Traditionskonzern kommt nicht zur Ruhe
Holzmann ruft nach Hilfe

Knapp zwei Jahre nach der spektakulären Rettung durch Bundeskanzler Gerhard Schröder spitzt sich die Situation bei dem Baukonzern Philipp Holzmann wieder zu. Offensichtlich ist der Verlust im vergangenen Jahr erheblich höher ausgefallen als erwartet.

HB FRANKFURT/M. Zwar gibt es noch keinen testierten Jahresabschluss, Bankenkreise berichten aber von einem Fehlbetrag von fast 200 Mill. Euro. Ein Holzmann-Sprecher wollte die Zahl nicht kommentieren. Im Jahr 2000 hatte das Minus bei rund 80 Mill. Euro gelegen.

Am Freitag werden sich die Gläubigerbanken treffen, um neue Hilfen für das Unternehmen zu beschließen. Die Tagesordnung birgt Zündstoff. So steht nach Angaben aus Bankenkreisen ein erneuter Verzicht auf Forderungen auf der Tagesordnung. Welchen Umfang dieser haben soll, ist noch nicht bekannt.

Außerdem soll die Auslagerung von Immobilien mit den dazugehörigen Schulden, die eine erhebliche Zinslast mit sich bringen, in eine eigene Gesellschaft erörtert werden. An dieser neuen Gesellschaft sollen sich die Gläubigerbanken beteiligen. Dadurch würden die Bilanz und die Liquidität von Holzmann verbessert.

Bis vor kurzem hatte Konrad Hinrichs, bis Ende Januar Vorstandsvorsitzender und seitdem Aufsichtsratschef des Konzerns, erklärt, das Vorjahresergebnis erreichen zu wollen. Dass dies nicht gelungen ist, wird im Umfeld des Unternehmens auf Sonderfaktoren wie gescheiterte Immobilienverkäufe zurückgeführt. Das operative Geschäft sei nicht die Ursache, auch wenn die schlechte Baukonjunktur insbesondere in Deutschland natürlich auf dem Geschäft laste, hieß es.

Holzmann ist vor zwei Jahren knapp der Pleite entgangen. Der Konzern konnte damals nur durch die Intervention des Bundeskanzlers gerettet werden, hat sich seither aber nicht wieder erholt. Damals schnürten die Banken ein Rettungspaket mit einem Umfang von rund 1,5 Mrd. Euro. Zusätzlich stellte die Bundesregierung Mittel in Höhe von etwa 130 Mill. Euro zur Verfügung. Dieses Geld ist allerdings bis heute nicht abgerufen worden.

Nach Ansicht von Beobachtern gefährdet die anhaltende Misere nicht akut die Existenz des Baukonzerns. Das Hilfspaket der Banken werde daher wohl geschnürt, obwohl auf Holzmann ein Schuldenberg von 1,46 Mrd. Euro lastet.

Allerdings haben die schlechten Zahlen die Gespräche über einen Verkauf des Unternehmens zum Stillstand gebracht. Es gebe zwar ernsthafte Interessenten, wird berichtet. Diese hätten jedoch lediglich ein Auge auf die Perlen des Unternehmens geworfen. "Die Problembereiche will keiner. Deshalb müssen jetzt wohl oder übel die Banken ran, um eine tragfähige Lösung zu finden", erklärte ein Bankmanager.

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