Transatlantische Verstimmungen
General Electric plant Zukunft ohne Honeywell

In den Konflikt um den Kauf des US-Konzerns Honeywell durch General Electric hat sich jetzt auch US-Präsident Bush eingeschaltet. Damit droht der Streit zu einer politischen Krise zu eskalieren.

tor/zz/hus NEW YORK. Der Streit um die Übernahme von Honeywell International durch General Electric (GE), beide USA, hat sich auf die politische Ebene verlagert und dadurch weiter verschärft. US-Präsident George W. Bush äußerte sich "besorgt" über das drohende Veto durch die Europäische Kommission. Sein Handelsminister Don Evans forderte die Wettbewerbshüter in Brüssel auf, ihre ablehnende Haltung zu überdenken.

GE glaubt dagegen nicht mehr an die Genehmigung. "Wir sind weit entfernt von der EU-Kommission und planen unsere Zukunft ohne Honeywell", sagte der designierte Konzernchef Jeffrey Immelt in Paris. GE werde nicht mehr weiter verhandeln. Die EU hat den Konzern aufgefordert, sein Angebot nachzubessern.

Der politische Druck der USA deutet darauf hin, dass ein Veto der EU die transatlantischen Beziehungen weiter verschlechtern könnte. Durch den Streit über die Raketenabwehr, den Klimaschutz und in Handelsfragen ist das Verhältnis zwischen Europa und den USA ohnehin belastet. Ein Zerwürfnis in der Wettbewerbspolitik würde transatlantische Fusionen und Übernahmen erheblich erschweren.

Furcht vor mehr Protektionismus

"Wir fragen uns, inwieweit große, internationale Merger noch eine Zukunft haben", sagt Chefstratege David Blitzer von der Ratingsagentur Standard & Poors. "Das hier könnte die Investmentbanken empfindlich treffen, die ja an solchen großen Deals verdienen." Chefhändler Art Hogan vom Brokerhaus Jefferies & Co. geht sogar noch einen Schritt weiter: "Wir fürchten, dass es jetzt wieder mehr Protektionismus gibt und dass sich die US-Regierung revanchieren könnte."

Die Wettbewerbshüter um EU-Kommissar Mario Monti wollen bis zum 12. Juli entscheiden, ob sie die mit einem Volumen von fast 42 Mrd. $ größte Übernahme der Industriegeschichte blockieren. Es wäre das erste Mal, das eine Transaktion zwischen zwei US-Unternehmen am Veto aus Brüssel scheitert. Die Kartellbehörden in den USA haben den Deal bereits genehmigt.

Größter Zankapfel im Poker zwischen Monti und GE-Chef Jack Welch ist die Leasing-Tochter GE Capital Aviation Services (Gecas). Die EU befürchtet, dass Flugzeugbauer künftig gezwungen werden könnten, Honeywell-Produkte zu kaufen. Andernfalls, so die These, würden sie Gefahr zu laufen, die Leasing-Tochter von GE als renommierten Großkunden zu verlieren. Monti beharrt deshalb auf die Ausgliederung des Leasinggeschäfts aus dem GE-Verbund. Welch ist dagegen nur bereit, Gecas mehr Unabhängigkeit unter dem Dach von GE einzuräumen. Zudem hat GE angeboten, Teile des Luftfahrtgeschäfts von Honeywell mit einem Umsatzvolumen von 2,2 Mrd. $ zu verkaufen. Das reicht Brüssel offenbar nicht. "Die Europäer teilen unsere Meinung nicht, dass Größe allein nicht übel ist, solange der Wettbewerb nicht beeinträchtigt wird", analysiert der Rechtsprofessor Ernest Gellhorn von der George Mason Universität. "Brüssel ist sensibler gegenüber beherrschenden Marktpositionen als wir."

Honeywell hält an Übernahme fest

Honeywell

wäre nach einem Scheitern der Übernahme zunächst wieder auf sich selbst gestellt. "Wir halten an der Übernahme fest, haben für den Fall des Scheiterns aber einen Ausweichplan parat", sagte Chairman Michael Bonsignore. Analysten rechnen jedoch damit, dass der US-Konzern United Technologies (UTC) erneut sein Interesse an Honeywell bekunden wird. UTC hatte bereits für Honeywell geboten, war aber GE unterlegen. Zu dem Konzern aus Hartford gehören bereits die Flugzeugausrüster Pratt & Whitney (Triebwerke) und Sikorsky (Hubschrauber). Ein Kauf durch UTC käme allerdings eher einer Fusion unter gleichberechtigten Partnern als einer Übernahme gleich. Bei ersten Verhandlungen hatten sich beide Partner darauf verständigt, künftig unter dem bekannteren Namen Honeywell auftreten zu wollen. Die bisherigen Honeywell-Aktionäre sollten mit 54 % beteiligt werden. UTC-Chef George David war dafür als neuer Vorstandschef vorgesehen. Interesse an Teilen von Honeywell hat auch der französische Konzern Snecma angemeldet. Die größte Enttäuschung wäre ein Scheitern der Übernahme wohl für GE-Chef Jack Welch, der als Manager-Ikone gilt. Der 66-Jährige hatte mit dem Kauf von Honeywell sein Lebenswerk krönen wollen und dafür extra seinen Abschied verschoben. Aber wie sagte Welch nach dem Abbruch der Verhandlungen mit der EU-Kommission in Brüssel: "Man ist niemals zu alt, um noch überrascht zu werden."

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