Trauerfeier für Astronauten am heutigen Dienstag: Columbia-Schicksal offenbar schon beim Start besiegelt

Trauerfeier für Astronauten am heutigen Dienstag
Columbia-Schicksal offenbar schon beim Start besiegelt

Das fatale Ende der Weltraumfähre "Columbia" hat sich möglicherweise schon 80 Sekunden nach dem Start angebahnt. Ein nur 50 Zentimeter großes Schaumstoffstück, das sich kurz nach dem Start vom Außentank löste und unter die linke Tragfläche prallte, könnte den Hitzeschutz der Fähre an entscheidender Stelle beschädigt haben, teilte die Weltraumbehörde Nasa mit.

HB/dpa HOUSTON/WASHINGTON. Mit einer Trauerfeier sollte am Dienstagabend in Houston der bei dem Absturz der Raumfähre am Samstag getöteten sieben Astronauten gedacht werden. Auch US-Präsident George W. Bush wurde zu der Zeremonie erwartet.

"Wir gehen von der These aus, dass der Außentank die Ursache für den Verlust der "Columbia" ist", sagte Shuttle-Programmchef Ron Dittemore am Montag (Ortszeit) in Houston. Dies sei aber nur eine Arbeitshypothese. Dittemore warnte vor voreiligen Schlüssen. Kurz vor dem Zerbrechen der Raumfähre in 60 000 Metern Höhe hatten Sensoren vom linken Tragflügel einen Temperaturanstieg gemeldet. Der Anstieg sei aber moderat gewesen, sagte Dittemore.



Großes Stück der Nase der Fähre gefunden

Unterdessen fanden Suchtrupps in den Wäldern von Osttexas Teile der Raumfähre, die wichtige Aufschlüsse über die Unglücksursache bringen könnten. Südwestlich des Ortes Hemphill wurde ein großes Stück der dunklen Nase der Raumfähre gefunden. "Sie ist ziemlich intakt", berichtete Scheriff Tommy Maddox im US-Fernsehen. Anderswo stießen die Suchtrupps auf ein großes Stück der Kabine der Fähre, sowie eine Tür und mehrere Computer-Module.

Die Behörden drohen Souvenirjägern, die durch den Absturz verstreute Shuttle-Teile mit nach Hause nehmen, mit heftigen Strafen. Von den 12 000 Teilen, die bislang gemeldet wurden, seien bereits mehr als 100 verschwunden, berichtete die "Washington Post".

Von dem Außentank der "Columbia" hatte sich kurz nach dem Start am 16. Januar ein Stück Isoliermaterial gelöst und war auf die Unterseite der linken Tragfläche geprallt. Das war bei der Analyse von Filmmaterial des Start entdeckt worden. Die NASA geht davon aus, dass das Schaumstoffstück nicht größer als 40 mal 50 Zentimeter war und nur 1,2 Kilogramm wog.

Die Ingenieure hätten sich intensiv mit dem Vorfall befasst und seien nach zahlreichen Modellberechnungen zu dem Schluss gekommen: "Selbst, wenn ein struktureller Schaden entstanden ist, wäre der Schaden nicht so groß, dass eine Katastrophe passieren kann", sagte Dittemore. Zudem hatten die Shuttles schon bei früheren Flügen Hitzeschutzkacheln verloren, ohne dass dies die Sicherheit der Fähren beeinträchtigt habe.



Unfall "spornt an"

Nasa-Programmchef Jesko von Puttkamer rechnet nicht mit größeren Verzögerungen im amerikanischen Raumfahrtprogramm. Ein solcher Unfall werde nicht bremsen, sondern eher anspornen, sagte er im Deutschlandradio Berlin. Am wichtigsten sei jetzt die Versorgungsfrage der drei Astronauten in der internationalen Raumstation (ISS). Derzeit seien Vorräte bis Ende Juni an Bord. Jörg Feustel-Büchel, Direktor der Europäischen Weltraumorganisation ESA, sieht keine Schwierigkeiten, die ISS-Mannschaft abzulösen. Am Dienstag dockte der russische Raumfrachter "Progress" mit Nahrungsmitteln und Treibstoff an Bord planungsgemäß an die ISS an.

Japans geplante Verschiffung seines Forschungsmoduls für die ISS in die USA wird sich möglicherweise wegen des Absturzes der "Columbia" verzögern. Das deutete die japanische Wissenschaftsministerin Atsuko Toyama am Dienstag nach einem Bericht der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo an.



Israel bittet USA um die Ausbildung eines zweiten Astronauten

Israel will die USA um die Ausbildung eines zweiten Astronauten bitten. Das Land wolle Partner im Nasa-Programm bleiben, betonte die Regierung in Tel Aviv. Der erste Israeli im All, Ilan Ramon, war einer der sieben Opfer des Absturzes.

In einer Stellungnahme am Dienstag reagierte das deutsche Fraunhofer-Institut, das jahrelang eng mit den Shuttle-Astronauten gearbeitet hat, mit Bestürzung und Trauer auf das Unglück. Auf der letzten Columbia-Mission waren auch Experimente des Instituts.

Unterdessen hat das Hollywoodstudio Paramount Pictures den Werbefilm für einen bereits gedrehten Film gestoppt. In dem Trailer für den Science-Fiction-Streifen "The Core" wurde ein Space Shuttle gezeigt, das Landeprobleme hat. Der Film selbst soll jedoch wie geplant Ende März in den USA in die Kinos kommen.

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