Traditionsunternehmen vor dem Ende
Herlitz meldet Insolvenz

Der größte deutsche Papier- und Bürowarenhersteller Herlitz hat nach einer letzten Runde von gescheiterten Rettungsgesprächen Insolvenz angemeldet. Die Anträge gingen am Mittwoch beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg ein, bestätigte eine Justizsprecherin.

HB/vwd/dpa BERLIN. Wenige Stunden zuvor war ein Treffen zwischen Vertretern der Länder Berlin und Brandenburg sowie einem Bankenkonsortium abermals ohne Erfolg geblieben. Bei dem Traditionsunternehmen stehen rund 3000 Arbeitsplätze auf dem Spiel, davon 1900 in Deutschland. An der Börse brach die Herlitz-Aktie zeitweise um fast die Hälfte auf weniger als ein Euro ein.

Im Jahr 2000 wies der Konzern einen Verlust von umgerechnet 51,5 Millionen Euro aus bei einem Umsatz von 488,7 Millionen Euro. Wegen missglückter Engagements in Russland sowie im Immobiliengeschäft kämpft Herlitz bereits seit einigen Jahren ums Überleben. Seit vergangenem Frühjahr hält ein Bankenkonsortium unter Führung der Deutschen Bank rund 70 Prozent des einstigen Familienunternehmens.

Die Insolvenzanträge betreffen zwei Firmen: die Herlitz AG und die Herlitz PBS AG Papier-, Büro- und Schreibwaren. Zum Insolvenzverwalter wurde der Berliner Rechtsanwalt und Notar Peter Leonhardt ernannt.

In einem ersten Schritt muss Leonhardt nun Gläubiger und Banken an einen Tisch holen, um über einen "Massekredit" als Finanzspritze und die weiteren Sanierungsschritte zu beraten. Die Gehälter der deutschen Herlitz-Beschäftigten werden nach dem Insolvenzrecht für drei Monate vom Arbeitsamt übernommen.

Der Berliner Wirtschaftssenator Gregor Gysi (PDS) bezeichnete das Insolvenzverfahren als "Chance, die gesunden Kerne des Unternehmens und damit den Hauptteil der Arbeitsplätze zu retten". Der Betriebsratsvorsitzende Christian Petsch verwies darauf, dass Herlitz im ersten Quartal "über Plan" verdient habe. "Wenn Herlitz sich durch den Insolvenzantrag von alten Belastungen befreien kann, wird es sehr interessant für andere Unternehmen", sagte Petsch der dpa.

Am Dienstag hatten Berlin und Brandenburg gemeinsam mit den Banken nochmals nach Rettungsmöglichkeiten gesucht. Die Banken, die rund 70 Prozent der Herlitz-Anteile halten, forderten eine Bürgschaft von 20 Millionen Euro. Dies galt als Voraussetzung für einen Kredit in Höhe von 30 Millionen Euro. Die beiden Länder wollten zunächst nur neun Millionen Euro absichern, stockten das Angebot nach Angaben aus Firmenkreisen dann aber auf rund elf Millionen Euro auf. Auch dies reichte den Banken aber nicht aus.

Brandenburgs Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) hatte sich bereits vor Bekanntgabe des Insolvenzantrags enttäuscht über das Verhalten der Banken gezeigt, denen Brandenburg nach seinen Worten "sehr weit entgegengekommen" sei. Ein Sprecher der Staatskanzlei sagte, im Auftrag Stolpes sei ein Angebot unterbreitet worden, das die Weiterführung von Herlitz ermöglicht hätte. Aus der Wirtschaftsverwaltung verlautete, die Banken müssten angesichts ihrer Beteiligung von etwa 70 Prozent an Herlitz einen "gewissen Beitrag leisten". Ein Bankenvertreter sagte dazu, es sei keine Frage, dass auch die Banken ihren Teil leisteten, etwa über einen Forderungsverzicht.

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