Transatlantischer Wirtschaftskrimi ohne Beispiel
Peguform kämpft gegen US-Mutter

Mit dem Insolvenzverfahren von Peguform hat ein monatelanger Streit zwischen dem südbadischen Automobilzulieferer und seinen US-Eignern einen vorläufigen Höhepunkt erreicht.

HB/dpa BÖTZINGEN. Der US Venture Industries-Mutterkonzern in Detroit hatte sich bis zuletzt gegen die Insolvenz seiner deutschen Tochter gewehrt, auch mit juristischen Mitteln. Doch das Management und die Arbeitnehmer bei Peguform haben sich durchgesetzt und atmen nun auf.

"Es ist endlich gelungen, Peguform von dem Eigner Venture Industrie zu befreien", sagt Robert Orzschig, Bezirksleiter der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE). Die Geschäftsführung von Peguform in Bötzingen hatte Ende Mai gegen den ausdrücklichen Willen der Konzerneigner Antrag auf vorläufige Insolvenz gestellt. Das Verhältnis zwischen den Firmeninhabern in Amerika und dem deutschen Unternehmen war bereits zuvor zerstört. Nach Ansicht des Peguform-Betriebsrates hat Venture Industries spätestens seit dem Frühjahr komplett auf Kosten von Peguform gelebt.

"Venture hat Peguform systematisch ausbluten lassen", sagt Orzschig. Liquide Mittel in zweistelliger Millionen-Euro-Höhe seien von Bötzingen in die USA abgezogen worden, um dort Löcher zu stopfen. Sämtliche Kompetenzen seien in die Staaten gegangen. "Peguform war zuletzt nur noch der Hampelmann von Venture", sagt Orzschig. Deshalb habe sich das profitabel arbeitende deutsche Unternehmen zur Meuterei entschlossen.

Weil das Ende des 1956 gegründeten Automobilzulieferers gedroht habe, seien die Bötzinger eigenständig zum Insolvenzrichter gegangen. "Ziel war es, Peguform aus den Händen von Venture zu befreien", sagt Orzschig. Hätte Venture-Chef Larry Winget das Insolvenzverfahren abwenden können, hätte er wieder frei über das Unternehmen verfügen können.

Nach Ansicht von Experten handelt es sich bei der Peguform - Insolvenz um einen transatlantischen Wirtschaftskrimi, der bislang ohne Beispiel ist. Insolvenzverwalter Jobst Wellensiek spricht von einem «höchst sensiblen Fall». Weil sich Venture Industries von seinem Tochterunternehmen über den Tisch gezogen gefühlt habe, sei sogar die amerikanische Regierung eingeschaltet worden. Nun gehe es darum, Peguform wieder auf die Beine zu bringen. Hilfe dazu kam bereits von den Kunden des Zulieferers. Damit die Bänder in Bötzingen und den sechs anderen deutschen Produktionsstandorten nicht still stehen, haben führende deutsche Automobilhersteller dem Unternehmen mit einem Massekredit ausgeholfen.

Bundesweit beschäftigt die Peguform GmbH & Co KG 5 500 Mitarbeiter, weltweit sind es 12 000 Beschäftigte. Venture Industries hatte Peguform im März 1999 für rund 417 Millionen Euro vom Klöckner-Konzern übernommen.

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