Trainer findet Reaktion übertrieben
Nach Stevens Berlin-Trip dicke Luft auf Schalke

Ausgerechnet vor dem ohnehin brisanten Spiel bei Hertha BSC Berlin am Samstag sorgt ein Hauskrach beim FC Schalke 04 für zusätzlichen Zündstoff. Mit heftiger Kritik an Huub Stevens nach dessen nicht genehmigtem Abstecher zum künftigen Arbeitgeber am vergangen Sonntag stellte Manager Rudi Assauer die Loyalität und Professionalität des Trainers erstmals in Frage.

dpa GELSENKIRCHEN/BERLIN. "Ihm muss klar sein, dass er noch bei uns auf dem Zettel steht. So einen Fehler darf man nicht machen. Das ist nicht gut fürs Klima", schimpfte Assauer, der Stevens am Dienstag sogar zum Rapport bestellt und dessen Fehlverhalten danach auch vor der Mannschaft gerügt hatte.

Wie sich herausstellte, hatte sich der Niederländer sechs Tage vor dem Spiel in Berlin nicht nur nach einer neuen Bleibe für sich und seine Familie umgesehen, sondern trieb in Gesprächen mit Hertha - Manager Dieter Hoeneß sowie den Profis Alex Alves, Michael Preetz und Stefan Beinlich auch Personalplanungen voran. Hoeneß, bei dem sich Assauer in einem Telefonat über das Treffen beschwert hatte, kann die ganze Aufregung nicht verstehen und nannte die Schalker Reaktion "lächerlich". Alle seien doch Profis. Stevens habe bewiesen, dass er "zwischen Gegenwart und Zukunft trennen" könne, so Hoeneß, der das Spiel im Olympiastadion wegen verbaler Attacken gegen Schiedsrichter Uwe Kemmling von der Tribüne aus verfolgen muss.

Stevens, der sich in fast sechsjähriger Tätigkeit für den Revier-Club stets durch absolut professionelles Verhalten und Akribie auszeichnete, findet seinen angeblichen Interessenkonflikt hochgespielt und überbewertet. Zwar räumte er ein, dass sein Berlin-Trip "nicht besonders glücklich" war, beteuerte vor seinem drittletzten Spiel als Knappen-Coach aber: "Bis zum 30. Juni bin ich für Schalke tätig. Wir haben jetzt noch zwei Bundesliga-Spiele und das Pokal-Finale. Wir wollen alle Partien gewinnen." Welche Gefühle ihn am Samstag beschleichen werden, weiß er noch nicht: "Die Situation ist auch für mich neu. Ich bin selbst gespannt, wie es sein wird", so der Coach, der um den Einsatz von Stürmer Ebbe Sand bangt.

Zudem glaubt der Niederländer nicht, dass Hertha (58 Punkte) selbst im Falle einer Niederlage gegen Schalke (61) noch aus den UEFA-Cup-Rängen verdrängt wird. "Da mache ich mir keine Gedanken", so Stevens, dessen Team noch um Platz drei und damit die Qualifikation für die Champions League kämpft. In der Mannschaft gibt es offenbar kaum Zweifel, dass der Trainer bis zum Pokalfinale am 11. Mai alles für seinen Noch-Arbeitgeber gibt. "Wir haben nie gemerkt, dass er mit dem Kopf nicht auf Schalke wäre", sagte Marc Wilmots im "Kicker". Außerdem stünde ja die Mannschaft auf dem Platz. "Wir müssen das Spiel entscheiden." Der Belgier, der in dieser Woche wegen eines Muskelfaserrisses in der Kniekehle mit dem Training aussetze, ist sicher: "Der Trainer wäre stinksauer, würde er in Berlin verlieren."

Hertha-Coach Falko Götz macht die besonderes Konstellation vor dem Duell mit seinem Nachfolger nicht zu schaffen. "Ich habe keinen Druck. Ich bin nach zwei Spielen weg, Stevens muss sich präsentieren", meinte Götz, der sogar auf eine zusätzliche Motivation seiner Spieler hofft: "Sie müssen sich auch vor ihrem neuen Chef beweisen." Marko Rehmer hofft nach überstandenem Bänder- und Kapselriss im Sprunggelenk gegen Schalke auf ein Kurz-Comeback.

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