eine Umschichtung von Aktien in andere Anlageformen an.

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