Tragbare PCs geben überall die gewünschten Informationen
Per Computer durchs Metropolitan Museum

Statt mit einer Audio-Führung sollen in Zukunft tragbare Computer die Besucher durch die Museen leiten. Das traditionelle Metropolitan Museum in New York tastet sich als eines der ersten an die Technik heran. Auch Autohändler starten in ihren Ausstellungsräumen Testläufe mit den mobilen PCs.

NEW YORK. Die "Infanta Margarita" von Velazquez oder der tote Stierkämpfer von Manet - ein Klick auf den tragbaren Bildschirm und die musikunterlegte Information kommt sofort. Zum ersten Mal können Besucher im Metropolitan Museum of Art in New York eine Ausstellung mit einem tragbaren Computer erkunden statt mit der klassischen Audio-Führung.

Das Pilotprojekt der Unternehmensberatung Accenture und des Metropolitan Museum nutzt für diesen Test, der in der Ausstellung "Manet/Velazquez - die französische Vorliebe für spanische Malerei" läuft, einen so genannten Tablet-PC von Fujitsu ohne Tastatur (Stylistic ST 4000 Series Tablet-PC). Durch das drahtlose Satelliten-Ortungssystem GPS zeigt der Minicomputer auf einem Grundriss des Museums, wo sich der Besucher gerade befindet. Mit einem Klick auf den etwa DIN-A3 großen Bildschirm werden die gewünschten Informationen aufgerufen - in Textform oder über einen Kopfhörer.

Bei der "Unbefleckten Empfängnis" von Murillo etwa weist zu spanischer Musik eine sanfte Stimme darauf hin, wie die Engel im Hintergrund immer unsichtbarer werden. Und wenn der Betrachter mehr Informationen über den Künstler und sein Leben in Madrid und Sevilla sucht, können auch die schnell per Anklicken aufgerufen werden.

"Diese Menge an Informationen könnten wir mit einem traditionellen Audio-System nicht bieten", sagt Lisbeth Derringer, Technikexpertin beim Metropolitan Museum. Unter anderem können die Nutzer Bilder direkt nebeneinander stellen und miteinander vergleichen. "Es ist das erste Mal, dass der Tablet-PC in einem Museum angewendet wird", sagt Accenture-Partner Richard Clausen. Auch andere Museen haben Interesse und arbeiten derzeit an ähnlichen Projekten.

Zunächst bleibt es im Metropolitan Museum jedoch bei dem Pilotprojekt. "Wir wissen, dass es kommen wird. Aber ich sehe es nicht in der unmittelbaren Zukunft", meint Derringer. "Wenn Sie in der Ausstellung sind, sollen Sie sich auf die Bilder konzentrieren", sagt sie. Der tragbare PC lenke da zu sehr ab. Noch sieht das Museum die Computeranwendung - die auch als aufwendige Internetseite mit Zusatzinformationen zur Verfügung steht - eher als Vor- und Nachbereitung.

Auch die Kosten spielen eine Rolle. Noch kostet ein solcher Tablet-PC rund 2 300 $. Ein Audio-System ist für ein Bruchteil zu haben.Darüber hinaus sei die Zielgruppe entscheidend, bemerkt Derringer. Das Metropolitan Museum habe durchschnittlich ältere Besucher, die nicht so "technikversessen" sind, erklärt sie das Zögern des Museums. "Aber irgendwann wird es sicher kommen." Nach Ansicht von Clausen wird sich eine kommerzielle Anwendung schneller bei Museen mit moderner Kunst durchsetzen. "Da verlangen Besucher auch mehr Informationen, da die Kunst ohne Erklärung schwerer zugänglich ist."

Die Tate Modern in London hat bereits im vergangenen Jahr eine Multimedia-Tour mit dem tragbaren Rechner IPAQ 3800 von Hewlett Packard angeboten. Der Bildschirm ist jedoch deutlich kleiner und kann daher weniger Informationen auf einmal bieten als ein Tablet-PC.

Jenseits der Kunst gibt es auch andere Anwendungen für den Tablet-PC. So sollen bald die Vertreter eines Pharmakonzerns mit den Geräten auf Reisen gehen. Sie können damit Informationen über den jeweiligen Arzt abrufen und aktualisieren.

Auch bei Autohändlern laufen derzeit Tests mit dem Gerät. Kunden können sich bei ihrem Gang durch den Ausstellungsraum mehr Informationen über das besichtigte Auto anschauen. Und auch der Verkäufer hat Vorteile: Er kann schnell eine Kreditprüfung durchführen und sehen, ob sich der Shopper das Auto überhaupt leisten kann.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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