Trauerfeier
Fans nehmen Abschied von WM-Legende Fritz Walter

Weggefährten, Politiker und Sportfunktionäre würdigten in einer bewegenden Trauerfeier auf dem Betzenberg das Lebenswerk des "Helden von Bern".

sid KAISERSLAUTERN. In dem Stadion, das seinen Namen trägt, hat ganz Deutschland am Sonntag von seiner Fußball-Legende Fritz Walter Abschied genommen. 8 000 Menschen, darunter 2000 geladenen Prominente aus Sport und Politik, versammelten sich am Mittag auf dem berühmten Betzenberg in Kaiserslautern, um dem Weltmeister von 1954 und erstem Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft bei der offiziellen Trauerfeier die letzte Ehre zu erweisen. Der "Held von Bern" war am vergangenen Montag im Alter von 81 Jahren in seinem Haus in Enkenbach-Alsenborn friedlich eingeschlafen.

Eingeleitet wurde die Trauerfeier unter strahlendem Sonnenschein vom rheinland-pfälzischen Polizeiorchester mit einem Stück von Johann Sebastian Bach. Andächtig lauschten die Ehrengäste um DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, Ehrenspielführer Franz Beckenbauer und Bundes-Innenminister Otto Schily dem Stück "Arioso" und gedachten des Lebenswerks des untadeligen Sportmannes, der sich selbst nie in den Mittelpunkt gestellt hatte.

Sehr persönliche Worte fand vor allem der Vorstandsvorsitzende des 1. FC Kaiserslautern, Jürgen Friedrich. "Fritz Walter war und ist für die Jugend ein großes Vorbild, weil er sich auch nach Abschluss seiner Karriere immer tadellos verhalten hat. Leider fiel es ihm unheimlich schwer, den Verlust seiner Frau Italia im Dezember 2001 nach über 50 Jahren Ehe zu verarbeiten. Sein großer Traum, gemeinsam mit seinem Bruder Ottmar und Horst Eckel 2006 die WM-Spiele im Fritz-Walter-Stadion zu verfolgen, wird leider nicht mehr in Erfüllung gehen. Sein Engagement im Zuge der Kaiserslauterer WM-Bewerbung war großartig", sagte Friedrich, der als zweiter Redner nach Pfarrer Bernhard Reicher auftrat.

Im Anschluss an Friedrich ergriff DFB-Boss Mayer-Vorfelder, der extra vom WM-Turnier in Südkorea und Japan in die Pfalz gereist war und noch am gleichen Abend wieder zurück zur deutschen Nationalelf flog, das Wort und würdigte den "Mythos" Fritz Walter. "Wir verabschieden uns heute von einer der größten Persönlichkeiten des deutschen Sports. Fritz Walter wird für immer unvergessen bleiben", sagte Mayer-Vofelder.

Er gehöre der Generation an, "die den WM-Gewinn 1954 bewusst erlebt hat. Ich erinnere mich noch gut daran, als ich während meiner Studentenzeit in Heidelberg auf einem Obstkarton durch das Fenster einer Wirtschaft das Halbfinale gegen Österreich geschaut habe. Fritz Walter war der überragende Mann beim 6:1", berichtete "MV" von seinen ersten Berührungspunkten mit Fritz Walter, den der Historiker Joachim Fest den "mentalen Gründungsvater der Bundesrepublik Deutschland" genannt hatte.

Auch für Innenmister Otto Schily, der in Vertretung von Bundeskanzler Gerhard Schröder als Repräsentant der Bundesregierung auf den Betzenberg kam, war Walter an der Grundsteinlegung des demokratischen Deutschlands maßgeblich beteiligt. "Deutschland trauert um ein großes Vorbild und einen außergewöhnlichen Sportler. Der WM-Gewinn gegen Ungarn war geprägt von Trainer Sepp Herberger und seinem Lenker Fritz Walter, die die Menschen im Nachkriegsdeutschland in Euphorie und Enthusiasmus versetzt haben. Walter war das Symbol für Aufbruch und Neubeginn. Das ganze Land sammelte neue Kräfte für den Aufbau des demokratischen Deutschlands", würdigte Schily jenen Mann, der als erster zum rheinland-pfälzischen Ehrenbürger ernannt worden war.

Zum Abschluss der Trauerfeier sang Judith Christ vom Staatstheater Wiesbaden die deutsche Nationalhymne. Die Beerdigung von Fritz Walter wird am Montag im engsten Familienkreis auf dem Kaiserslauterer Hauptfriedhof stattfinden. Schon jetzt rechnet die Stadt Kaiserslautern damit, dass das Walter-Grab in Zukunft zu einer Pilgerstätte des deutschen Fußballs wird. Fritz Walter, schon zu Lebzeiten eine Legende, wird als eine der größten Persönlichkeiten in die Geschichte des Weltsports Fußball eingehen.

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