Trainer-Rücktritt scheint nicht mehr ausgeschlossen
Van Marwijk hat genug vom Dortmunder Chaos

Der Trainer will demnächst mit dem neuen Präsidennten Reinhard Rauball über seine und die Zukunft von Borussia Dortmund reden - sein Rücktritt scheint nicht mehr ausgeschlossen. Vor allem dann nicht, wenn die Vereinsführung sich bei seinen Personalplanungen quer stellen sollte.

tru/HB DORTMUND. Die grellen Lichter der Fernsehkameras ließen Bert van Marwijk noch blasser aussehen, als er ohnehin ist. Der 52-jährige Trainer sprach nach der 0:1-Niederlage von Borussia Dortmund beim 1. FC Kaiserslautern über den "Motorschaden", der viel größer sei als geglaubt. Der Fußballtrainer redete, als sei er betrogen worden und unter Vorspiegelung falscher Tatsachen zur Borussia gelockt worden. "Vieles, was in Dortmund los ist, hat man mir nicht erzählt", sagte er. "Es geht ums Überleben".

Ob er selbst versuchen wird, das Überleben zu sichern, darüber will er demnächst mit dem neuen Präsidenten Reinhard Rauball sprechen. Derzeit erscheint ein Rücktritt des Holländers gut fünf Monate nach seinem Amtsantritt nicht ausgeschlossen. Van Marwijk fordert zwei neue Spieler und will ein paar alte loswerden. Den Bundesligisten aber drücken über 118 Millionen Euro Schulden. "Ich will wissen, wie es weitergeht", sagte van Marwijk.

Durch die Niederlage ist die Borussia den Abstiegsrängen wieder ein Stück näher gekommen. Die Fans sind wütend, das bekamen die Verantwortlichen auch bei der gestrigen Mitgliederversammlung zu spüren, bei der Rauball zum Nachfolger von Präsident Gerd Niebaum gewählt wurde. Es waren zwar nur 1 745 der rund 23 000 Mitglieder anwesend, doch die artikulierten ihren Unmut deutlich. Die Mannschaft wurde bei ihrem Eintreffen mit Buh-Rufen empfangen, mehrere Redner forderten den Rücktritt von Manager Michael Meier und den von Niebaum auch als Geschäftsführer der KGaA. "Wenn man den Untergang beschworen hat, kann man nicht den Aufschwung herbeiführen", sagte der SPD-Politiker Hermann Heinemann. Am Dienstag auf der Aktionärsversammlung werden Niebaum und Meier den Zorn der Anleger zu spüren bekommen. In diversen Anträgen wird gefordert, der Geschäftsführung die Entlastung zu verweigern.

"Es ist unübersehbar, dass die Mannschaft unter dem Chaos leidet", sagte van Marwijk am Samstag. Er wirkte ratlos. Angesichts vieler Verletzter hatte er einige junge Fußballer aufgeboten, an deren Seite aber "Spieler standen, die den Unterschied hätten ausmachen können, aber sie sind nicht aufgestanden". Dede etwa spulte sein Programm ohne Leidenschaft ab.

In der Winterpause soll der Kader verkleinert werden. Van Marwijk will mit vielen Spielern nicht mehr zusammenarbeiten. "Es ist eine Sache der Einstellung", sagte er. Die richtige Einstellung scheint im Chaos um Finanzen und Unwahrheiten verloren gegangen zu sein. Die Spieler diskutierten in der Kabine über die Zukunft des Klubs, sagte Nationalspieler Christian Wörns. Ein Gefühl der Ohnmacht beschleiche ihn und die Kollegen mehr und mehr. Die Situation sei aber immer noch besser als 1999. "Da waren wir Erster und wurden nach unten durchgereicht", sagte Wörns, "diesmal wissen wir, dass wir gegen den Abstieg spielen."

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