„Transparenz ist unverzichtbar“: EU-Kommission will Quartalsberichte vorschreiben

„Transparenz ist unverzichtbar“
EU-Kommission will Quartalsberichte vorschreiben

Die EU-Kommission hat die zum Teil umstrittenen Vorschläge für mehr Transparenz in den Geschäftsberichten von Aktiengesellschaften beschlossen und will dabei auch Quartalsbilanzen vorschreiben.

Reuters BRÜSSEL. Die Kommission habe den Plänen von Binnenmarktkommissar Frits Bolkestein zugestimmt, teilte sie am Mittwoch in Brüssel mit. Bolkestein verspricht sich von den Regeln eine Stärkung des Anlegervertrauens. Umstritten ist die verbindliche Einführung von Quartalsberichten für Aktiengesellschaften. Diese sind zwar in Deutschland ebenso üblich wie in den USA, nicht jedoch am größten EU-Finanzplatz London. Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) wehrt sich gegen die verbindliche Einführung dieser Berichte und will dies den Börsen überlassen.

"Transparenz ist unverzichtbar für das Funktionieren von Finanzmärkten. Sie stärkt deren Effizienz und die Liquidität", hieß es in einem vorab bekannt gewordenen Entwurf. Der Richtlinienvorschlag, dem EU-Staaten und EU-Parlament noch zustimmen müssen, sieht unter anderem strengere Anforderungen an die Halbjahresberichte vor, die künftig wie die Jahresbilanzen dem Bilanzierungsstandard International Accounting Standards (IAS) entsprechen sollen.

Quartalsberichte sollen verbindlich vorgeschrieben werden. Allerdings sollen die Anforderungen an diese Zwischenberichte für das erste und das dritte Quartal weniger streng sein. Bei ihnen werden lediglich die wichtigsten Kennzahlen gefordert, wie der Netto-Umsatz, der Gewinn oder Verlust vor Steuern und eine Aussage zur erwarteten künftigen Entwicklung.

Widerstand gegen die verbindliche Einführung von Quartalsberichten hatte bereits die größte europäische Börse, die London Stock Exchange (LSE), angemeldet. Sie argumentiert, ihre Forderung nach Halbjahresberichten und die Ad-Hoc-Veröffentlichung sensibler Informationen hätten sich als ausreichend für den Schutz der Anleger erwiesen.

Bolkestein: Hoffe auf Verabschiedung bis 2005

Bolkestein sagte, er hoffe darauf, dass die Vorschläge bis 2005 umgesetzt werden. Er erwarte keinen größeren Widerstand. Von Bedenken der Bundesregierung sei ihm nichts bekannt. Das Bundesfinanzministerium begrüßte den Entwurf. Damit werde die Transparenz auf den Kapitalmärkten erhöht und das Vertrauen der Anleger in diese Märkte gefestigt. Bei der Beurteilung der geplanten Quartalsinformationen von Firmen werde sowohl das Interesse der Anleger an möglichst aktuellen Informationen, wie auch das der Aktiengesellschaften an einem möglichst geringen Aufwand zur Erstellung der Quartalsberichte zu berücksichtigen sein. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte sich in der Vergangenheit mehrfach kritisch geäußert.

Der BDI will die Einführung der Quartalsberichte weiter den einzelnen Börsen überlassen. "Wir sind nicht gegen Quartalsberichte. Wir wollen sie aber nicht gesetzlich vorgeschrieben sehen", sagte der BDI-Europarechts-Experte Peter Wiesner. Den einzelnen Unternehmen sollte es ermöglicht werden, zu Gunsten einer langfristigeren Strategie auf Quartalsberichte zu verzichten, wenn ihre Aktien trotzdem gekauft würden.

Die Deutsche Börse hatte Porsche die Aufnahme in ihr oberes "Prime Standard"-Segment verweigert, weil der Sportwagenhersteller keine Quartalsberichte abgeben wollte. Quartalsberichte sind Voraussetzung für die Aufnahme in den "Prime Standard". Nach der Entscheidung der Börse wurde Porsche in den General Standard eingruppiert, für den sich zuvor nur kleinere Nebenwerte entschieden hatten. Die Mitgliedschaft im Prime Standard ist Voraussetzung dafür, in einen der Indizes Dax, MDax oder TecDax aufgenommen zu werden.

Der Vorschlag für die Transparenzrichtlinie ist ein Teil der Bemühungen der EU-Kommission für mehr Anlegerschutz, um Unternehmenszusammenbrüche wie des US-Energiehändlers Enron vor mehr als einem Jahr zu verhindern.

Der deutsche Sparkassen- und Giroverband kritisierte, dass auch nicht börsennotierte Kreditinstitute Berichte veröffentlichen sollen, wenn ihre Anleihen an der Börse gehandelt werden. "Dies würde zu einer verwirrenden und kostenträchtigen Informationsflut führen, die den Anlegerschutz substanziell nicht verbessert", erklärte der Verband in Berlin.

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