"Traditionelle Grenzen überwinden"
Bankenverband fordert bessere Kooperation

Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) hat sich zur Bewältigung der derzeit schwierigen Lage in der deutschen Kreditwirtschaft für eine verstärkte bankenübergreifende Zusammenarbeit ausgesprochen.

vwd BERLIN. Es müssten Lösungen angestrebt werden, bei denen die traditionellen Grenzen zwischen privaten Banken, öffentlich-rechtlichen Kreditinstituten und Kreditgenossenschaften überwunden würden", forderte BdB-Hauptgeschäftsführer Manfred Weber am Donnerstag in Berlin bei der Vorstellung des Bankenberichtes 2002.

"Eine solch strikte Abgrenzung der drei Gruppen der Kreditwirtschaft sollte der Vergangenheit angehören", sagte Weber. Andere europäische Länder hätten diesen Weg bereits beschritten. "Deutschland kann und darf sich diesem Wandel nicht entziehen", sagte Weber. Das gelte vor allem vor dem Hintergrund des vergangenen Jahres, das für die deutschen Banken eines der schlechtesten seit Bestehen der Bundesrepublik gewesen sei", sagte der BdB - Hauptgeschäftsführer. Die Ertragskraft der Banken sei massiv gesunken.

Das Wachstum der Nachfrage nach Bankkrediten habe sich abgeschwächt, zugleich seien die Kreditrisiken erheblich gestiegen. Der Wertberichtigungsbedarf habe sich deutlich erhöht. Unter dieser Situation litten nicht nur einzelne Institute, sondern die Branche in ihrer gesamten Breite. Auch im Vergleich zu den europäischen Konkurrenten liege das deutsche Kreditgewerbe mit Blick auf die Ertragskraft auf einem der letzten Plätze, sagte Weber.

"Wir hinken in der Konsolidierung des deutschen Bankensystems im Vergleich zu anderen europäischen Ländern hinterher." Auf Grund des verschärften Kostendrucks komme der Bündelung von Geschäftsvolumina durch Kooperationen und Fusionen eine zentrale Bedeutung zu. Trotz zahlreicher Fusionen in den vergangenen zehn Jahren weisen nach Angaben von Weber viele Kreditinstitute in Deutschland noch keine optimale Betriebsgröße auf. Bisher hätten diese Fusionsn und Kooperationen zudem ausschließlich innerhalb der drei Säulen der deutschen Kreditwirtschaft stattgefunden.

Dies schränke die Möglichkeiten "ganz entscheidend" ein, zu betriebswirtschaftlich wünschenswerten Lösungen zu kommen, sagte Weber. Als mögliche Bereiche der Zusammenarbeit zwischen den Gruppen der Kreditwirtschaft bieten sich aus Sicht des BdB-Hauptgeschäftsführers der Zahlungsverkehr, die Kontoführung oder die Abwicklung von Wertpapiergeschäften an.

Durch solche Kooperationen könne es gelingen, "betriebswirtschaftlich mehr Boden unter die Füße zu bekommen" und Geschäftsvolumina in einer Größenordnung zu schaffen, die Skalenerträge sowie Kosteneinsparungen zuließen, sagte Weber. Für Fusionen zwischen Instituten der drei Gruppen sieht der BdB-Hauptgeschäftsführer derzeit zwar noch nicht die rechtlichen Voraussetzungen. Das bedeute aber nicht, dass Fusionen als Option für die Zukunft ausgeschlossen werden sollten, sagte Weber. Nach seiner Auffassung würden Fusionen auch auf europäischer Ebene Sinn machen.

"Hier stehen wir aber noch ganz am Anfang", sagte der BdB-Hauptgeschäftsführer. Die faktischen Gegebenheiten durch die gesellschaftsrechtlichen Vorschriften sowie die politischen Hindernisse und teilweise bestehende Vorbehalte gegenüber solch länderübergreifenden Bankenzusammenschlüssen machten solche Überlegungen gegenwärtig noch zur "Blaupause", sagte Weber.

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