Transparenz ist bei Fonds eine hohe Tugend: Der Blick auf die Details

Transparenz ist bei Fonds eine hohe Tugend
Der Blick auf die Details

Nach der Rennliste allein sollte niemand einen Fonds auswählen. Wichtig ist das Anlagekonzept.

Transparenz ist bei Geldanlageprodukten eine hohe Tugend. Die Vermögensverwaltung Starcapital hat Ernst damit gemacht und einen "gläsernen Fonds" aufgelegt. Unter www.starcapital.de kann der Anleger täglich sehen, in welche Aktien der Fonds investiert. Da der DG Lux Multi Manager Starpoint (s. Tabelle) im Jahr 2001 Platz zwei unter den internationalen Aktienfonds belegt hat, ist das durchaus interessant. Der Blick durchs Glas offenbart eine ungewöhnliche Mischung: Rund ein Drittel des Geldes steckt in Indexzertifikaten - Papieren, die den Verlauf eines Aktienindexes nachbilden. Und bei den Einzelaktien findet sich ein deutliches Übergewicht deutscher Titel.

Das Thema Transparenz hat aber noch ganz andere Facetten. Profis wie die zum Beispiel die Analysten bei Fonds Consult in München achten vor allem darauf, dass die Strategie eines Fonds eindeutig ist. Denn nur mit solchen Fonds kann man ein Depot mit einer ausgewogenen Struktur (s. unten) zusammenstellen. Wenn hingegen ein "internationaler" Aktienfonds seine Papiere doch hauptsächlich auf ein oder zwei Länder konzentriert, dann kauft der Anleger letztlich eine spezialisierte und damit auch risikoreichere Anlage.

Dies führt zu einem weiteren Transparenz-Problem: Wie viel sagen eigentlich Rennlisten aus (s. Tabellen)? Wer solche Aufstellungen von verschiedenen Datenanbietern vergleicht - manche sind auch im Internet zu finden - wird feststellen, dass kaum eine der anderen gleicht. Der Grund dafür sind meist nicht Daten- oder Rechenfehler - die gibt es auch. Wichtiger ist aber die Frage der Abgrenzung: Mancher "internationale" Aktienfonds ist eben nicht sehr international und deswegen in einer Rennliste enthalten, in einer anderen nicht.

Dem Ideal eines möglichst breit über die Regionen und die Branchen streuenden Fonds kommt der Templeton Growth Fund recht nahe (s. auch Grafik). Es gibt ihn in der Originalversion in US-Dollar, seit dem Jahr 2000 auch als Euro-Variante (beide in der Tabelle). Die beiden Varianten stimmen nach Aussage von Templeton zu 98 Prozent bei den ausgewählten Aktien überein, allerdings nicht immer mit genau der selben Gewichtung. Der Grund dafür: Der Dollarfonds ist groß und alt, der Eurofonds jung und klein, daher ist es unmöglich, die Strategie zu 100 Prozent abzustimmen.

Ein Fonds mit zwei Währungsvarianten ist auch der WM Aktien Global UI. Hier ist der Unterschied weit größer: Alle Aktien in Fremdwährungen sind gegen Änderungen der Devisenkurse "gehedged", also am Terminmarkt abgesichert. Wer die Euro-Variante kauft (s. Tabelle Seite 1), hat kein Währungsrisiko - aber auch keinen Gewinn bei steigendem Dollar.

Viele Fonds unter den Spitzenreitern der internationalen Aktienfonds haben spezialisierte Konzepte, sind also nur für Anleger geeignet, die wirklich diese Strategie wollen. Denn spezielle Konzepte haben auch spezielle Risiken. Einige Beispiele: Die Spitzenreiter der europäischen wie der internationalen Tabelle, beide mit dem Namen "Franklin Mutual", verfolgen nach Aussage von Markus Rosenberg von der Fondsgesellschaft Franklin Templeton eine sehr extreme Strategie: Sie kaufen Aktien von Unternehmen, die stark unterbewertet sind, zum Teil auch, weil sie geschäftliche Probleme haben, die nach Meinung des Fondsteams aber gelöst werden können. Wichtig auch: Die "internationale Variante" investiert zu mindestens 70 Prozent in den USA, hat also regional eindeutig Schlagseite.

Ein ganz anderer Fall ist der Morgan Stanley Global Brands Fund. Wie der Name sagt, investiert er in Unternehmen mit starken Marken. Kein Wunder, dass sein Schwerpunkt in der Konsumgüterindustrie liegt - er ist letztlich eine Art erweiterter Branchenfonds. Sehr ungewöhnlich sind auch der Astra- und der FMM-Fonds. Beide haben einen ihrer Schwerpunkte auf Goldminen gelegt. Im Jahr 2001 war das eine wunderbare Anlage, aber letztlich sind solche Aktien hoch spekulativ. Daneben investieren allerdings beide in konservative Werte - der Astra vor allem in deutsche Aktien, der FMM in schweizerische Titel. Eine recht breite Streuung, verbunden mit einem größeren Anteil an Optionsgeschäften, bietet der Albrech & Cie Optiselect Fonds. Er mischt kleinere deutsche Werte hinzu und setzt große Summen auf ungewöhnliche Titel wie zum Beispiel den US-Spielzeughersteller Jakks Pazifik.

Große Unterschiede und häufig mangelnde Transparenz gibt es auch beim Investmentstil der Fonds (s. dazu auch Seite 1). Nur eines ist klar: Alle Templeton-Fonds verfolgen den konservativen Value-Ansatz (einige Franklin-Fonds, die zur selben Fondsgesellschaft gehören, aber nicht). Viele andere Fondsmanager gehen recht pragmatisch vor, ohne sich um "Stilfragen" zu sehr zu kümmern. Klaus Kaldemorgen setzt beim DWS Vermögensbildungsonds I, wie Oliver Fischer von Fonds Consult beobachtet hat, eher auf Wachstumstitel, fährt aber in schwierigen Börsenzeiten die Bargeldquote hoch, um das Risiko abzufedern - ein Mischansatz also. Der WM Aktien Global UI wiederum sucht nach einem komplizierten Kennzahlensystem Aktien mit einem guten Chancen-RisikoProfil heraus. Weitgehend über Kennzahlen wird auch der kleine Europa Aktienfonds Ulm SB gesteuert.

Fazit: Anleger sollten sich genau informieren. Einen schnellen Einblick erhält man zum Beispiel über www.fondsweb.de, daneben empfiehlt es sich, die Websites der Fondsanbieter zu besuchen. Wichtig ist zudem, den einzelnen Fonds in die gesamte Vermögensstrategie einzubinden.

25.1.2001

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