Transportflugzeug soll im nächsten Jahr erstmals starten
Entwickler realisieren neuen Flugzeugtyp

Ein kleines Unternehmen aus dem Saarland begibt sich in Wettbewerb mit großen Flugzeugbauern. Die Firma hat ein Konzept für einen neuen Flugzeugtypen entwickelt, der wie ein Hubschrauber senkrecht startet und landet, gleichzeitig aber große Distanzen zurücklegen kann, wie ein normales Transportflugzeug.

DÜSSELDORF. Senkrecht landen und doch so schnell fliegen wie ein normales Flugzeug: Weltweit entwickeln mehrere Hersteller an einem Flugzeug, das gleichzeitig die Eigenschaften eines Helikopters (minimale Start- und Landefläche) und Flächenflugzeugs (Fliegen mit hoher Geschwindigkeit) besitzt. Der Flugzeugzulieferer Imar aus St. Ingbert im Saarland will ein solches Flugzeug im nächsten Jahr erstmals in die Lüfte schicken.

Die Halle, in der das 14 Meter lange Flugobjekt in den nächsten Monaten montiert wird, ist nun fertig gestellt und wird in der nächsten Woche eingeweiht. Dann werden die Entwickler ihren "Vogel", der aus den konventionellen Flugzeug- und Maschinenbauteilen besteht, zusammenbauen. Das Fluggerät wird ein Leergewicht von rund 2,5 Tonnen haben. An Nutzlast und Kraftstoff können jeweils 500 kg zugeladen werden.

Der Clou der patentierten Imar-Entwicklung: Es gibt zwei getrennte Antriebseinheiten - einen Rotorantrieb für den Helikopter-Betrieb und einen Heckantrieb für den Flächenflug. Bei normalem Flug wird der Rotor mit Hilfe eines speziellen Liftes vollständig im Fluggerät versenkt, was den Wirkungsgrad im Flächenflug erhöht. Ein solches Fluggerät scheint auf den ersten Blick zwar instabil. Die spezielle Geometrie mit dem unter dem vorderen Rumpf angebrachten Vorflügel garantiere aber selbst beim Übergang zwischen dem Helikopter- und Flächenflugbetrieb ein stabiles und kontrollierbares Flugverhalten, sagt Imar-Geschäftsführer Edgar von Hinüber. Mit dem speziellen Rotor-Lift, der den Rotor innerhalb weniger Sekunden aus- und einfährt, sei es zudem gelungen, die Übergangsphase äußerst kurz zu halten.

Gegenüber den Lösungen anderer Flugzeugbauer wie Agusta/Bell und Boeing biete der einklappbare Rotor die größten Vorteile, sagt der Imar-Geschäftsführer. Die Konkurrenten arbeiten mit Kipprotoren, Schwenkflügeln oder schwenkbaren Strahltriebwerken, die erheblich mehr Schub aufbringen müssen, damit die Fluggeräte im Schwenkvorgang nicht erheblich an Höhe verlieren. Außerdem können die bisher bekannten Systeme nicht starten und landen wie normale Flugzeuge. Der Horizontalstart hat aber den Vorteil, dass größere Lasten zugeladen werden können.

Der Imar-Prototyp, der im nächsten Jahr erstmals starten soll, wird zwar Piloten an Bord haben, grundsätzlich soll der Flieger aber rechnergesteuert geflogen werden. Daher eignet sich die Entwicklung auch als unbemanntes Fluggerät. Mario Hamers, Luftfahrtingenieur beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Braunschweig bewertet das System so: "Allein der Einsatz als unbemanntes Löschflugzeug ist faszinierend, weil man ein derartiges Fluggerät im Gegensatz zu einem Flächenflieger überall vertikal starten und landen lassen und trotzdem auch sehr weite Distanzen schnell zurücklegen kann." Das Flugzeug sei vor allem für Flächenländer wie Australien interessant, wo Waldbrände in weit entlegenen Gebieten bekämpft werden müssen. Ein weiterer Vorteil: Beim Löschen kann das Flugzeug wie ein Helikopter langsam fliegen und in der Luft stehen bleiben.

Das Flugzeug könnte auf Grund seiner großen Wendigkeit (Flugdynamik) auch als Drohne zur Aufklärung oder als unbemanntes Transportflugzeug gebaut werden. Daher sei auch die Marine interessiert, sagt von Hinüber. Bislang gibt es kein Flugzeug, das auf einem normalen Schiff starten und landen kann und gleichzeitig bei Aufklärungsflügen große Distanzen zurücklegen kann.

"Selbst bei der Größe sind wir variabel", sagt von Hinüber. Das Flugzeug soll in Längen zwischen 2 und 14 Metern angeboten werden. Versionen für höhere Reisegeschwindigkeiten sind darüber hinaus durch den Einsatz einer Strahlturbine an Stelle der beiden gegenläufigen Heckpropeller realisierbar. Es gibt bereits Interessenten für das Flugzeug in Asien und Übersee, die auch Möglichkeiten hätten, das Fluggerät zu testen, was über deutschem Territorium wegen der strengen Vorschriften nur schwer zu realisieren ist.

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