"Trap" macht Witze über Hymnen-Streit
"Singt!" - Italien fast ohne Sorgen

Kroatiens Trainer Josic kämpf nach der Auftakt-Niederlage gegen Mexiko nicht nur gegen das vorzeitige WM-Aus, sondern auch gegen Kritik in der Heimat wegen der Altherren-Riege Prosinecki, Boksic und Suker. Ohne Sorgen dagegen Kollege Giovanni Trapattoni. Der befasst sich unterdessen mit einem Klassiker unter den WM-Querelen: der Frage, ob Nationalspieler die Hymne mitzusingen haben oder nicht.

dpa IBARAKI. Die Kroaten zittern und ringen um die Aufstellung ihrer Altstars, die Italiener beschäftigen sich als Tabellenführer mit Nebensächlichkeiten. Größer könnten die Unterschiede vor dem Aufeinandertreffen in der Gruppe G am Samstag in Ibaraki (11 Uhr/MESZ) kaum sein. Kroatiens Trainer Mirko Jozic legt sich mit seinen müden Helden von 1998 an und will sie auf die Bank setzen, um das vorzeitige WM-Aus zu verhindern. Sein italienischer Kollege Giovanni Trapattoni hat hingegen keine Probleme mit seinen Spielern, sondern nur mit einem lächerlich anmutenden Streit um das Singen der Nationalhymne. "Trap" begegnet dem mit Späßen.

Jozic hat für Witze keine Muße. Der Trainer wird in der Heimat bereits attackiert und muss sich in Japan gegen die Altherren- Fraktion durchsetzen. "Prosinecki, Boksic, Suker - sie alle waren nicht frisch", klagte Jozic. Deshalb kündigte er vor zwei Tagen an: "Wir müssen die Aufstellung ändern." Nachdem er tags darauf einen Rückzieher gemacht hatte, scheint er nun den Machtkampf gewonnen zu haben.

Die einflussreichen Robert Prosinecki und Davor Suker, der '98er Torschützenkönig von 1860 München, sollen auf der Bank sitzen. So richtig wohl scheint Jozic bei seiner Entscheidung jedoch nicht zu sein. "Ich habe nicht gesagt, dass sie in dem Spiel gar keine Rolle spielen", sagte der Coach, "das kommt auf die Situation an."

Während die kroatischen Fans am Samstag zunächst auf die Aufstellung schauen, werden die "Tifosi" die Lippen ihrer Lieblinge beobachten: Singen sie oder singen sie nicht? Kaum ein Thema hat in Italien zuletzt für derart hitzige Diskussionen gesorgt wie die Frage, ob die Spieler der "Squadra Azzurra" die Hymne singen müssen. Dass kaum ein italienischer Spieler vor dem 2:0 gegen Ecuador mitsang, betrachteten viele Italiener als Verrat an der Heimat. Die Zeitungen des Landes fordern seit Wochen: "Singt!" Und auch Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi hatte sich eingemischt.

"Wer singen will, singt, wer nicht singen will, schweigt", kommentierte der verärgerte Stürmerstar Christian Vieri. "Wenn wir ins Finale kommen, werden wir singen", versprach Gennaro Gattuso. "Innerlich haben wir alle mitgesungen", beteuerte hingegen Alessandro Nesta, woraufhin die Nachrichtenagentur ANSA fragte: "Haben wir es gar mit Bauchrednerei zu tun?" Trapattoni reagierte unterdessen mit einem Witz und kündigte ein spezielles Training mit Sing-Übungen an. Einige aufgeregte italienische Journalisten warteten beim Abschlusstraining allerdings vergeblich auf die Gesangsstunde.

Die Italiener können es sich leisten, sich mit solchen Nebensächlichkeiten zu beschäftigen. Nach dem Sieg gegen Ecuador ist die Stimmung im Lager prächtig. Zudem rückt am Samstag mit Filippo Inzaghi der einzige Verletzte nach überstandener Knie-Blessur ins Team der "Azzurri".

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