Transparenz macht Zeitschriften im benachbarten Ausland billiger
Preisfindung ist für die Verlagsbranche ein kreatives Abenteuer

Rund 4 000 Zeitschriften und 2 000 Zeitungen in Deutschland müssen auf den Euro umgestellt werden. In der Übergangszeit wird mit Problemen gerechnet.

DÜSSELDORF. Der Axel Springer Verlag hat als erster Großverlag in Deutschland auf Konsequenzen der Euro-Umstellung hingewiesen. Im Ausblick für das laufende Geschäftsjahr warnte das Unternehmen, vor der Einführung des Euro würden die Verkaufspreise zahlreicher Titel erhöht werden, was zu Absatzeinbußen führen werde. "Wenn alle das machen, wird gar nichts passieren", gibt dagegen Lutz Zimmermann, Vertriebschef bei der Verlagsgruppe Milchstraße, zu bedenken.

Abschließend geklärt sind die Preise bei dem Verlag aber noch nicht. Zimmermann sagt: "Wenn wir am 1.1. die Preise in Euro ausdrucken, gibt es nur hopp oder top." Auch Andreas Fritzenkötter, Sprecher beim Bauer Verlag, will sich nicht festlegen lassen: "Der Bauer Verlag hat eine Arbeitsgruppe zum Thema Euro-Umstellung eingesetzt. Sicher wird es bei einigen Objekten mit der Euro-Einführung Preiserhöhungen geben." Zum Zeitpunkt und zur Frage, welche Objekte betroffen seien, könne er nichts sagen. Festgelegt hat sich bereits die Verlagsgruppe Handelsblatt. Bei den Magazinen werde es im Zuge der Euro-Einführung keine Preiserhöhungen geben, heißt es; die Verkaufspreise sollen nach der Umrechung abgerundet werden. Kein klares Bild herrscht hingegen bei Burda: "Wir gehen davon aus, dass es sowohl zu Erhöhungen als auch zu Reduzierungen kommen wird", sagt ein Sprecher.

Der Preis als Politikum

Wenige Monate vor dem Umstellungstermin wollen sich viele Unternehmen noch nicht in die Karten schauen lassen. Preise sind Chefsache. Vor allem bei Titeln mit Hebelwirkung wie beispielsweise der "Bild"-Zeitung, bei der die Verkaufserlöse einen maßgeblichen Teil der Einnahmen ausmachen und in hart umkämpften Segmenten wie dem der Programmzeitschriften wird die Preisfestsetzung zum Politikum.

"Die Preisgestaltung ist das größte Problem", sagt Margherita Riedl-Klaffke, die sich beim Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) um die Euroumstellung kümmert. "Wer zu früh informiert, riskiert, strategische Entscheidungen der Konkurrenz zugänglich zu machen, wer zu spät dran ist, verprellt den Handel." Viel Zeit bleibt den Verlagen nicht mehr. "Jetzt muss gehandelt werden, denn bis zum Ende des dritten Quartals müssen die Preise doppelt ausgezeichnet sein", sagt Kai-C. Albrecht , Geschäftsführer beim Bundesverband Deutscher Buch-, Zeitungs- und Zeitschriften e.V. -Grossisten

Die Doppelrechnung gilt indes nur für den Preis-Aufdruck. Der alte Barcode in D-Mark darf erst im nächsten Jahr ersetzt werden. An den Verkaufsstellen, die mit einer Scannerkasse ausgerüstet sind, soll die Umstellung keine Probleme bereiten. Die schlauen Kassen rechnen um. 70 Prozent der Umsätze entfallen auf derartige Verkaufsstellen. Absolut gesehen sieht die Lage aber anders aus. Von insgesamt 118 000 Verkaufsstellen verfügen nur 28 000 über Scannerkassen.

Der kleine Unterschied zum Jahreswechsel

Als problematisch gilt vor allem die Übergangsfrist, in der die Kunden mit beiden Währungen bezahlen können. Den Händlern könnte das Hantieren mit krummen Beträgen bei jahresüberschreitenden Zeitschriften zu umständlich sein. Damit die Januarhefte nicht Ende Dezember in der Frühremission landen, haben die Verbände die Händler und Vertriebsmitarbeiter seit Monaten geschult und auf die Herausforderung hingewiesen. Allein im vergangen Jahr hat der VDZ 10 Seminare abgehalten. "Unser Ziel war es, nicht wie die letzte Deppenbranche aufzutreten", sagt Verbandsexpertin Riedl-Klaffke.

Bei so genannten Langläufern, Titeln wie Romane oder Comics, die über sehr lange Zeiträume im Handel sind, liegt der Mehraufwand bei den Verlagen. Die müssen die Artikel zwischenzeitlich wieder zurückziehen und mit einem neuen Preisaufdruck versehen. Monats- und Wochenzeitschriften können zumindest beim Erstverkaufstag tricksen. "Da wird es aber auch sicherlich zu Verschiebungen kommen", sagt Albrecht.

Preisdruck im Ferienvertrieb

Bei den Auslandspreisen rechnet Riedl-Klaffke mit eher sinkenden Preisen. Die Transparenz der Euro-Preise werde dazu genauso beitragen wie das Gebot, Aufschläge nur zu erheben, wenn sie aufgrund hoher Transportkosten und anderer Steuersätze gerechtfertigt seien. Im benachbarten Ausland wie etwa Österreich werde schon sehr bald Schluss sein mit Fantasiepreisen, glaubt Riedl-Klaffke. Das gelte allerdings nicht für das Nicht-EU-Land Schweiz. "Schweizer zahlen alles."

Service: Informationen zur Euro-Umstellung im Pressevertrieb

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