Transcation-Banking ist keine Geldmaschine: Kooperation beim Geldtransfer bis Sommer

Transcation-Banking ist keine Geldmaschine
Kooperation beim Geldtransfer bis Sommer

Seit fast einem Jahr verhandeln die Frankfurter Großbanken in unterschiedlichen Gruppen über eine Kooperation im Zahlungsverkehr und bei der Wertpapierabwicklung. Bis zum Sommer wollen sie eine gemeinsame Lösung gefunden haben

Reuters FRANKFURT. "Wir wollen im Sommer zu einer Entscheidung kommen. Die Gespräche laufen gut", sagt der zuständige DZ-Bank-Vorstand Hans-Dietrich Voigtländer der Nachrichtenagentur Reuters.

Deutsche Bank und Dresdner Bank haben eine Zusammenlegung ihres gesamten Transaction-Banking keinesfalls aus den Augen verloren, arbeiten aber zunächst nur an der technisch einfacheren Kooperation im Zahlungsverkehr. "Dabei sollten wir in drei bis sechs Monaten eine Lösung finden", umreißt ein Verhandlungsteilnehmer den ähnlichen Zeitplan.

Einsparungen nur noch über Kooperationen

Ertragsschwäche und steigende Personalkosten zwingen die Banken zu der Suche nach günstigeren Lösungen für das so genannte Back-Office. Im Alleingang können die Institute Kostenstruktur und Personalbestand in diesem Bereich kaum noch verbessern, denn sie brauchen die Größenvorteile. "Bei gegebener Technik und den heutigen Strukturen hat jede der einzelnen Banken nicht mehr allzu viel Spielraum für Effizienssteigerungen", fasst Klaus-Peter Frohmüller, Konzernleiter Transaction-Banking bei der Commerzbank, die Situation zusammen. Sein Haus werde sich in kein Abenteuer stürzen, sei aber grundsätzlich für alle Lösungen offen, betont er.

Da der Bankkunde die technische Abwicklung seiner Überweisungen oder Wertpapiertransaktionen nicht wahrnimmt, sollten Kooperationen der Großbanken im Back-Office geschäftspolitisch unproblematisch sein. "Für den Kunden ist die Abwicklung kein Wettbewerbsfaktor. Deshalb darf er auch geringere Kosten erwarten", erläutert DZ-Bank-Vorstand Voigtländer.

DZ Bank will Position im Zahlungsverkehr stärken

Das genossenschaftliche Spitzeninstitut DZ Bank sieht sich im Zahlungsverkehr mit einem Anteil von 17 % in Deutschland als Marktführer und setzt weiter auf Expansion. "Für den Zahlungsverkehr erwägen wir die Ausgründung in eine eigenständige Transaction-Bank, damit wir diese Dienstleistungen mehreren Partnern anbieten können", sagt Voigtländer. In den nächsten 15 bis 18 Monaten werde sich der Markt dafür in Europa vereinheitlichen. "Unser Modell ist genau durchgerechnet, bei etwa 30 % mehr Abwicklungsvolumen lohnt sich die Ausgründung in eine eigene Bank für den Zahlungsverkehr."

Auf der Wertpapierschiene haben die Genossen mit der BWS Bank bereits ein eigenes Institut im Verbund mit externen Kunden wie etwa die Citibank Privatkunden AG oder Goldman Sachs. Das BWS-System ist bereits mandantenfähig, d.h. Daten externer Kunden bleiben geschützt und können nicht von Dritten eingesehen werden. Gerade die Befürchtung, sensible Kundendaten der Konkurrenz auszuliefern, hat bislang eine Einigung bei den Großbanken verhindert.

Deutsche und Dresdner behalten große Lösung im Auge

Früher und konsequenter als die Wettbewerber war die Deutsche Bank Ende 1999 mit der rechtlich selbstständigen European Transaction Bank (ETB) an den Start gegangen. Doch außer der Privatbank Sal Oppenheim und den Sparda Banken hat die ETB bis heute keine großen externen Kunden, was vor allem mit der Scheu anderer Institute zusammenhängt, sich in dem sensiblen Bereich Wertpapierabwicklung von einem Partner abhängig zu machen.

Das Abwicklungssystem Geos von der Dresdner Bank hat in der Entwicklung einige hundert Mill. Euro gekostet - und bis heute den Praxistest noch nicht vollständig bestanden. Der neue IT-Vorstand Klaus-Michael Geiger, seit Dezember vergangenen Jahres im Amt, will zunächst Geos weiter entwickeln. Das spreche allerdings nicht gegen eine gemeinsame Lösung mit der Deutschen Bank auf mittlere Sicht, betonen beide Banken.

Die Institute wollen Ruhe in die Verhandlungen bringen und halten sich deshalb mit Äußerungen zurück: "Auch die Deutsche Bank hat sich nicht per se gegen Geos entschieden, die Ideallösung wäre, wir bringen langfristig ETB und Geos zusammen", lautet die Devise.

Transcation-Banking ist keine Geldmaschine

Das angepeilte Einsparungsvolumen will keiner der Manager nennen - vor allem, weil die Höhe der so genannten Größenvorteile oder Skaleneffekte je nach Lösung sehr unterschiedlich seien, sagen sie unisono. "Das Transaction-Banking ist keine Geldmachmaschine, aber wir sprechen auch nicht seit Monaten miteinander und erwägen beachtliche Zukunftsinvestitionen, um am Ende dann nur ein paar Mill. zu sparen", fasst einer der IT-Experten zusammen.

Fest steht: Der Personalkostenblock ist im Back-Office nach wie vor beachtlich. Bei der ETB, die in Deutschland gut 2 200 Mitarbeiter hat, beträgt er rund zwei Drittel. Die Commerzbank beschäftigt etwa 2 680 ihrer 17 000 Mitarbeiter in der Abwicklung und sieht Frohmüller zufolge kaum noch Potenzial für Personaleinsparungen in diesem Bereich. Er erwartet daher niedrigere Ausgaben für die Abwicklungssysteme. Bei der aus DG und GZ Bank hervorgegangenen DZ Bank entfallen gut 3200 der 5000 Stellen in Deutschland auf die Bereiche Transaction und Services sowie Unternehmenssteuerung.

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