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Trainersuche beim DFB nicht länger ChefsacheDPA-Datum: 2004-07-05 15:26:08

Frankfurt/Main (dpa) - Bei der Suche nach dem neuen Bundestrainer ist der von einem internen Machtkampf zerrüttete Deutsche Fußball- Bund (DFB) vor Beginn der «Elefantenrunde» keinen entscheidenden Schritt voran gekommen.

Frankfurt/Main (dpa) - Bei der Suche nach dem neuen Bundestrainer ist der von einem internen Machtkampf zerrüttete Deutsche Fußball- Bund (DFB) vor Beginn der «Elefantenrunde» keinen entscheidenden Schritt voran gekommen.

Wenige Stunden vor der brisanten DFB-Präsidiumssitzung in Frankfurt/Main zeichnete sich lediglich ab, dass die Regelung der Nachfolge von Rudi Völler nicht mehr Chefsache von Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder sein wird.

«Ich schlage vor, eine Findungsgruppe von drei oder vier Personen zu benennen, die sich auf einen Nachfolger für Rudi Völler einigt. Daran wird die Liga beteiligt und z.B. Franz Beckenbauer, wenn er Zeit und Lust hat», kündigte der unter Druck stehende Mayer-Vorfelder in der «Bild»-Zeitung an und kam damit der Opposition noch vor dem mit Spannung erwarteten Treffen in der DFB-Zentrale entgegen.

Favorit auf den vakanten Trainer-Posten, der nach Ansicht von Franz Beckenbauer zunächst nur bis zur Heim-WM 2006 besetzt werden sollte, ist Otto Rehhagel. «Über den Namen Rehhagel werden wir im Präsidium und in der Findungsgruppe reden. Mehr will ich dazu nicht sagen», erklärte Mayer-Vorfelder. Rehhagel wollte sich in der Stunde des EM-Triumphes mit Griechenland nicht zu einem möglichen Engagement in seiner Heimat äußern. «Es ist jetzt an der Zeit, nur über meine Jungs zu sprechen. Es wäre fatal, jetzt auch nur ein Wort über andere Dinge zu verlieren», erklärte der 65-Jährige vor dem Abflug nach Athen.

Falls Rehhagel, der in Griechenland noch einen Vertrag bis 2006 besitzt, nicht zur Verfügung stünde, scheint beim DFB selbst eine Rückkehr von Völler nicht ausgeschlossen. Nach Informationen des «kicker» gibt es Planspiele, wonach der Liebling der Fußball-Nation die deutsche Mannschaft als Übergangslösung bis zum Jahresende betreuen könnte, um dann den Platz für einen ausgeruhten Ottmar Hitzfeld freizumachen. Der Wunschkandidat des DFB machte allerdings deutlich, dass er seine in der Vorwoche erteilte Absage nicht zurücknehmen wird. «Auch wenn im Fußball immer alles möglich ist: Ich habe mich jetzt entschieden, dann kann man nicht in zwei Monaten wieder darüber reden», sagte Hitzfeld dem Zürcher «Tagesanzeiger».

Bleibt als ernsthaftester Kandidat also Rehhagel, der durch den EM- Triumph mit den Griechen weiter Pluspunkte gesammelt hat. «Er ist einer der besten Trainer und ein wunderbarer Mensch», schwelgte Beckenbauer im ZDF in höchsten Tönen über jenen Mann, den er 1996 als Präsident von Bayern München als gescheiterten, überforderten Vereinstrainer entlassen hatte. Sollte Rehhagel für die Völler-Nachfolge bereit sein, würde er sich voraussichtlich von den DFB-Granden eine Schamfrist ausbedingen, um sich von Griechenland nicht sofort lösen zu müssen.

Der «Kaiser» wird wahrscheinlich nicht nur bei der Auswahl des neuen Teamchefs, sondern auch im Machtkampf um das Amt des DFB-Präsidenten eine gewichtige Rolle spielen. Zum großen Unmut der Mayer-Vorfelder- Opposition hatte sich neben dem Chef des WM-Organisationskomitees auch FIFA-Präsident Joseph S. Blatter gegen einen Wechsel an der DFB-Spitze ausgesprochen, angeblich, um das WM-Projekt 2006 nicht zu gefährden. Der angeschlagene DFB-Präsident muss nun hoffen, dass die prominenten Fürsprecher einschließlich der Führung von Bayern München einen Erfolg der «Aufständischen» verhindern.

Deren Wortführer Engelbert Nelle, Präsident des Norddeutschen Fußball-Verbandes und 1. Vizepräsident im DFB, verdeutlichte noch einmal seine Forderung nach einem Machtwechsel. Dieser solle sich auf dem Verbandstag am 23. Oktober vollziehen. «Die Amtszeit geht im Oktober zu Ende, da möchte ich einen neuen Kandidaten präsentieren», sagte Nelle, der das gesamte Amateur-Lager hinter sich glaubt, dem Internetanbieter Sport1.

Dieser soll Theo Zwanziger sein. Der Schatzmeister übte vor Beginn des Krisengipfels erstmals harsche Kritik am DFB-Präsidenten, dem er bislang loyal zur Seite stand. «Mayer-Vorfelder bietet leider Angriffsflächen, die in der Gesellschaft sehr negativ wirken», sagte der 59-Jährige der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». Es käme jetzt darauf an, dass der Verband der Öffentlichkeit wieder ein einheitliches Bild vermittele, um nicht die mit der Fußball-WM 2006 verbundenen positiven Aspekte aufs Spiel zu setzen. Zwanziger möchte daher Vorschläge für schnelle und konstruktive Lösungen auf den Tisch legen, «sonst jagen uns die Leute in den nächsten vier Monaten zum Teufel».

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