Trapattoni vor der Ablösung als Italiens Nationaltrainer – England verhöhnt Seaman und Smith
Auch die Titanic startete in Southampton

"Basta - Schluss jetzt", fordert der "Corriere dello Sport" als Speerspitze der Trapattoni-Kritiker. Der erfolgreichste Vereinstrainer ist als Nationalcoach gescheitert.

HANDELSBLATT, 18.10.2002 dpa ROM/LONDON. Erst die WM-Blamage im Achtelfinale gegen Südkorea und nun das "Desaster von Cardiff", das Italiens EM-Teilnahme in Gefahr bringt. "Wir sind nicht mehr konkurrenzfähig", sagt Verbands-Vize Giancarlo Abete und ging auf Distanz zum "Maestro". Der frühere Coach des FCBayern hielt dagegen: "Ich denke nicht daran, zurückzutreten." Dass die Azzurri ohne ihre verletzten Superstars Christian Vieri, Filippo Inzaghi und Spielmacher Francesco Totti mit dem letzten Aufgebot in Cardiff antreten mussten, wird nicht als Entschuldigung akzeptiert.

Als Trappatoni die Niederlage dann auch noch als "optimale Partie" schönredete, schüttelten die Beobachter nur noch den Kopf. "Ich bin nicht weich gekocht. Wir werden wieder groß und die Qualifikation für Portugal schaffen", bekräftigte Trapattoni. Derweil wurde in Italien bereits sein Nachfolger gesucht. Vorgänger Dino Zoff steht in Bereitschaft. Doch er ist nicht unumstritten, obwohl er mit Italien vor zwei Jahren Vize-Europameister wurde.

Die Entscheidung über Trapattonis Schicksal soll innerhalb einer Woche fallen. Kaum besser ist die Stimmung in England. Nach der "größten Erniedrigung seit 52 Jahren" herrscht Katzenjammer auf der britischen Insel. Vor allem Torhüter David Seaman und Stürmer Alan Smith waren nach dem 2:2-Remis in der EM-Qualifikation gegen Mazedonien die Sündenböcke. Der "Daily Mirror" verhöhnte sie gar als "Dick und Doof".

Aber auch nahezu alle anderen Blätter der Insel fordern nach der Blamage in Southampton den Kopf von Seaman, der beim 0:1 - einem direkt verwandelten Eckball - mal wieder ganz schlecht aussah. Dazu nimmt die Kritik an Nationaltrainer Sven-Göran Eriksson an Schärfe zu. Für den "Daily Mirror" war das Remis gegen eine Nation, die in der FIFA-Weltrangliste auf Platz 90 liegt ("zwischen Jordanien und Kenia", wie der "Guardian" schrieb), "die größte Erniedrigung seit 52 Jahren", als England bei der WM 1950 in Brasilien gegen die USA verloren hatte. Nun werden sogar Englands Chancen auf die direkte EM- Qualifikation bezweifelt. "Einige der größten Expeditionen Englands liefen von Southampton aus - aber auch die Titanic", schrieb der "Independent" mit beißender Ironie.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%