Trauerspiel ohne Konzept
Aktionäre zweifeln am Überleben von RTV Family

Das Geschäftsmodell des hochverschuldeten Kinderprogramm-Produzenten RTV Family Entertainment ist nach Ansicht von Aktionärsvertretern nicht zukunftsfähig.

Reuters MÜNCHEN. Es sehe nach einem Ende des Unternehmens aus, sagte Martin Arendts von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) auf der außerordentlichen RTV-Hauptversammlung in München.

Der Vorstand biete ein Trauerspiel und habe kein Konzept, um die Gesellschaft aus der Krise zu führen. "Wo sollen jetzt die Umsätze erzielt werden?", fragte Arendts unter Beifall vieler Aktionäre.

Der neu eingesetzte Sanierungsvorstand Fredrik Henzel erläuterte, RTV wolle sich auf Auftragsproduktionen für öffentlich-rechtliche Sender konzentrieren. Wann das Unternehmen aber wieder Gewinne erwirtschaften wird, sagte er nicht.

Das bis Juni am Neuen Markt notierte Unternehmen hatte die Hauptversammlung einberufen müssen, weil es mehr als die Hälfte seines Grundkapitals aufgezehrt hat. Abschreibungen auf Filmvermögen und Forderungen in Millionenhöhe hatten RTV im ersten Halbjahr 2002 tief in die roten Zahlen rutschen lassen. Der Umsatz halbierte sich fast auf 16,7 Millionen Euro.

Die Gesellschaft wandte nach eigenen Angaben die Zahlungsunfähigkeit nur ab, weil die Konsortialbanken nach einer Garantieerklärung des Hauptaktionärs, der Ravensburger AG, einen Überbrückungskredit zur Verfügung stellten.

Der SdK-Vertreter kritisierte, RTV biete keine Transparenz und wolle seine Kleinaktionäre aus der Firma drängen. Die außerordentliche Hauptversammlung soll über einen Kapitalschnitt im Verhältnis von 15 zu eins und eine Barkapitalerhöhung im Verhältnis von eins zu drei abstimmen, wobei die neuen Aktien nicht an der Börse gehandelt werden sollen. Ein Aktionär nannte dies eine "Entmachtung".

Die Anteilseigner kritisierten auch einen Ämterproporz, weil 15 Mitarbeitern sechs Aufsichtsratsmitgliedern gegenüber stünden. RTV-Vorstand Henzel räumte ein, dass künftig mit "deutlich geringeren Umsätzen" zu rechnen sei. Für den Fortbestand seien bis Jahresende vier Millionen Euro und 2003 eine weitere Million Euro erforderlich. RTV wolle die neuen Aktien nicht an die Börse bringen, weil die Konsortialbanken dies abgelehnt hätten. Die RTV-Aktie notiert am Geregelten Markt derzeit bei 0,12 Euro.

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