Tragende Rolle von MMS und WLan
CeBIT-Hits der deutschen Telekom-Größen

Das erwartete Spitzenthema ist gar keins. UMTS soll noch dieses Jahr in Deutschland starten - doch auf der CeBIT steht der neue Mobilfunkstandard zumindest in den Präsentationen der meisten Betreiber nicht im Vordergrund.

vwd DÜSSELDORF. Zwar liegt das Augenmerk der weltgrößten Messe auf mobilem Multimedia, wie aus den ersten Verlautbarungen ersichtlich ist. Dies aber auf Basis der Vorläufer-Technik, die mit den Kamera-Handys erst jetzt wirklich in Fahrt kommt. Neues um Daten-Anwendungen wie vor allem MMS steht im Zentrum der Auftritte von Telekom, Vodafone und Co. Daneben dürfte WLan, also lokaler Highspeed-Funk, eine bedeutende Rolle spielen.

Von den großen Netzbetreibern stellt nur Marktführer T-Mobile das Thema UMTS ins Rampenlicht. Das Unternehmen plant ab Juli den Start und will neben Anwendungen auch den "Handover" zeigen. Die Telekom-Tochter rühmt sich, dass die Weitergabe eines Gesprächs von einer UMTS-Funkzelle in die nächste klappt. Das aber ist gar nicht die zentrale Frage - Knackpunkt auf der Hightech-Messe in Hannover wird sein, ob und inwieweit UMTS-Telefone tatsächlich auch mit dem bestehenden GSM-Standard und mit GPRS funktionieren, der schnellen Übertragungstechnik, die jetzt beispielsweise den Versand von Bildern und Tönen möglich macht.

UMTS auch im bestehenden Netz

Experten haben hinsichtlich der Kompatibilität ihre Zweifel. Zwar behaupteten Hersteller wie Nokia, Motorola oder Ericsson, sie hätten die Technik im Griff, sagt Oppenheim-Analyst Nicolas von Stackelberg: "Ob das wirklich so ist, wird noch vor der CeBIT die jährliche UMTS-Messe im Februar in Cannes zeigen." An angeblich kompatiblen Handys werden in Hannover nach derzeitigem Stand jedenfalls nur Modelle von vier Herstellern zu sehen sein. T-Mobile will gleichwohl als ein Highlight den Konsumenten einen konkreten Vorgeschmack dessen geben, was sie an Diensten und Anwendungen in der UMTS-Ära erwartet - Video-Konferenzen etwa oder mobile Stadtführer.

Auch dürften weitere prominente Inhalte-Partner präsentiert werden. Zweiter Schwerpunkt wird nach Auskunft des Unternehmens "2,5 G" sein, also die nach einigen Anlaufschwierigkeiten jetzt ins Rollen gekommene GPRS-basierte Mobilfunkgeneration, die nach den Vorstellungen der Branche mit ihren Angeboten nahtlos und schrittweise in UMTS übergehen soll. Sie steht im Fokus aller Betreiber. Während T-Mobile zum Beispiel zeigen will, dass Videobotschaften künftig auch direkt von Handy zu Handy verschickt werden können, kündigt Hauptkonkurrent Vodafone D2 unter anderem ein "interaktives Fotoalbum" an, um MMS-Bilder im Internet zu speichern.

Die im Herbst gestartete mobile Plattform "Vodafone life" soll in den nächsten Monaten um fünf Telefone erweitert werden. Zudem können über dieses Portal künftig kurze Videosequenzen etwa aus Nachrichten- und Sportsendungen auf das Handy geholt werden. Anders als bei Vodafone spielt das Thema UMTS bei E-Plus, dem drittgrößten deutschen Netzbetreiber, offiziell nach derzeitigem Stand auf der CeBIT keine Rolle. In Sachen mobiles Multimedia setzt das Unternehmen auf das Hausgewächs "i-mode", das sich nach großem Auftakt auf der vorherigen Messe offenbar nur mäßig entwickelt hat. Nun sollen in Hannover neue Dienste und Geräte hinzukommen.

Immer mehr Betreiber setzen auf WLan

Beobachter halten aber für möglich, dass E-Plus auf der Schau doch auch eine Weiterentwicklung der Services in Richtung UMTS demonstriert. Der kleinste Betreiber O2 wartet mit mobilen Datendiensten in fünf Bereichen auf. "Wir wollen deutlich machen, dass UMTS lediglich das Transportmittel ist und dass die Anwendungen im Vordergrund stehen", so das Unternehmen. Weitere Message: Auch O2 wird im Lauf des Jahres WLan anbieten, den als UMTS-Ergänzung geltenden breitbandigen drahtlosen Internetzugang, der aber nur innerhalb eines begrenzten Terrains möglich ist.

Von den Service Providern kommen teils gegensätzliche Signale: Während Debitel seinen bislang größten Auftritt plant, heißt es bei Mobilcom, man werde auf der Messe kleinere Brötchen backen. Unter den Mobilfunkherstellern gilt das Augenmerk neben den großen Vier dem bisher mäßig erfolgreichen Joint Venture Sony Ericsson. Es kündigt neue Modelle an, die auf einer einzigen Plattform basieren. Das Gemeinschaftsunternehmen litt seit der Gründung Ende 2001 darunter, mit verschiedenen Plattformen zu arbeiten.

MMS im Festnetz und Internet übers Fernsehen

Im Festnetz will der dominierende Anbieter Deutsche Telekom vor allem WLan präsentieren, daneben die neue Bezahlplattform T-Pay. Ferner soll als Eigenentwicklung der MMS-Versand auf nicht-drahtlose Telefone vorgestellt werden. Hauptkonkurrent Arcor setzt unter anderem auf Highspeed-Internet für Geschäftskunden: DSL im Hin- und Rückkanal mit einer Geschwindigkeit von bis zu 2,3 Megabit pro Sekunde. Im Internetbereich will Marktführer T-Online zeigen, wie Verbindungen ins Web über den heimischen Fernseher möglich sind. Außerdem sollen eine verbesserte Zugangssoftware sowie Bündelangebote vorgestellt werden, etwa für Kinder und Jugendliche.

Natürlich dreht sich auf der Messe, die angesichts schwacher Konjunktur und Irak-Krise um über 700 auf 6500 Aussteller geschrumpft ist, nicht alles um Breitbandnetze und multifunktionale Endgeräte. Sicherheitstechnologien und Smard Cards sowie neue integrierte Software-Lösungen werden von der CeBIT-Leitung als weitere Spitzenthemen gesehen. Der wichtigste deutsche Branchenverband Bitkom wird auf seiner stets viel beachteten Pressekonferenz seine Prognose für die Informations- und Kommunikationswirtschaft 2003 bestätigen. Geschäftsführer Bernhard Rohleder: "Für das laufende Jahr gehen wir weiterhin von einer schwarzen Null aus."

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