Trainer Dettmann muss gehen
Debakel unter dem Korb

Zähneknirschen und Katzenjammer war im deutschen Lager nach dem Vorrunden-Aus bei der Basketball-EM in Schweden angesagt: "Wir sind geschockt", sprach DBB-Präsident Roland Göller dem Rest der Delegation aus dem Herzen.

HB NORRKÖPING. EM-Titel und Olympia ade: Durch eine unerwartete 84:86 (51:44)-Niederlage gegen Italien haben Deutschlands Basketballer gestern Abend nicht nur das EM-Viertelfinale verpasst, sondern auch die Teilnahme bei Olympia 2004 in Athen verspielt. Dem von den Spielern auf die Medien übertragenen Erwartungsdruck waren die zwar höchst talentierten, aber für kontinuierliche Spitzenleistungen immer noch nicht ausgereiften deutschen Basketballer gegen abgezockte Konkurrenz letztlich nicht gewachsen.

Sie hatten es allein sich selbst zuzuschreiben, und dennoch oder vielleicht gerade deshalb bot sich nach dem Basketball-Desaster von Norrköping und dem Ende der sechsjährigen Amtszeit von Bundestrainer Henrik Dettmann ein trauriges Szenario. Spieler, Trainer, Betreuer und Funktionäre kauerten in der Kabine und ließen den Tränen freien Lauf. Das Vorrunden-Aus traf das DBB-Team unvorbereitet und deshalb tief ins Mark. Aus der Traum vom zweiten Titel nach 1993, der WM- Dritte und EM-Mitfavorit stürzte ins europäische Mittelmaß.

Der Imageschaden für den deutschen Basketball ist enorm. Nowitzki & Co. werden nach dem EM-Desaster vorerst aus dem Blickfeld der Fans und damit auch von den TV-Schirmen verschwinden - die wirtschaftlichen Folgen sind noch nicht absehbar.

Erst eine halbe Stunde nach Spielende wagte sich ein sichtlich betroffener Dirk Nowitzki vor die Kameras. "Das ist Enttäuschung pur. Wir können alle nicht glauben, dass wir schon nach Hause fahren müssen", kommentierte der NBA-Star das Debakel unter dem Korb.

"Ein Traum ging zu Ende. Das war ein schwerer Rückschlag, den wir erst wieder in zwei Jahren reparieren können", stellte DBB-Präsident Roland Geggus mit Blick auf die nächsten kontinentalen Titelkämpfe 2005 in Belgrad ernüchtert fest. Das unerwartet frühe Scheitern und der jäh geplatzte Traum von der Teilnahme am olympischen Turnier von Athen 2004 traf die zuletzt so erfolgreichen Korbjäger bis ins Mark. Wie in Atlanta 1996 und Sydney 2000 glänzen sie durch Abwesenheit.

Bei den Verbands-Bossen herrscht Ratlosigkeit. Die Fragen nach Auswirkungen und Konsequenzen sind nur in einem Punkt beantwortet: Die sechsjährige Arbeit von Bundestrainer Henrik Dettmann endete mit der ebenso bitteren wie unnötigen Niederlage in der Arena Himmelstalund. Den selbst in der DBB-Führung widersprüchlichen Aussagen um die Zukunft des zuletzt viel kritisierten Finnen über das Vertragsende 31. Oktober hinaus ließ Vizepräsident Wolfgang Hilgert eine kurze, aber endgültige Fassung folgen: "Es ist Schluss."

Schon lange, so wird kolportiert, habe Dettmann den Draht zur Mannschaft verloren. Nach den schwachen Vorstellungen gegen Israel (86:81) und Litauen (71:93) setzte sich der Kader im Hotel ohne den Coach zusammen und redete Tacheles. Zudem belastete eine Abmahnung im Juni das Verhältnis zwischen dem Bundestrainer und den Verantwortlichen im Verband. Dennoch gab es unter dem Strich auch lobende Worte, immerhin führte Dettmann die DBB-Auswahl mit WM-Bronze in Indianapolis (2002) wieder in die Weltspitze.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%