Trajkovski erwägt wegen Streit um Waffenzahl Einspruch
Beginn der NATO-Entwaffnungsaktion in Mazedonien in Gefahr

Ein heftiger Streit über die Zahl der einzusammelnden Rebellenwaffen hat den für Montag geplanten Start der NATO-Entwaffnungsaktion in Mazedonien gefährdet. Eine Einigung zwischen der Militärallianz und der mazedonischen Regierung über eine "glaubwürdige Zahl" von Rebellenwaffen stehe weiter aus, sagte ein NATO-Sprecher am Sonntag in Skopje.

afp SKOPJE. Ein mazedonischer Regierungsvertreter sagte am Samstagabend, Präsident Boris Trajkovski erwäge einen Einspruch gegen die Mission "Essential Harvest", wenn die NATO die Zahl der einzusammelnden Waffen nicht deutlich erhöhe. Skopje geht davon aus, dass die Albanerrebellen über zwischen 60 000 und bis zu 100 000 Waffen verfügen; die Allianz will bis zu 3 500 Waffen von der "Nationalen Befreiungsarmee" UCK einsammeln. Die gespannte Situation in dem Balkanstaat eskalierte am Sonntag erneut: Bei einem Anschlag auf ein Hotel nahe Tetovo wurden zwei Menschen auf brutale Weise getötet.

In den am Freitag begonnenen Gesprächen über die Entwaffnung wurden massive Unterschiede zwischen der Einschätzung der NATO und der Haltung der mazedonischen Regierung deutlich. NATO-Sprecher Barry Johnson sagte dazu am Sonntag in Skopje, die Allianz sei "flexibel". Sie bereite sich aber nach wie vor auf einen Beginn der Aktion am Montag vor. Nach Angaben westlicher Armeevertreter verhandelte die NATO auch mit den Albanerrebellen erneut über die Zahl der Waffen. Der mazedonische Regierungschef Ljubco Georgievski hatte die von der NATO genannte Zahl von 3 500 Waffen am Samstag als "lächerlich" bezeichnet. Johnson entgegnete, die Kritik betrachte er nicht als offizielle Stellungnahme der Regierung. Unterdessen traf ein französisches NATO-Kontingent im griechischen Saloniki ein. Die 350 Soldaten sollten noch am Sonntagabend Mazedonien erreichen.

Der politische Führer der albanischen UCK-Rebellen, Ali Ahmeti, begrüßte den NATO-Einsatz in Mazedonien. "Dass die NATO hierher kam, ist das beste, was Mazedonien passieren konnte", sagte Ahmeti der "Bild am Sonntag". "Wir brauchen keinen weiteren Krieg." Ahmeti bekräftigte die Bereitschaft der UCK, ihre Waffen entsprechend der Friedensvereinbarung "wirklich" abzugeben. Die NATO hatte sich am Freitag mit den Albanerrebellen auf den Umfang der Entwaffnung geeinigt. Ein westlicher Militärvertreter deutete an, die von den Rebellen genannte Zahl zu ihrem Waffenarsenal liege "ein wenig über 3 000" und damit weit unter der Schätzung der mazedonischen Regierung.

Die Entwaffnungsfrage und der brutale Anschlag bei Tetovo waren am Sonntag auch Thema einer Krisensitzung des mazedonischen Sicherheitsrats unter Vorsitz Trajkovskis. Die Täter des Anschlags fesselten die beiden Opfer, zwei Wachleute, bei lebendigem Leibe mit Eisendraht und befestigten Sprengstoff an ihren Körpern, wie ein Reporter des staatlichen Fernsehens berichtete. Die Explosion war so stark, dass das Motel vollständig zerstört wurde. Dutzende von wütenden Bewohnern der umliegenden Dörfer versammelten sich vor den Trümmern des Gebäudes. Ob der Anschlag auf das Konto von Albanerrebellen ging, war zunächst unklar.

Die Gegend um Tetovo wird derzeit nicht von der "Nationalen Befreiungsarmee" UCK kontrolliert, die Rebellen drangen aber mehrfach auf das Gebiet vor. Das von einem slawischen Mazedonier betriebene Motel liegt am Fluß Vardar rund zehn Kilometer südöstlich von Tetovo. In dem benachbarten Dorf Celopek, dem Geburtsort von Innenminister Ljube Boskovski, wohnen sowohl albanisch- als auch slawischstämmige Mazedonier.

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