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Trauerfeier für Hannelore Kohl in Speyer

Als Hannelore Kohls Sarg am Mittwochvormittag vor dem Speyerer Dom eintrifft, kehrt unter den mehreren hundert Trauergästen schlagartig Ruhe ein.

HB SPEYER. Vier Bestatter heben den Sarg aus hellbraunem Holz an den dunklen Metallgriffen aus dem Leichenwagen. Kurz darauf sind sie mit dem Sarg im Dom verschwunden, wo später die Totenmesse für Hannelore Kohl gehalten werden soll. Als sich kurz nach 12.00 Uhr die Domtüren öffnen, drängen die Menschen hinein. Nach wenigen Minuten sind alle Plätze besetzt, bis auf die in den ersten 20 Reihen, die für die Familie und die prominenten Gäste reserviert sind. Als einer der ersten trifft der ehemalige Bundesfinanzminister Theo Waigel (CSU) ein.

Der Sarg ist mit einem riesigen Bukett aus roten Rosen geschmückt. Etwa 70 Kränze zeugen von der Anteilnahme der Trauergäste, darunter ein Kranz mit gelben Rosen von Bundeskanzler Gerhard Schröder. An einem Gebinde mit weißen Rosen und blauen Rittersporn hängt ein blau- weißes Band mit der Aufschrift "Der bayrische Ministerpräsident". Von der Stiftung Hannelore Kohls steht "Unvergessen - Kuratorium ZNS" auf der lilafarbenen Schleife eines Kranzes, den weiße Lilien und weiße Gerbera zieren.

Schon lange vor der Öffnung des Domes hatten sich die ersten Trauergäste eingestellt, manche schon seit 06.00 Uhr morgens. Eine Passantin: "Die Frau Kohl war das Herz und die Rose der Familie. Den Gottesdienst hält nach Angaben des Bistums Monsignore Erich Ramstetter, ein langjähriger Freund von Altkanzler Helmut Kohl (CDU). Die Beisetzung soll danach im engsten Familienkreis auf einem Friedhof in Ludwigshafen stattfinden.

Auch die türkischen Schwiegereltern des jüngeren Kohl-Sohnes Peter nehmen teil. "Wir müssen den Kohls in diesen schmerzlichen Tagen zur Seite stehen", sagten Kemal und Jale Sözen der türkischen Zeitung "Sabah" vom Mittwoch. "Hannelores Tod hat uns tief bekümmert, unser Schmerz ist groß. Wir haben eine Familienangehörige verloren." Die Sözens waren bereits am Dienstag nach Deutschland geflogen, um rechtzeitig in Speyer zu sein. Ihre Tochter Elif hatte im Mai Peter Kohl geheiratet. Wegen ihrer Lichtallergie konnte Hannelore Kohl nicht an der Hochzeitsfeier in Istanbul teilnehmen. Ihre öffentlich demonstrierte Zuneigung zu der türkischen Schwiegertochter hatten ihr in der Türkei viele Sympathien eingebracht. Der Gottesdienst wird entgegen früheren Angaben über Lautsprecher vor dem Dom übertragen.

Hannelore Kohl war am vergangenen Donnerstag tot im Haus der Familie in Ludwigshafen-Oggersheim aufgefunden worden. In mehreren Abschiedsbriefen nannte die 68-Jährige als Grund für ihren Selbstmord ihre schwere Lichtallergie, wegen der sie ihr Haus zuletzt praktisch nicht mehr verlassen konnte. Sie soll im Familiengrab der Kohls in Ludwigshafen-Friesenheim beigesetzt werden, in dem auch Kohls Eltern liegen.

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