Transaktionen sollen schneller und sicherer werden
Neues Abwicklungssystem revolutioniert Devisenhandel

Nach mehrjähriger Verzögerung ist in der vergangenen Woche ein neues Abwicklungsystem angelaufen, das den globalen Devisenhandel revolutionieren könnte. 39 internationale Großbanken haben damit begonnen, ihre Devisengeschäfte über das weltumspannende "Continuous Linked Settlement" (CLS) abzuwickeln. Der Start sei problemlos verlaufen, hieß es etwa bei der Dresdner Bank.

HB FRANKFURT/M. Mit CLS sollen Devisentransaktionen schneller und vor allem sicherer werden. Derzeit erfolgt die Abwicklung grenzüberschreitender Geschäfte häufig über ein Netz von Korrespondenzbanken und dauert, wenn alles glatt läuft, zwei bis drei Tage. Mit Hilfe des neuen Systems werden die Geschäfte innerhalb weniger Stunden abgewickelt - "der dramatischste Wandel in über 300 Jahren", versprechen die hinter CLS stehenden 66 internationalen Großbanken selbstbewusst. Zunächst werden sieben Währungen gehandelt: Dollar, Euro, Pfund, Yen, Schweizer Franken sowie der Kanadische und der Australische Dollar. Im nächsten Jahr sollen die skandinavischen Währungen und der Singapur-Dollar hinzu kommen.

An neuen Lösungen für das Devisengeschäft wird schon seit vielen Jahren gebastelt. Ziel ist es in erster Linie, das auch als "Herstatt-Risiko" bekannte Ausfallrisiko zu minimieren. Diese deutsche Bank wurde im Juni 1974 von den Aufsichtsbehörden dicht gemacht. Eine Reihe von Banken hatte damals bereits Zahlungen an Herstatt geleistet, doch konnte diese ihre eigenen Zahlungen nicht mehr erbringen. Seitdem fürchtet sich die Finanzwelt vor schweren Turbulenzen, die bei der Pleite einer großen internationalen Bank entstehen könnten. Vor allem die Zentralbanken und die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel drängen auf einen Weg zur Beseitigung des Herstatt-Risikos.

Verständlich wird diese Sorge, wenn man sich das gewaltige Ausmaß des internationalen Devisengeschäfts vor Augen hält. Experten schätzen, dass jeden Tag Währungen im Wert von eins bis drei Billionen Dollar den Besitzer wechseln. Damit ist der Devisenmarkt der größte Markt der Welt.

Im Grundsatz beruht CLS darauf, dass die Geschäfte nur dann ausgeführt werden, wenn beide Seiten ihre Zahlungen getätigt haben. Dank dieser Abwicklung "Zug um Zug" entfällt das Ausfallrisiko, falls eine der beiden Parteien pleite geht oder wegen eines Systemausfalls oder anderer Gründe nicht zahlen kann. Möglich wird dies dadurch, dass die Zahlungsverkehrssysteme mehrerer Länder grenzüberschreitend verknüpft werden. Die Banken müssen ihre Zahlungen auf die CLS-Konten bei den nationalen Notenbanken leisten. Die Transaktionen werden zwischen sieben und zwölf Uhr morgens mitteleuropäischer Zeit abgewickelt.

Heimische Banken im Boot


Angeboten wird das neue System von der CLS Bank International. Zu den 66 Aktionären zählen alle großen Spieler des Devisenhandels wie Citigroup oder die Deutsche Bank. Auch die übrigen wichtigen heimischen Banken sind mit im Boot. CLS wurde bereits vor fünf Jahren ins Leben gerufen, doch verzögerte sich der ursprünglich für 2000 anvisierte Start mehrfach wegen technischer Probleme. Erst Anfang vergangener Woche wurde das System nach umfangreichen Tests durch Pilot-Banken schließlich frei geschaltet, nachdem auch die US-Notenbank grünes Licht für den Start der in New York ansässigen CLS Bank gab.

Zunächst handeln aber nur 39 Banken in sechs kleinen Gruppen untereinander. Diese Gruppen werden schrittweise miteinander verbunden. Auf diese Weise sollen die Auswirkungen möglicher Systempannen in Grenzen gehalten werden. Dass der vorsichtige Ansatz zu Recht gewählt wurde, zeigte sich schnell. So berichtet Olaf Ransome, für CLS zuständiger Direktor bei Credit Suisse First Boston (CSFB), eine der teilnehmenden Banken habe am vergangenen Montag Probleme mit der Dateneingabe gehabt, die einen "Stau" im System verursacht hätten. Am ersten Settlement-Tag seien dann aber 3 700 Transaktionen erfolgreich abgewickelt worden. Bis zum Jahresende werden weitere zehn Banken aus dem Kreis der CLS-Aktionäre den Handel aufnehmen.

Die Finanzbranche hat sich das neue System einiges kosten lassen. Allein die CLS-Aktionäre haben über 300 Mill. $ investiert. Hinzu kommen noch die Summen für die bankinterne Anpassung der Informationstechnologie. Die Commerzbank etwa, die zu den CLS-Pilotbanken zählte, musste dafür einen "mittleren zweistelligen Millionenbetrag" aufwenden, sagt Dorothee Troschütz, die bei der Commerzbank das Marketing für Zahlungsverkehrsprodukte betreut. Zu den Vorteilen von CLS zählen die Banken neben dem Wegfall des Herstatt-Risikos auch das Netting, also das gegenseitige Aufrechnen von Zahlungen in einer Währung. Dadurch sinkt der Settlement-Aufwand erheblich.

Anbindung von Drittbanken verläuft noch zögerlich


Einige der beteiligten CLS-Banken wie etwa die Dresdner Bank wollen das System nur für den eigenen Handel nutzen. Dagegen hoffen andere Institute auf ein gutes Geschäft durch die Anbindung weiterer Banken (Third Parties), denen sie den Settlement-Service verkaufen. Die Commerzbank beispielsweise hat bereits einige Absichtserklärungen mit Banken unterzeichnet, denen sie CLS-Dienstleistungen anbieten will. Als besonders aggressiv bei der Suche nach Third Parties gelten in Marktkreisen die Finanzriesen Citigroup, ABN Amro und vor allem CSFB. Letztere hat bereits mehrere Kunden gewonnen, darunter die WGZ-Bank. Insgesamt verlaufe die Anbindung von Drittbanken wegen der Verzögerungen beim CLS-Start allerdings noch zögerlich, sagt Ransome.

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