Transatlantische Beziehungen: „Als Deutscher ist man geschockt“

Transatlantische Beziehungen
„Als Deutscher ist man geschockt“

Bei den amerikanisch-deutschen Gesprächen mit Vertretern aus Wirtschaft und Politik ging es auch in diesem Jahr um die transatlantische Partnerschaft, um gemeinsame Ziele und Probleme - und damit auch um den Klimaschutz. Bei diesem Thema sprachen beide Seiten nicht immer mit einer Stimme.

HAMBURG. Jim Sasser nähert sich dem Thema Klimawandel beim US-German Round Table in Hamburg auf ganz und gar unakademische Weise. Er habe eine Immobilie direkt am Strand, daher verfolge er die Diskussion um steigende Meeresspiegel neuerdings mit großem Interesse, sagt der US-Demokrat. Das muss in den Ohren klimaschutzbeflissener Europäer etwas salopp klingen. Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und Klimaschutzberater der Bundeskanzlerin, wählt denn auch einen grundsätzlicheren Ansatz: Er warnt vor dem verschwenderischen Verbrauch fossiler Energieträger, mahnt gemeinsame Anstrengungen von Amerikanern und Europäern im Klimaschutz an und referiert die Treibhausgas-Reduktionsziele der EU.

Bei den amerikanisch-deutschen Gesprächen, zu denen BDI-Präsident Jürgen Thumann 60 Vertreter aus Wirtschaft und Politik von beiden Seiten des Atlantiks in die Hansestadt eingeladen hatte, ging es auch in diesem Jahr um die transatlantische Partnerschaft, um gemeinsame Ziele und Probleme - und damit auch um den Klimaschutz. Nicht immer sprachen beide Seiten mit einer Stimme.

Sicher: Auch in den USA ist der Klimawandel längst ein Mega-Thema. Den Europäern reichen nur die Konsequenzen, die die USA daraus ziehen, bislang noch nicht. Joe Crowley, demokratisches Mitglied des Repräsentantenhauses, räumt ein, die USA stünden vor großen Herausforderungen. Und der Wille, etwas zu ändern, sei längst da. Die Republikaner sind allerdings vorsichtiger. Von den europäischen Bemühungen um Klimaschutz wollen sie nicht viel wissen, schon gar nicht vom Kyoto-Protokoll.

Unterschiedliche Sichtweisen treten auch beim Thema Sicherheit zu Tage. Bei der Zusammenarbeit in Sicherheitsfragen hapere es. Dies- und jenseits des Atlantiks würde das Thema Lieferkettensicherheit unterschiedlich behandelt, kritisieren die US-Vertreter am runden Tisch. Keine Frage, dass sie ihre eigenen Sicherheitssysteme für die besseren halten.

Doch es geht nicht nur um die Überwachung der riesigen Warenströme, die in abertausenden von Containern in den Seehäfen anlanden. Es geht vielmehr auch um die Kontrollen, denen sich jeder deutsche Geschäftsmann bei der Einreise in die USA unterziehen muss. Der Unternehmer Wolfgang Priemer etwa mag nicht vor jedem Flug in die USA zum Sicherheitscheck die Schuhe ausziehen und sich weiteren Überprüfungen unterziehen, ehe er endlich seinen Geschäftspartner in New York treffen kann. "Als Deutscher ist man geschockt", sagt er - und erntet auf der Gegenseite nur Unverständnis.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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