Trauerfeier im engsten Kreis
Abschied von Möllemann

Mehrere hundert Anhänger und Weggefährten haben auf dem Zentralfriedhof in Münster Abschied vom ehemaligen FDP-Spitzenpolitiker Jürgen Möllemann genommen. Dicht gedrängt in einer kleinen Kapelle am Rande des Friedhofs zogen sie am geschlossenen Sarg mit dem Leichnam Möllemanns vorbei und trugen sich in ein Kondolenzbuch ein.

Reuters MÜNSTER. Zahlreiche Trauergäste legten Blumen am Sarg nieder, auf dem ein Schwarz-Weiß-Foto Möllemanns aufgestellt war. Ein Mann in arabischer Kleidung stellte einen mächtigen Orchideenstrauß ab. Vor der Kapelle bildete sich eine rund 100 Meter lange Menschenschlange. Auf dem abgesperrten Friedhof sollte der frühere FDP-Politiker gegen Freitagmittag im engen Freundes- und Familienkreis beigesetzt werden. Rund 120 Freunde und Angehörige waren eingeladen, die FDP-Spitze war ausdrücklich unerwünscht. Mehrere Landtagsabgeordnete aus Düsseldorf wollten dem ehemaligen nordrhein-westfälischen FDP-Landeschef dennoch die letzte Ehre erweisen.

Der bayerische FDP-Politiker Hans Brandl reiste aus Vilshofen zur Trauerfeier an. "Ich bin schon 25 Jahre lang ein Einzelkämpfer, da kann man gut nachempfinden, was Möllemann in den letzten Wochen durchgemacht hat", sagte er. Ein anderer Trauergast sagte mit Blick auf die ungklärten Umstände des Fallschirmabsturzes Möllemanns: "Sein Abschied war wie sein ganzes Leben - schillernd und voller Fragen." Die Trauerreden wollten der FDP-Ehrenvorsitzende und Mentor Möllemanns, Hans-Dietrich Genscher, sowie Möllemanns schleswig-holsteinischer Parteifreund Wolfgang Kubicki halten.

Teilnehmen sollten auch der Manager des Fußballvereins Schalke 04, Rudi Assauer, sowie Vertreter zahlreicher Vereine und Verbände, darunter die Deutsch-Arabische Gesellschaft und der Fallschirmsportclub Münster. Möllemann war auch jahrelang Vizepräsident von Schalke 04.

Der 57-jährige Möllemann war am Donnerstag vergangener Woche unter bislang ungeklärten Umständen bei einem Fallschirmsprung ums Leben gekommen. Augenzeugen hatten nach dem Absturz von einem augenscheinlichen Selbstmord Möllemanns gesprochen.

Unmittelbar vor dem Fallschirmsprung hatte der Bundestag Möllemanns Immunität als Abgeordneter aufgehoben. Ermittlungsbehörden hatten begonnen, seine Privat- und Geschäftsräume zu durchsuchen. Möllemann hatte die FDP nach monatelangem Streit im März verlassen und den Schritt damals mit einer "Hetz- und Treibjagd" der Parteiführung begründet.

FDP-Chef Guido Westerwelle hatte Möllemann wegen dessen israel-kritischen Flugblatts für die Niederlage der Partei bei der Bundestagswahl verantwortlich gemacht. Zudem hatte die Parteispitze auch im Zusammenhang mit der Finanzierung des Flugblatts und Unregelmäßigkeiten in Rechenschaftsberichten der NRW-FDP Vorwürfe erhoben, die zu Ermittlungen der Staatsanwaltschaft führten. Der Streit hatte die FDP an den Rand der Spaltung getrieben.

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