Transatlantische Beziehungen: Schröder telefoniert vorerst nicht mit Bush

Transatlantische Beziehungen
Schröder telefoniert vorerst nicht mit Bush

Die deutsch-amerikanischen Beziehungen frösteln weiter vor sich hin. Während Frankreichs Präsident Jacques Chirac schon zum Telefonhörer gegriffen hat, ist ein Gespräch Schröder-Bush derzeit nicht in Sicht.

dpa BERLIN. Die persönlichen Beziehungen zwischen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und US-Präsident George W. Bush bleiben angespannt. Im Gegensatz zum französischen Präsidenten Jacques Chirac will Schröder vorläufig nicht mit Bush telefonieren, um auf diesem Wege die transatlantischen Differenzen abzubauen. Der stellvertretende Regierungssprecher Hans-Hermann Langguth sagte dazu am Mittwoch in Berlin, ein Gespräch stehe derzeit nicht an. Die CDU - Vorsitzende Angela Merkel mahnte zu einem "geeinten und pragmatischen Vorgehen" beim Wiederaufbau des Iraks.

Langguth wies darauf hin, dass Schröder Bush spätestens Anfang Juni beim G-8-Treffen der führenden Wirtschaftsnationen im französischen Evian sehen werde. Die beiden waren letztmals beim NATO-Gipfel in Prag vom 21. bis 22. November kurz zusammengetroffen. Zuletzt miteinander telefoniert haben sie am 8. November, als der Kanzler dem Präsidenten zum Sieg der Republikaner bei den Kongresswahlen gratulierte.

Nach den schweren Differenzen zwischen Washington und Paris sowie auch Berlin hatte Chirac am Vortag erstmals seit dem 7. Februar wieder mit Bush telefoniert. Die Initiative dazu war von Chirac ausgegangen. Er hatte dabei die Hilfe Frankreichs beim Wiederaufbau des kriegszerstörten Iraks angeboten.

Der Koordinator für die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit, Karsten Voigt, rechnete in einem dpa-Gespräch nach dem Ende des Irak- Krieges mit einer Entspannung in den schwer belasteten Beziehungen zwischen Deutschland und den USA. Es habe in der letzten Zeit "direkte Kontakte zwischen dem Weißen Haus und dem Kanzleramt gegeben", sagte Voigt.

Im WDR 2 Morgenmagazin ergänzte er: "Ich weiß nicht, wann die beiden persönlich miteinander sprechen werden." Es sei aber im Interesse beider Staaten, dass die Staats- und Regierungschefs miteinander "korrekte Beziehungen" haben. In dieser Frage "ist ganz offensichtlich zuerst einmal eine Entscheidung in Washington zu treffen", sagte Voigt.

Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) wandte sich dagegen, die Rolle der Vereinten Nationen beim Wiederaufbau auf humanitäre Aufgaben zu beschränken. Zugleich kritisierte sie im Bonner "General-Anzeiger" (Donnerstag), dass die USA die humanitäre Hilfe im Irak koordinieren wollten. Bei der Argumentation aus der "Koalition der Willigen" im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau habe sie manchmal den "Eindruck von Kriegsgewinnlertum... Das hört sich an, als ob Kriege geführt würden, um anschließend über den Wiederaufbau die Wirtschaft zu beleben. Das ist wirklich pervers."

Merkel sagte, beim Wiederaufbau und der Installation einer Nachkriegsordnung im Irak "müssen viele Länder und Institutionen mitwirken. (...) Statt Streit und Misstrauen brauchen wir ein geeintes pragmatisches Vorgehen." Die UN müsse dabei eine wichtige Rolle spielen. Auf absehbare Zeit sei ein Engagement der USA und Großbritanniens unverzichtbar. Die Europäer und vor allem die Deutschen müssten "jetzt Brücken bauen zwischen denen, die zuvor verschiedener Meinung waren".

Der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Schäuble sagte im Südwestrundfunk: "Ich glaube schon, dass es auf längere Sicht besser ist, wenn die Amerikaner nicht in den Verdacht geraten, sie wollten alle im Irak bestimmen, was geschieht. (...) Ich habe früher schon gesagt: Den Krieg können sie vielleicht alleine gewinnen, den Frieden nicht."

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