Tragische Liebesgeschichte
Erfurt: Private Gründe stecken hinter Selbstmord

Ein 18 Jahre alter Schüler des Erfurter Gutenberg- Gymnasiums hat sich sechs Wochen nach dem Blutbad an seiner Schule wahrscheinlich aus privaten Gründen selbst getötet. Das Motiv liege vermutlich im privaten Bereich, sagte Polizeisprecher Manfred Etzel am Montag der dpa.

dpa ERFURT. Darauf deute eine Kurznachricht auf dem Handy des Gymnasiasten hin, die er fast zwei Wochen gespeichert hatte. Es gebe bisher keine Indizien, die auf einen Zusammenhang mit dem Amoklauf mit 17 Toten an der Schule deuten. Ein Abschiedsbrief, der Aufschluss über das Motiv geben könnte, wurde nach Polizeiangaben nicht gefunden.

Es könne aber auch nicht ganz ausgeschlossen werden, dass die albtraumartigen Erlebnisse bei dem Schulmassaker eine Rolle spielten, sagte Etzel. Der 18-Jährige soll zu den Gymnasiasten gehören, die sich aus Angst vor dem Todesschützen am 26. April in einem Raum des Gymnasiums verbarrikadiert hatten. Der junge Mann hatte sich in der Nacht zu Samstag in einer Scheune auf dem elterlichen Grundstück erhängt.

Im Umfeld des Schülers hieß es, eine "tragische Liebesgeschichte" könnte eine Rolle bei dem Selbstmord gespielt haben. Möglicherweise hätten aber verschiedene Gründe zu der Kurzschlussreaktion geführt. Das wurde von der Polizei nicht bestätigt.

Der Schüler aus einer 11. Klasse war in einer Gruppe mit anderen Jugendlichen nach dem Amoklauf von Psychologen betreut worden. "Das Nachsorgeprogramm wird jetzt intensiv fortgesetzt", sagte ein Sprecher des Kultusministeriums. 40 Psychologen ständen für Lehrer, Schüler und Angehörige von Opfern weiter zur Verfügung. Ein Teil stehe direkt an der Schule zur Verfügung, andere seien in ständiger Rufbereitschaft.

Eine Gruppe von Opfern des Amoklaufs von Littleton (USA) und deren Angehörige ist nach einem mehrtägigen Besuch in Erfurt wieder abgereist. Zusammen mit Erfurter Schülern, darunter auch vom Gutenberg-Gymnasium, hatten sie der Opfer der Bluttaten in Littleton und Erfurt gedacht und über gemeinsame Erfahrungen gesprochen. An der Highschool im US-Bundesstaat Colorado brachten zwei Jugendliche vor rund drei Jahren 12 Schüler und einen Lehrer um und erschossen sich dann.

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