Transportwirtschaft will die Maut-Kosten komplett an die Auftraggeber weitergeben
Verbraucher zahlen die Zeche

Die Spediteure reichen die Mehraufwendungen an den Einzelhandel weiter, dieser an die Kunden. Das gilt als ausgemacht - gegen Mahnungen aus der Politik.

HB DÜSSELDORF. Es gibt Unternehmen, die nutzen die Maut sogar für die Werbung: Keine Bierpreiserhöhung - Warsteiner trotzt der LKW-Maut. Mit dieser Botschaft bereichert die sauerländische Brauerei die Debatte über die Weitergabe der Kosten durch die Straßenbenutzungsgebühr um eine feucht-fröhliche Variante. Was sich aber Markenartikler wegen ihrer vergleichsweise großzügigen Preiskalkulation erlauben können - zumal solche, die wie Warsteiner rechtzeitig einen Teil ihrer Ferntransporte auf die Schiene verlagert haben -, gilt indes nicht für alle Unternehmen.

Im Gegenteil: Preiserhöhungen sind bereits beschlossene Sache. Zwar warnte Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe davor, die Maut als Vorwand für Preissteigerungen zu missbrauchen. Doch den Einzelhandel kümmert das wenig: Angesichts ohnehin geringer Umsatzrenditen müssten die Unternehmen versuchen, die durch die Maut bedingten höheren Kosten an ihre Kunden weiterzureichen, sagte Holger Wenzel, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE). Eine zusätzliche Belastung wie die Maut könne kaum kompensiert werden.

Wie hoch die Preisanpassungen im Einzelfall ausfallen und ob sie sich überhaupt durchsetzen lassen, entscheide ganz allein der Markt, so Wenzel. Durchschnittlich rechnet der Handel mit einem Anstieg der Endverbraucherpreise um ein bis zwei Prozent. Bei den Transportpreisen wird mit einem Plus von sieben bis acht Prozent kalkuliert.

Denn die Spediteure haben sich bereits geoutet: "Wir haben unseren Mitgliedern empfohlen, die Maut- Kosten vollständig an ihre Auftraggeber weiterzureichen", sagte Manfred Boes, Präsident des Deutschen Speditions- und Logistikverbandes (DSLV). Letztendlich müsse der Verbraucher die Zeche zahlen. Boes weiß aber auch, dass den Großen wie DHL, Schenker oder Kühne & Nagel die Überwälzung leichter fällt als den vielen kleinen Spediteuren. "Für den Transporteur, der die Maut nicht weitergeben kann, sehe ich schwarz", sagte er. Einigkeit macht stark, dachten dann wohl die mittelständischen Möbelspediteure. "Ab 2005 werden neue Möbel und Umzugsleistungen spürbar teurer", kündigte Reinhard Müller, Geschäftsführer des Bundesverbands Möbelspedition (AMÖ), vorsorglich an.

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